„Man bekommt so viel geschenkt“

Franz-Josef Berghoff
Franz-Josef Berghoff
Foto: Wolfgang Heppekausen
Was wir bereits wissen
Doris und Franz-Josef Berghoff engagieren sich seit langen Jahren für die Partnerschaft zwischen Warstein und St.Pol. Für ihre Verbindung zu Frankreich spielt diese eine wichtige Rolle.

Warstein..  Es würde nicht verwundern, wenn sie in der St. Poler Straße in Warstein leben würden. Die Städtepartnerschaft ist aber auch so allgegenwärtig im Haus von Doris und Franz-Josef Berghoff.

Französische Bücher stehen im Regal, hier hat Doris Berghoff ein halbes Jahr an den Übersetzungen für die Chronik zum 50-jährigen Bestehen gearbeitet, und ihr Mann bevorzugt Wasser ohne Kohlensäure, als wir uns gemeinsam an den Tisch setzen - vielleicht eine Angewohnheit aus Frankreich.

Das Ehepaar engagiert sich schon fast so lange, wie es die Partnerschaft mit der Stadt in Nordfrankreich überhaupt gibt. Ohne das würde ihnen etwas fehlen: „Wir würden das schon vermissen, wenn keine Anrufe mit der Vorwahl 033 mehr kämen“, da sind sie sich einig. Keine Anrufe, Mails, Übersetzungen oder Reisen – das wäre für die beiden Ehrenämtler einfach undenkbar.

Angefangen hatte das, als Franz-Josef Berghoff 1966 am Warsteiner Gymnasium anfing, zu arbeiten. Seit zwei Jahren gab es die Städtepartnerschaft mit St. Pol damals und so begann er Schüleraustausche mitzuorganisieren „Als Französischlehrer ergab sich das ganz von allein“, erzählt er rückblickend. Und Doris Berghoff, Fremdsprachensekretärin für Englisch und Französisch, gab Sprachkurse an der Volkshochschule und reiste oft nach Frankreich. Bald unterstützte sie ihren Mann bei der Kommunikation und Organisation mit den französischen Nachbarn.

Franzosen können genießen

Obwohl, richtig angefangen hatte die Begeisterung der beiden für Frankreich natürlich schon viel früher: Ihn packte es während des Auslandsstudiums in Caen in der Normandie. Sie lebte ein Jahr in Paris. Was ihnen besonders gefällt? Sie schätzen die französische Lebenseinstellung à la „laissez-faire“ oder „savoir-vivre“. Was sie damit genau meinen: „Dass die Franzosen es so genießen können – Mahlzeiten, Urlaub. Druck oder Stress spürt man dort nicht so sehr“, überlegt Doris Berghoff.

So erklärt sich die Verbundenheit des Ehepaars zu diesem Land: Und dann war es für beide auch eine logische Konsequenz, sich für die Städtepartnerschaft zu engagieren. Mittlerweile im Rahmen der Warsteiner Europafreunde - natürlich nicht allein, sondern in einem Team mit anderen ehrenamtlichen Helfern.

Arbeit fällt dabei kontinuierlich an, vor allem, wenn Reisen zu organisieren sind. Für das Ehepaar Berghoff ist das trotz des Aufwandes aber stets lohnenswert: „Man bekommt so viel geschenkt“, sagt sie. Es ginge darum, sich verstehen zu lernen in einem gemeinsamen Europa. Franz-Josef Berghoff denkt plötzlich an die frühere Erbfeindschaft mit Frankreich und stellt fest: „Es geht nur über Partnerschaft.“

Das befand auch eine Jury im Jahr 1975 und zeichnete Warstein und St. Pol für ihre Förderung der deutsch-französischen Beziehung aus. Der damalige Senatspräsident Alain Poher verlieh diesen Preis an die Warsteiner Delegation in der deutschen Botschaft in Paris – für Franz-Josef Berghoff rückblickend ein besonderes Erlebnis. Aber nicht nur solche Momente hielt das langjährige Engagement für das Ehepaar bereit. Es ergaben sich unzählige Freundschaften nach Frankreich, auch über St. Pol hinaus. Doris Berghoff denkt dabei auch an die privaten Höhepunkte wie gegenseitige Einladungen und Treffen zu feierlichen Anlässen.

St. Pol als zweite Heimat

„Ich glaube nicht, dass wir ohne die Städtepartnerschaft so oft in Frankreich gewesen wären“, sagt sie schließlich. Eine Lieblingsregion hat das Ehepaar nicht, jede Gegend in Frankreich hat ihren eigenen besonderen Reiz, finden sie. Trotzdem: „Wir haben mal gesagt, St. Pol ist unsere zweite Heimat“, erzählen sie. Und dafür müssen sie auch gar nicht in der St. Poler Straße in Warstein leben.

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