Minister Remmel erhält Rückenwind für seine Windkraftpläne

Was wir bereits wissen
Der Bau von Windkraftanlagen ist umstritten. Nun gibt eine Vereinbarung zwischen Naturschützern und der Energiebranche Rückenwind für die Pläne.

Soest/Düsseldorf.. Auf ihrem Weg, den Anteil der Windenergie in Nordrhein-Westfalen deutlich auszubauen, hat die Landesregierung bisher vor allem eines zu spüren bekommen: heftigen Gegenwind. Mit einer am Mittwoch in der Soester Kreisverwaltung unterschriebenen Vereinbarung zwischen Vertretern der Naturschutzverbände und der Windenergiebranche unter Beteiligung des Kreises Soest und der Landesregierung hofft der zuständige Minister Johannes Remmel (Grüne) nun auf reichlich Rückenwind, die gesteckten Ziele doch noch zu erreichen.

Der Optimalfall

„Artenschutz und Windenergie sind keine Gegensätze“, frohlockte Remmel nach Abschluss eines zweijährigen Mediationsverfahrens, mit dem nun die Basis gelegt worden sein soll, alte Windkraftanlagen entlang der Haar gegen neuere und weitaus effizienter arbeitende auszutauschen.

250 Windräder drehen sich auf diesem Höhenzug zwischen Erwitte und Werl und kommen damit grundsätzlich für das „Repowering“ – Erneuerung – genannte Verfahren in Frage. Im Optimalfall, so Christian Schlösser vom Verein „Energie erneuerbar und effizient“, drehen sich in einigen Jahren nur noch die Hälfte dieser Windräder. Die allerdings produzieren dann dreimal soviel Energie wie die zum Teil schon recht betagten Vorgänger. 500 bis 600 Millionen Euro beträgt die Investionssumme für diese energetische Runderneuerung im Kreis Soest.

Da die Hellwegbörde mit einer Fläche von 50 000 Hektar das größte Vogelschutzgebiet in NRW ist, hat die Landesregierung diese Region grundsätzlich als Tabuzone für neue, zusätzliche Windräder definiert. „Alte Anlagen durch leistungsstärkere Windräder zu ersetzen, soll aber grundsätzlich möglich sein“, erläuterte der Minister den Hintergrund.

Die Naturschutzverbände, allen voran die Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) im Kreis Soest, ist zuversichtlich, dass mit der nun geschlossenen Vereinbarung die Interessen des Vogelschutzes deutlich besser gewahrt werden können. Vorsitzender Johannes Drüke: „Ich bin optimistisch, dass wir in vielen Fällen nun gemeinsam Lösungen finden werden.“

Angstsituationen

Johannes Remmel räumte ein, dass der Bau neuer Windkraftanlagen in Südwestfalen auf unerwartet viel Widerstand stoße. Knapp 15 000 Einwände sind aktuell bei der Bezirksregierung aktenkundig. Das bestätigte Ferdinand Aßhoff, zuständiger Dezernent in Arnsberg: „Es gibt bei den Bürgern offenbar gewisse Angstsituationen. Dem müssen und werden wir uns stellen. Aber wir brauchen nun einmal Windenergie und damit die entsprechenden Flächen für die Energiewende.“

Deshalb, so Remmel, halte man in Düsseldorf auch an dem Vorhaben fest, 1,6 Prozent der NRW-Fläche für den Bau von Windkraftanlagen auszuweisen: „Wir suchen nach den besten Standorten mit den wenigsten Beeinträchtigungen.“ Nur dann könne das im Koalitionsvertrag ausgewiesene Ziel, dass bis 2020 15 Prozent der Energie durch Wind erzeugt wird, eingehalten werden. Bisher liegt der Anteil bei lediglich 4 Prozent.