Mit vorgehaltener Pistole Schulden eingetrieben

Landgericht Paderborn
Landgericht Paderborn
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Was wir bereits wissen
Weil er vom Versuch der schweren räuberischen Erpressung gerade noch rechtzeitig abgelassen hat, kommt ein 23-jähriger Belecker vor dem Landgericht Paderborn mit Bewährung davon.

Belecke/Paderborn..  „Er hat die Pistole auf mich gerichtet und mich aufgefordert, ihm mein Handy zu geben.“ Schwere Anschuldigungen äußerte ein Geseker gestern vor dem Landgericht Paderborn gegenüber dem 23 Jahre alten Angeklagten aus Belecke, der sich wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung verantworten musste. Da er diesen Versuch nach Ansicht der Kammer jedoch rechtzeitig abgebrochen hatte, kam er mit einer Bewährungsstrafe davon.

Der Verteidiger des Angeklagten versuchte bereits zu Beginn der Hauptverhandlung, sich in einem nicht-öffentlichen so genannten Rechtsgespräch mit Staatsanwaltschaft und Richtern auf eine Bewährungsstrafe zu einigen. Dies scheiterte zunächst, weil die Staatsanwältin darauf bestand, die geladenen Zeugen zu vernehmen.

In einer von seinem Rechtsanwalt vorgetragenen Erklärung räumte der Belecker danach ein, im August 2013 in Lippstadt Geld vom Geschädigten gefordert zu haben. Der 19-Jährige – beide kannten sich aus der Schule – habe ihm 80 Euro für Drogen geschuldet. „Die ungeladene Schreckschusspistole befand sich in einem Umhängebeutel des Angeklagten“, erklärte der Anwalt – sie sei nie auf den Geschädigten gerichtet worden.

Hinsichtlich einer zweiten angeklagten Tat – der 23-Jährige soll im Dezember 2013 am Busbahnhof in Belecke ein Butterfly-Messer gegen ein Auto geworfen haben – zeigte er sich geständig. Nur ein Verstoß gegen das Waffengesetz habe, anders als von der Staatsanwaltschaft behauptet, nicht vorgelegen, da das Messer einem Freund des Angeklagten gehörte. Dieser bestätigte das in seiner Zeugenaussage und sieht sich damit nun selbst einer Anklage gegenüber.

Freunde stoppen den Angeklagten

Die Kammer konnte sich nun aber auf den anderen, schwerer wiegenden Vorwurf konzentrieren. Der erst mit zwei Stunden Verspätung zur Verhandlung erschiene Geschädigte beschrieb, dass der Angeklagte die Waffe während des Vorfalls im August 2013 im Hosenbund stecken hatte. „Als er sie auf mich gerichtet hat, habe ich angefangen zu zittern und zu weinen“, sagte er.

Der Angeklagte soll gedroht haben: „Wenn du weg läufst, dann schieß ich auf dich.“ Daraufhin hätten sich Freunde eingemischt und den Belecker gestoppt. „Ich habe schon ,Muffe’ gehabt“, sagte der Geschädigte vor Gericht, „aber ich denke nicht, dass er wirklich geschossen hätte.“Da er „von sich aus vom Erpressungsversuch zurückgetreten“ sei, werteten alle Prozessbeteiligten den Vorfall als versuchte Nötigung.

Für beide Taten verurteilte die 1. Große Strafkammer den 23-Jährigen zur zehnmonatigen Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, setzte das Urteil aber zur Bewährung aus.

„Es muss klar sein, dass das die absolute Ausnahme ist“, betonte der Vorsitzende Richter Emminghaus, denn der Belecker stand während der Tat bereits unter Bewährung. Nur die positiven Entwicklungen, die der junge Mann im vergangenen halben Jahr in der Sucht- und Psychotherapie in der LWL-Klinik gemacht hat, bewahrten ihn vor der Strafvollstreckung. „Er hat sich einen genauen Fahrplan für seine Zukunft zurechtgelegt“, erklärte die Bewährungshelferin schriftlich, „die Basis, um in ein anderes Leben.“

Eine ambulante Drogen-Nachsorge, regelmäßige Abstinenzkontrollen und der Besuch einer Selbsthilfegruppe wurden ihm als Auflagen mit auf den Weg gegeben.