Musikalischen Schatz für Karfreitags-Liturgie wiederentdeckt

Auf den Spuren der Passion von Paffendorf: Heinz-Helmut Schulte und Dr. Walter Kayser
Auf den Spuren der Passion von Paffendorf: Heinz-Helmut Schulte und Dr. Walter Kayser
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Dr. Walter Kayser hatte Kirchenmusiker Heinz-Helmut Schulte neugierig gemacht. Nun hat der ein Werk gefunden, das 1960 bereits in Warstein aufgeführt wurde.

Warstein..  Wenn es etwas gibt, in das sich Kirchenmusiker Heinz-Helmut Schulte verbeißen kann, dann ist es die Suche nach besonderen Kleinodien der sakralen Musik. Auch für die Karfreitags-Liturgie hat er ein besonderes Werk ausgegraben, das in einem offenen Chorprojekt in den kommenden Wochen eingeübt wird – „Das Leiden unseres Herrn Jesu Christi nach dem Evangelisten Johannes“. Komponist ist Pater Alexander Paffendorf.

Aufmerksam gemacht worden war er auf die Passion von Dr. Walter Kayser, der Schulte erzählte, dass dieses Werk in den 1960er Jahren in Warstein aufgeführt worden sei. Ein Werk, an dem Kaysers Herz hängt. „Als ich ein Junge war, habe ich weite Wege in meiner Heimatstadt Menden auf mich genommen, um der Aufführung lauschen zu können“, erzählt er.

Neugierig auf das Werk

Heinz-Helmut Schulte wurde neugierig auf dieses Werk und begann zu recherchieren. In den Warsteiner Chor-Archiven wurde er allerdings nicht fündig. „Wahrscheinlich waren die Noten im Privateigentum meines Vorgängers Albert Poggel“, vermutet Schulte. Aufgeben wollte Schulte jedoch an dieser Stelle nicht. Die Neugier trieb ihn weiter und so bekam er am Referat für Kirchenmusik in Augsburg den entscheidenden Hinweis, der ihn in die Nähe Heidelbergs führte. Dort gab es einen Chor, der das Werk vor Kurzem aufgeführt hatte und auch die Noten besaß.

„Prof. Franz Wassermann von der Uni Heidelberg, der Leiter des Chores, wollte sich erst einmal nach der Urheberschaft erkundigen.“ Schulte hatte Glück: 1925 war das Stück verlegt worden, danach nicht mehr, so dass die Rechte erloschen waren. Schulte erhielt die Noten.

Musik für die Praxis

„Das ist keine ganz große Literatur, sondern mehr etwas für die Praxis“, räumt Schulte ein. Bei solchen Werken, die die Volksfrömmigkeit ausdrücken, habe er in den vergangenen Jahren jedoch viele gute Sachen gefunden. „Ich entdecke immer wieder, dass auch die Wertschätzung für solche Kompositionen da ist. Ich fühle mich beflügelt.“

Interessant sei Paffendorfs Passion einerseits für die Wästerstadt, weil sie aus der gleichen Zeit stammen, in die auch die Wurzeln der Kirchenchöre in Warstein zurückreichen.

Gesungene Passion als Steigerung

Der Pankratius-Chor, in dessen Tradition auch der heutige Chorious steht, wurde 1919/20 gegründet. „Und es hat mich beflügelt, dass es in unserer Gemeinde eine solche Tradition der gesungenen Passion gegeben hat“, erläutert Schulte. „Das ist fast wie ein Wink aus der Vergangenheit.“ Da er ein Verfechter davon sei, dass auf die gelesene Passion an Palmsonntag an Karfreitag eine gesungene im Sinne der Steigerung folge – was in der Pankratius-Gemeinde seit einigen Jahren (wieder) praktiziert wird – fühle er sich bestätigt. „Das muss früher ja auch schon möglich gewesen sein.“

Dispens vom Dechant

Was anscheinend damals ebenso möglich war, ist eine Aufführung mit instrumentaler Begleitung „Eigentlich gibt es die Karfreitag ja nicht, weil die Orgel ebenso wie die Glocken nach Rom geflogen sind“, schmunzelt Schulte. „Daher haben wir uns für die Paffendorf Aufführung einen Dispens bei Dechant Wulf geholt.“ Denn die Passion ist nicht, wie die Werke anderer Komponisten, ein A-Capella-Stück. „Wir haben die Tradition des unbegleiteten Gesangs immer gepflegt, jetzt machen wir eine Ausnahme wegen der Authentizität.“ So wird Annette Korf die Sänger an Karfreitag am Klavier begleiten.