Martin Hötzel ist „große Chance" für die Warsteiner Brauerei

Martin Hötzel ist Geschäftsführer bei Marketing und Vertrieb der Warsteiner Brauerei.
Martin Hötzel ist Geschäftsführer bei Marketing und Vertrieb der Warsteiner Brauerei.
Foto: Hans-Albert Limbrock
Was wir bereits wissen
Martin Hötzel ist seit Januar Geschäftsführer für Vertrieb & Marketing bei der Warsteiner Brauerei. Für Brauerei-Chefin Catharina Cramer ist er "unsere große Chance".

Warstein.. Das einflussreiche „Manager Magazin“ hat Martin Hötzel als „letzte Chance für Warsteiner“ bezeichnet. Eine Einschätzung, die Brauerei-Chefin Catharina Cramer auf die Palme bringt: „Das hört sich ja so an, als ob hier sonst bald das Licht ausgehen würde. So ein Quatsch.“ Aber dann entspannt sie sich auch schon wieder: „Aber es ist gut, dass Martin Hötzel hier ist. Und es ist richtig, dass er unsere große Chance ist.“

Martin Hötzel sieht sich als "Teil einer Mannschaft"

Auch Hötzel selbst, seit dem 1. Januar, als Geschäftsführer für Vertrieb & Marketing verantwortlich, möchte den Ball hinsichtlich der Erwartungshaltung lieber flach halten: „Letzte Chance? Die Frage ist ja, ob ich eine solche Rolle annehmen will. Und ich kann definitiv sagen, dass ich das nicht möchte. Ich sehe mich viel mehr als Teil einer Mannschaft.“

Warsteiner Brauerei Die Idee, die Führungsebene um genau diese Position zu verstärken, hat Brauerei-Chefin Catharina Cramer schon seit einiger Zeit umgetrieben: „Marketing und Vertrieb ist unser wichtigster Bereich. Dafür wollte ich schon immer einen eigenen Geschäftsführer haben.“ Vor etwa zwei Jahren hat sie mit dieser Suche begonnen und ist dabei relativ früh auf Martin Hötzel gestoßen. „Bei der Vita“, schmunzelt Cramer und meint damit seine zuvor erfolgreiche Zeit bei Red Bull und Capri-Sonne – zwei der erfolgreichsten Getränkesorten weltweit.

Keine große Überzeugungsarbeit nötig

Hötzel selbst musste nach den ersten Gesprächen nicht lange überlegen, ob er ins eher beschauliche Sauerland wechseln würde: „Frau Cramer steht in der neunten Generation an der Spitze eines überaus erfolgreichen Familienunternehmens. Das sorgt für klare Verhältnisse, wenn man auf langfristigen Erfolg ausgerichtet ist. Das war für mich sehr wichtig.“

Dass es nicht einfach wird, das Unternehmen in die Erfolgsspur zurückzubringen, wissen Hötzel und Cramer gleichermaßen. Hötzel: „Der deutsche Biermarkt ist äußerst anspruchsvoll und schwierig. Trotzdem wollen wir auch hier unsere Position ausbauen und dazu das Auslandsgeschäft stärken. Das sind die zwei entscheidenden Hebel für mehr Wachstum.“

Warsteiner Brauerei Es wird vor allem am Image gearbeitet

Damit das gelingt, wird vor allem am Image gearbeitet. In einem ersten Schritt hat man sich vom alten Slogan „Das einzig Wahre“ verabschiedet. Künftig wird mit „Mach das einzig Wahre“ geworben. Cramer: „Die Marke soll emotionaler, erlebbarer, näher am Konsumenten sein.“ Und Hötzel ergänzt: „Wir befinden uns mitten im Prozess, die Marke neu aufzustellen. Solch ein Prozess dauert in der Regel fünf bis sechs Jahre. Unsere Kampagne ist ausgerichtet auf eine starke deutsche Biermarke, die aber auch im Ausland ein gutes Standing hat.“

Zwischen den Entlassungen im Herbst vergangenen Jahres und der Absatzkrise der Marke Warsteiner gibt es keinen Zusammenhang. Das erklärte Chefin Catharina Cramer im Gespräch mit der Westfalenpost Warstein.

Warsteiner Brauerei sucht nach neuen Mitarbeitern

Aktuell ist die Brauerei auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Bereits im Januar sind zehn neue eingestellt worden, weitere zwanzig werden gesucht - in verschiedenen Bereichen.

Kampf um künftige Leistungsträger

Hötzel: „Wir wollen das Unternehmen positiv entwickeln, dafür brauchen wir gute Leute. Wir suchen intensiv. In der Industrie spricht man vom ,War for Talents’ – vom Kampf um künftige Leistungsträger.“

Brauerei Dass die Brauerei im vergangenen Jahr mit acht Prozent Minus einen schmerzhaft hohen Absatzrückgang zu verbüßen hatte, ist nach Einschätzung von Cramer und Hötzel in erster Linie einer Preiserhöhung geschuldet, die Warsteiner in einem anderen Rhythmus als die Konkurrenz vorgenommen hatte. Anders als andere Großbrauereien hatte man im Jahr 2013 auf eine Preiserhöhung verzichtet und erforderliche Preis-Anhebungen erst im Jahr 2014 vorgenommen. „Es ist richtig“, so Cramer, „dass die Warsteiner Gruppe nach der Preiserhöhung für die Hauptmarke Warsteiner in 2014 Einbußen im Inland hinnehmen musste.“

Besser entwickeln als der Markt

Doch das ist inzwischen der berühmte Schnee von gestern. Der Blick im Unternehmen ist klar nach vorne gerichtet, auch dank des neuen Geschäftsführers Martin Hötzel: „Meine Aufgabe ist unter anderem, national wie international Synergien zwischen den Bereichen Marketing und Vertrieb zu verbessern.“

Insgesamt sieht er das traditionsreiche Brauhaus jedoch gut aufgestellt, um auch in Zukunft im Konzert der bundesdeutschen Großbrauereien eine bedeutende Rolle spielen zu können: „Wir möchten uns besser entwickeln als der Markt. Deshalb müssen wir die Dinge, die jetzt vor uns liegen, richtig anpacken. Wenn uns das gelingt, werden wir uns Schritt für Schritt nach vorne entwickeln.“

Brauerei Deutscher Biermarkt anspruchsvoll und schwierig

Ein Selbstläufer ist das allerdings nicht: „Der deutsche Biermarkt ist anspruchsvoll und schwierig. 2015 wird ein spannendes Jahr, weil große Events wie eine Fußballweltmeisterschaft fehlen. Aber am Ende wollen wir zu den Gewinnern gehören.“ Und Catharina Cramer ergänzt: „Natürlich haben wir das Ziel vor Augen, wieder nach vorne zu kommen. Alles andere wäre fahrlässig.“

Dass Warsteiner in Deutschland immer noch eine Top-Marke ist, belegen aktuelle Umfragedaten, wie die Brauerei-Chefin berichtet: „Unser Bekanntheitsgrad in Deutschland liegt bei 96 Prozent. Das kann man praktisch nicht mehr verbessern.“