Manfred Weretecki will Gewerkschaftliches ins Rathaus bringen

Zu Besuch bei... Manfred Weretecki, Bürgermeister-Kandidat der Partei Die Linke in Warstein.
Zu Besuch bei... Manfred Weretecki, Bürgermeister-Kandidat der Partei Die Linke in Warstein.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Als Bürgermeister-Kandidat der Linken setzt er auf soziale Politik – und im Einzelhandel auf Marktwirtschaft.

Warstein..  Stilecht mit Verdi-Tasse tritt Manfred Weretecki auf seinen Balkon mitten im Grünen. Als Politiker der Partei Die Linke sympathisiert er natürlich mit den Streiks, mit denen die Gewerkschaft erst in den Kitas und jetzt bei der Post mehr Geld für die Beschäftigten herausschlagen möchte. Und als Kandidat für die Bürgermeister-Wahl steht er auch für eine sozialere Politik vor Ort oder wie er selbst sagt: „Ich möchte mehr Gewerkschaftliches da reinbringen.“

Denn der soziale Aspekt sei es, der den anderen Bewerbern fehle. „Wir haben lange überlegt, ob wir einen Kandidaten aufstellen“, sagt Weretecki, „ich habe mich auch nicht darum gerissen.“ Doch letztlich habe man den Wählern eine Alternative bieten wollen. Hinter „den großen Drei“, die auf die Unterstützung der Fraktionen setzen können, möchte er landen, in jedem Fall mehr Stimmen holen als 2009.

So fordert er eine vernünftige Busverbindung auch in die kleineren Ortsteile – und bezahlbare Fahrtickets. Die Strecke von Warstein nach Soest etwa koste inzwischen mehr als neun Euro. „Wenn man ein Sozialticket für Hartz-IV-Empfänger einführt, würden sie mehr Bus fahren“, ist er überzeugt, „so können sie sich das kaum leisten.“

Klare Kante beim Steinabbau

Mit solchen Forderungen dürfte Manfred Weretecki vor allem darauf bedacht sein, der SPD Wähler abspenstig zu machen, denen deren parteiloser Kandidat Karl-Heinz Ricken nicht weit genug links steht.

Klare Kante beim Thema Steinabbau ist das zweite zentrale Wahlversprechen Wereteckis. „Es sagt niemand, dass die Steinbrüche nächste Woche stillgelegt werden sollen“, erklärt er, „aber es muss endlich ein Ende absehbar sein.“ Auch auf städtischer Ebene habe die Politik genügend Möglichkeiten, den Steinabbau für die Unternehmen aufwendiger und unwirtschaftlicher zu machen. „Und wenn es schwierig wird, lohnt es sich für sie nicht mehr.“

Die Warsteiner Vereinbarung lehnt Manfred Weretecki ab, weil die Voraussetzungen für die Gespräche nicht stimmen: „Wir haben im Moment keine Augenhöhe.“ Der vorgestellte Entwurf biete ausschließlich Vorteile für die Steinindustrie. Die Bevölkerung werde mit der vagen Hoffnung auf eine Umgehungsstraße hingehalten, glaubt Weretecki, der Die Linke im Stadtentwicklungsausschuss vertritt.

An die B 55n glaubt er ohnehin nicht – „auch wenn sie schön wäre“. Stattdessen könnte eine innerstädtische Entlastungsstraße die Möglichkeit eröffnen, in der Innenstadt eine Fußgängerzone einzurichten und damit Warstein als Einkaufsstandort zu stärken.

Einkaufen ist für Weretecki auch das große Thema im Möhnetal. „Wozu brauchen wir ein neues Gutachten, um herauszufinden, dass wir einen Drogeriemarkt brauchen?“, fragt der gebürtige Dortmunder, der vor knapp 30 Jahren nach Sichtigvor gezogen ist. Hier wohnt der politisch Rote seitdem in einem eigenen Haus mitten im Grünen. Und so wirkt es dann kaum noch verwunderlich, dass er als Linker die „finstere Planwirtschaft“ im Bereich des Einzelhandels kritisiert. „Wieso sollten wir die Verkaufsströme durch Vorgaben verhindern?“, fragt er und nimmt noch einen Schluck – natürlich aus der Verdi-Tasse.