Mit der Wirtschaft kamen die Calvinisten

Warstein..  Für ihren Vortrag „Evangelische Traditionen im katholischen Warstein“ hatte der Frauentreff der Evangelischen Kirche mit Warsteins Ortsvorsteher Dietmar Lange einen Referenten verpflichtet, der sich in der Historie Warsteins gut auskennt, und so blieb es nicht aus, dass einige Zuhörer zum Ausdruck brachten, dass er sie „erschlagen“ habe mit der Fülle der (historischen) Informationen.

Zunächst schilderte er, wie diese Region im 6. und 7. Jahrhundert missioniert wurde: Erwitte, Paderborn und Marsberg wurden Stammpfarreien, für Warstein war es Altenrüthen. Nach der Verleihung der Stadtrechte um 1300 wurde die Kirche in ihrem Herrschaftsbereich beschnitten, da setzte sich ein starkes Bürgertum mit seinen berechtigten Forderungen durch; auch die Klöster verloren an Bedeutung.

Erste Calvinisten im Kupferhammer

Nach der Reformation war das katholische Sauerland, das zu Köln gehörte, umgeben von protestantischen Regionen: Lüdenscheid, Siegerland, Wittgensteiner Land, Soest und Lippstadt, um nur einige aufzuzählen. In Warstein machte die aus Lippstadt stammende Unternehmerfamilie Möller durch ihre Religionszugehörigkeit zu den Calvinisten auf sich aufmerksam. Im Haus Kupferhammer lebte Katharina Zahn , die den calvinistischen Pfarrerssohn Johann Theodor Möller heiratete, für damalige Verhältnisse bereits sehr emanzipiert.

Ungewohnt für die Warsteiner – und schon hatten die Katholiken der damaligen Zeit ihre Probleme, als es darum ging,, die Familienmitglieder dieser Protestanten auf ihren Friedhöfen die letzte Ruhe finden zu lassen; drei Generationen fanden in Soest ihre letzte Ruhestätte. Gottesdienste besuchte die Familie in Lippstadt und Geseke.

Dennoch: Als Familienmitglied Amalie starb, durfte sie auf dem katholischen Friedhof beerdigt werden und der dankbare Witwer stiftete zum Dank einen Kelch.

Als sich dann bedeutende Fabriken, Puddelwerke und Eisenhütten, entlang der Wäster und Möhne ansiedelten und sich evangelische Arbeiter, Hüttenbeamte und Kaufleute in Warstein niederließen – ungefähr 250 Seelen zählte man – musste eine Kirche in Warstein eingerichtet werden; denn man konnte nicht ewig eine Filiale von Meschede bleiben.

Am 29. Januar 1829 fand daher eine Sitzung im Belecker Badehaus „zur Constituierung eines eigenen kirchlichen Vereins“ statt. Man erklärte sich einstimmig zu einer uniert-evangelischen Gemeinde; neun gottesdienstliche Versammlungen – sechs im Sommer, drei im Winter – sollten von einem (Leih-)Prediger betreut werden. Diese Gottesdienste fanden in zwei „traurigen zerfallenen Capellen“ statt, heißt es in einer Chronik.

Eine eigene Kirche

Dann wurde Pfarrer Karl Seck am 4. Mai 1847 durch Superintendent Seidenstücker eingeführt. Er konzentrierte sein Augenmerk darauf, Warstein zu einer eigenen Kirche zu verhelfen. „Am 10. August 1856, einem Sonntag, war der langersehnte Tag, an welchem der Grundstein gelegt wurde“, schreibt er in seiner Kirchenchronik. Die Urkunde wurde in einer Zinnbüchse verschlossen, sie müsste sich immer noch an der Westseite der Martin-Luther-Kirche in der Sakristeimauer befinden.

Am 13. Oktober 1859 wurde der neue Begräbnisplatz der evangelischen Gemeinde geschenkt. Dieser Platz wurde feierlich eingeweiht unter Teilnahme der gesamten Gemeinde und mancher Katholiken.

Und am 1. Dezember 1859 konnte mit dem Neubau des Pfarrhauses ein weiteres Einweihungsfest gefeiert werden. Es wird berichtet, dass nun alle evangelischen Bürger die Gottesdienste in Warstein besuchten, wo sich die öffentliche evangelische Elementarschule befand, die zuvor als Privatschule der evangelischen Gemeinde geführt wurde.

Und so könnte man den Kreis wieder schließen: Auch heute kommen die Gemeindemitglieder aus Belecke, Rüthen und den umliegenden Dörfern in die Kirche nach Warstein, um gemeinsam zu bezeugen „Was der Christ an seinem Gotteshause habe,“ wie es Superintendent Seidenstücker aus Ostönnen in seiner Festpredigt von der Kanzel aus auch für die Zukunft äußerte.