Mit einem Sekt in der Sakristei anstoßen

Pastöre feiern allein Silvester, oder doch nicht? Drei Geistliche berichten von Abenden mit Sekt, Spaß und Besinnlichkeit.
Pastöre feiern allein Silvester, oder doch nicht? Drei Geistliche berichten von Abenden mit Sekt, Spaß und Besinnlichkeit.
Foto: Udo Geisler
Was wir bereits wissen
Pastöre feiern Silvester allein. Oder nicht? Drei Geistliche erzählen, wie sie das neue Jahr begehen

Warstein..  Es ist Silvester. 00 Uhr. Auf den Straßen wird gelacht und gefeiert. Paare küssen sich gegenseitig in das neue Jahr und wer niemanden zum küssen hat, schießt Feuerwerksraketen in die Luft, um das neue Jahr zu begrüßen. So oder ähnlich feiern die Menschen Silvester.

An die Kirche denkt in diesem Moment niemand, an die Pastöre und ihren Silvesterabend. Pastöre haben keinen Partner zum Küssen, feiern Silvester allein. Oder nicht? Und wie ist es, an Silvester arbeiten zu müssen? Zeit ein paar Vorurteile aus dem Weg zu räumen. „Ich feiere Silvester total unspektakulär“, sagt Pastor Daniel Meiworm. Er erwartet seine Freunde und seine Familie. Zusammen wollen sie am Silvesterabend das fast vergangene Jahr reflektieren, sich an schöne und traurige Momente erinnern. „Um zwölf Uhr wird natürlich auch angestoßen“, sagt er und lacht verschmitzt.

Arbeiten muss er an diesem Abend sowie an Neujahr auch. Der Jahresabschlussgottesdienst muss vorbereitet und gehalten werden. Für die Gemeinde reflektiert er das Jahr etwas anders, macht sich Gedanken und will gemeinsam mit den Menschen Gott für das Jahr danken.

Feiertage sind Hochsaison

Pfarrer Markus Gudermann arbeitet ebenfalls, schließlich seien die Feiertage Hochsaison. „Da der Heiligabend und Silvester auf einen Mittwoch fallen, hat man die Sonntagspredigt zwischen den Feiertagen und muss dann direkt schon die nächsten Gottesdienste für den Jahreswechsel vorbereiten.“

Um 17 Uhr wird in Belecke der Jahresabschlussgottesdienst stattfinden. An Neujahr muss Markus Gudermann schon um 10.30 Uhr wieder auf der Kanzel stehen. Besinnlichkeit bleibe da schnell auf der Strecke. „Ich muss aufpassen dass ich der Gemeinde nicht predige, dass sie sich besinnen sollen, ich aber selbst keine Zeit dafür finde“, sagt er. Silvester verbringt er jedes Jahr anders. Manchmal tue er sich mit Nachbarn, manchmal mit Freunden zusammen. Dann werde viel gegessen und geredet, erzählt er.

Feste Rituale hat er nicht, feierte Silvester auch schon mal allein. „Ich habe gelesen, Fernsehen geschaut, auch wenn da nichts Vernünftiges läuft. Ich hänge diesen Abend nicht hoch, bin auch schon mal vor zwölf schlafen gegangen. Für mich ist das ein Abend wie jeder andere auch“, sagt er gelassen.

Dechant Thomas Wulf dagegen erzählt am Telefon von einem festen Ritual. Natürlich müsse er arbeiten, den Gottesdienst vorbereiten und mit der Gemeinde rückblickend danken sowie den Segen für das neue Jahr erbitten. Den 31. Dezember halte er sich immer frei, um auch persönlich das Jahr zu reflektieren, durch den Kalender zu blicken, um zu sehen, was so passiert ist in den letzten Monaten. Er braucht das, dieses „In sich gehen“.

Eine Silvestertradition

Seit seiner Priesterweihe 1997 erhält er aber auch eine andere Tradition aufrecht. Mit einem festen Kreis seiner Mitbrüder aus dem Erzbistum Paderborn trifft er sich, um gemeinsam das neue Jahr zu beginnen. „Einer richtet das Fest aus. Das letzte Mal hab ich es vor drei Jahren bei mir gemacht. Wir essen dann alle zusammen und tauschen uns über das vergangene Jahr aus“, erzählt er. Nur zehn Minuten vor der Jahreswende gehen sie gemeinsam in die nächstgelegene Kirche. Mit einem stillen Gebet, jeder für sich, beginnen sie das neue Jahr.

Ruhig und still. Fern von den Böllern der Feuerwerkskörper. „Wir übernehmen dann für die Küsterinnen und Küster das Läuten der Glocken. Und danach stoßen wir zusammen mit Sekt an.“