Mit Ranger Jörg Pahl die heimischen Quellen erkunden

Wanderung mit Ranger Jörg Pahl
Wanderung mit Ranger Jörg Pahl
Foto: Elisa Sobkowiak
Was wir bereits wissen
Die Quellen im Arnsberger Wald waren das Thema des diesjährigen Ranger-Wandertags. Gemeinsam mit Jörg Pahl wanderten einige Interessierte querfeldein bis zur Hubertusquelle.

Warstein..  „Halt, halt, halt!“ – wieder kündigt der Ausruf Jörg Pahls die Entdeckung eines neuen Naturschatzes an. Die Gruppe hält an und bildet gespannt einen Kreis um den Ranger.

Mit jedem weiteren Meter Fußmarsch werden die Hobbywanderer selbst aufmerksamer, verstehen, wie viel es im Wald zu entdecken gibt – und kaum entsteht eine neue Frage in den Blicken der abenteuerlustigen Gruppe, weiß Pahl Antwort: Als Ranger Südwestfalens im Landesbetrieb „Wald und Holz NRW“, als sogenannter „Botschafter des Waldes“, hat Pahl viel zu erzählen. So auch der rund 30-köpfigen Wandertruppe, die sich an diesem Tag unter dem Motto Quellen und Wasser bei „Traumwetter“ auf den gut sechs Kilometer langen und rund dreistündigen Weg machen; beginnend am Parkplatz zum Lörmecketurm.

60 Führungen pro Jahr

Von öffentlichen über gebuchte Führungen für Schulklassen oder Kindergärten hat Jörg Pahl in den fünfeinhalb Jahren, in denen er nun als Ranger arbeitet, schon allerlei mitgemacht – rund 60 Führungen begleitet er pro Jahr. Doch was heißt das eigentlich genau, „Ranger“? „Wir sind als Schutzgebietsbeauftragte zu verstehen“, erklärt Pahl den Wanderern zu Beginn der Tour, „oder auch als Waldpolizisten“ – und zur Bestätigung seiner Worte ergreifen gut eine halbe Stunde nach eben diesen Worten zwei Motorcrossfahrer schon beim Anblick des Rangers die Flucht aus dem Wald.

Gemeinsam mit einem Kollegen ist Jörg Pahl nach eigener Aussage einer der wenigen Ranger in Europa, die weniger als Schutzbeauftragte sondern vielmehr auf Wanderwegen eingesetzt werden, um insbesondere Jugendliche und Kinder, aber auch Erwachsene näher an die Schönheiten der Wälder heranzuführen.

An die Schönheiten heranführen

Auch wenn das Thema für die Wandertour „Quellen“ lautet, gibt es doch zwischen den einzelnen Stationen noch weitaus mehr zu entdecken, zu fragen und zu erkunden: Was die kleinen, durch Zäune abgetrennte Flächen eigentlich für einen Nutzen hätten, fragen einige aus der Gruppe – „Das sind Weisergatter“, erklärt der Ranger; hier werde die Entwicklung eines Lebensraumes ohne die Einwirkung des Wildes beobachtet.

Zweimal hinschauen

Auch an den Pflanzen am Wegesrand geht die Gruppe nicht ohne zweimal hinzuschauen vorbei: so erfährt sie, dass etwa die Pestwurz, auch trotz des eher abstoßenden Namens, mit ihren großen Blättern früher zum Sonnenschutz verwendet wurde und dass das Einatmen von Staubpartikeln einer mit Fuchsbandwurm-infizierten Wildpflanze auch uns Menschen krank machen kann. Auch ein durch Wildverbiss geschädigter Baumstamm, der sich daraufhin mit Pilzsporen infizierte, wird der Wandergruppe gezeigt.

Und welche Aufgabe haben eigentlich die Fichten im Wald? „Ich hoffe, Sie haben heute alle schon Fichte verwendet – in Form von Toilettenpapier“, schmunzelt der Ranger und verdeutlicht den enormen wirtschaftlichen Wert dieser Baumart.

In Papier, in Pellets, in Dachstühlen – das und vieles mehr sei alles aus Fichtenholz, deshalb sei auch der Preis des Holzes so hoch, erklärt Jörg Pahl den neugierigen Naturforschern. Doch die Fichte sorge auch für Veränderungen: Fallen ihre recht sauren Nadeln in Gewässer, verändere sich dessen pH-Wert und durch die Beschattung des Wassers auch die Gewässertemperatur – dies könne gravierende Auswirkungen auf Flora und Fauna im Wasser haben.

Fichte vielseitig verwendbar

„Deshalb gehören Fichten eigentlich nicht hierher“, erklärt der Ranger bei einem Halt an einer Quelle; Fichten gebe es hier erst seit rund 300 Jahren. Doch „einen artenvielfältigen Wald zu haben, bedeutet einen gesunden Wald zu haben“, ist sich Pahl sicher; auch Warstein und Meschede, deren Waldgebiete auf dem Weg zum Lörmecketurm zusammenstoßen, hätten sich auf ihre Fahnen geschrieben, die Vielfalt zu schützen und zu wahren – gut so, wie der Waldexperte findet, habe er doch schließlich ein „mulmiges Gefühl“ im Bauch, wenn er beispielsweise eine reine „Weihnachtsbaumkultur“, einen Wald nur aus Nordmanntannen sieht.

„Viele Menschen kommen in den Wald mit der Erwartung, eine intakte Natur mit sauberen Wegen präsentiert zu bekommen“ – doch das sei in unseren Wäldern nicht immer möglich, schildert Pahl der Wandergruppe auf einem Feldweg, der durch Rückearbeiten arg in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Es handele sich bei den meisten Wäldern um Wirtschaftswälder, deswegen finde man häufig abgeholzte Bäume und Spuren der Fällarbeiten vor.

Quelle im Vordergrund

Am Lörmecketurm angekommen nutzt der Großteil der Gruppe die Gelegenheit, diesen auch zu besteigen – sind doch sogar Teilnehmer aus Münster und Siegen eigens für die Tour angereist.

Im Vordergrund dieser Rangerwanderung steht jedoch die Lörmeckequelle, die wesentlich zur Abdeckung des Trinkwasserbedarfs in der Region beitrage. „Dieses gute Trinkwasser müssen wir beschützen“, appelliert Pahl an die Gruppe, denn bei nur rund drei Prozent Süßwasser auf der ganzen Erde sei dies ein Lebensgrundstoff, um den später vielleicht einmal Krieg geführt werde. Jede Quelle habe einen Schutzstatus an sich und so müsse deshalb nicht jede extra als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. „Alleine im Sauerland gibt es 80 000 bis 100 000 Quellen“, informiert der Ranger.

„Querfeldein“ geht es anschließend zur Hubertusquelle – „darf man das überhaupt?“, kommt die Frage unter den Wanderern auf. „Solange es kein geschütztes Gebiet ist und man sich an bestimmte Regeln hält, wie etwa, nicht durch dichtes Gebüsch zu gehen, dann ja“, antwortet Pahl. Natur hautnah erleben und das Quellwasser der Hubertusquelle probieren dürfen die Wanderer – vor allem die jüngeren Teilnehmer lassen sich da nicht zwei Mal bitten.

Humorvoll und lehrreich

Über Köcherfliegenlarven, Feuerlöschteiche und Moos, das für den Wasserhaushalt im Wald – kann es doch das 25-fache des eigenen Gewichtes speichern – enormen Wert habe, belehrt der Ranger die Gruppe auf dem Rückweg. Auch einer Blindschleiche (naturgetreu) und sogar Goldfischen (eher gezüchtet und ausgesetzt in einem ehemaligen Feuerlöschteich) begegnen die Wanderer, bevor es nach einer gemütlich humorvollen und vor allem lehrreichen Wanderung durch das obere Wideytal wieder zurück zum Parkplatz geht.

Sicherlich sind auch einige das nächste Mal wieder dabei – bald steht eine frühmorgendliche Wanderung durch das Bibertal an, verspricht Ranger Jörg Pahl den Wanderern zum Abschied.