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Kunst

Mit Pinsel und Kettensäge

03.07.2009 | 19:30 Uhr

Handwerkerdorf dient Künstlern bei "Kreativtagen" als Atelier

Filigran mit dem Pinsel: Eine Künstlerin bei der Arbeit. Sonntag werden die Ergebnisse der Kreativtage vorgestellt. Foto: Jürgen Kortmann

Rüthen. Das Handwerkerdorf ist gerade ein großes Freiluftatelier: Erstmals hat sich hier der Kunstkreis 2 für seine „Kreativtage” eingerichtet. Filigran mit Pinsel geht es hier zu — und handfest mit der Kettensäge.

Das Angebot musste abgespeckt werden, weil das Handwerkerdorf räumlich eben Grenzen setzt. So gibt es in diesem Jahr keine Metallbearbeitung und keine Steinbildhauerei. Die 23 Teilnehmer, überwiegend aus der Region, dazu aber auch aus Bonn und dem Ruhrgebiet, mit Eva Sauerwein sogar aus Hamburg, besuchen stattdessen Kurse in Malerei und in Holzbildhauerei. Hubert Herting, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Heimatpflege und traditionelles Brauchtum, ist froh über die neuen Gäste: Die drei Kreativtage sind ein weiterer Mosaikstein, um das Handwerkerdorf besser auszunutzen und bekannter zu machen. 

Und sowohl den Kunstschülern als auch ihren Lehrern gefällt die Atmosphäre im Schatten des Hexenturms. Arbeiten lässt es sich hier auch: Es weht immer ein Lüftchen auf der Stadtmauer. Gisela Michel und Rebeca Wulfert haben die „Kreativtage” diesmal organisiert: „Man kann hier wieder kreativ sein und trotzdem entspannen”, sagt Gisela Michel.

In Viviana Büker aus Büren-Ahden wurde eine ganz junge Dozentin fürs Malen gefunden. Die 18-Jährige, die schon eigene Ausstellungen vorweisen kann und als Dozentin für die VHS arbeitete, gibt gerade Monika Meis aus Siddinghausen Tipps, wie sie ihrem Bild durch Strukturen mehr Tiefe verleihen kann — dafür kann man Rinde genauso gut nehmen, wie Schoko-Papier oder Sackleinen. Monika Meis hat sich als Vorlage Urlaubsfotos aus Ägypten ausgewählt, die sie jetzt auf Leinwand bannt — Papyrus hatte sie sich gleich mitgebracht, Sand aus Afrika konnte sie bei einer anderen Künstlerin eintauschen. 

Ein alter Hase bei den „Kreativtagen” ist Paul Krüper. Der gebürtige Rüthener ist zum zehnten Mal als Dozent für die Holzbildhauerei dabei. Die Kulisse am Hexenturm findet er „wunderbar”: „Die Atmosphäre muss stimmen.” Arbeitsziel ist es, am Ende der „Kreativtage” eine Skulptur mit nach Hause nehmen zu können.

Manche bringen eigene Ideen mit nach Rüthen, was sie verwirklichen möchten — etwa Dr. Fritz Mendelin aus Bonn, der im Rhein ein schönes Stück Treibholz fand. In Rüthen wird daraus eine schöne, schlanke Frau entstehen. Wer keine Vorstellung hat, was er verwirklichen könnte, dem hilft Krüper auf die Sprünge — er lächelt, „dann muss ich mit der Kettensäge sprechen oder dem 30er Beitel”.

Paul Krüper opfert für die „Kreativtage” immer einen Teil seines Urlaubs. Im Hauptberuf ist er Sozialarbeiter im ostfriesischen Rhauderfehn. Er arbeitet mit straffällig gewordenen Jugendlichen — im September nimmt er sie mit nach Argentinien, wo die Jugendlichen in einer Schule in den Slums von Buenos Aires arbeiten und eine Solaranlage bauen werden. Krüper wird dort eine bildhauerische Installation verwirklichen. 

Mit den Künstlern ins Gespräch kommen kann man am Sonntag: In der Zeit von 14 bis 16 Uhr sind bei einem Besuchstag auch die entstandenen Werke in einer kleinen „Kunstmeile” an der Stadtmauer ausgestellt. Es gibt reichlich Kuchen, der zugunsten der Leprahilfe verkauft wird.

Jürgen Kortmann

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