Mädchen unter sich machen es sich gemütlich

Warstein..  Es ist eine Abwechslung zum Schulalltag: Statt in den Klassenräumen zu pauken, haben es sich die Mädchen der 9. Klassen des Gymnasiums Warstein in den Seminarräumen der LWL-Klinik gemütlich gemacht. Jeden Morgen wird gemeinsam gefrühstückt, die Räume haben sie mit Kissen und Decken ausgestattet, für die passende Stimmung gibt es sogar Kerzen. Und damit es auch so richtig bequem ist, sind sie in Jogginghose gekommen, zum Projekt „Mädchenwelten“, das diese Woche bereits zum 16. Mal stattfindet.

„Nach den Halbjahreszeugnissen ist es mal gut von der Schule abzuschalten“, findet Laura Senk. Tatsächlich standen keine mathematischen Formeln oder deutsche Gedichtsanalysen auf dem Plan, gestern ging es vielmehr um die Themen Körper und Schönheit. Bei einer Phantasiereise durch die einzelnen Körperbereiche und mit Hilfe von Zeichnungen sollten sich die Mädchen ihrem Körper bewusst werden. Und sich anschließend einander Komplimente machen, um zu sehen, was die anderen an ihnen schätzen. Auch ungeschminkte Stars und Photoshop waren Themen: „Um zu sehen, dass das Schönheitsbild nicht real, sondern gemacht ist“, erklärt Lehrerin Miriam Degenhardt.

Erst Führerschein, dann Abi

Eigene Stärken zu entdecken und sich mit der Rolle als Frau auseinsander zu setzten - darum geht es in den Projekttagen. Dabei sollten sich die Mädchen auch überlegen, wie ihre Zukunft aussehen könnte. Es ging um Fragen wie „Habe ich eine Idee? Wie ist mein Lebensentwurf?“, berichtet Lehrerin Dagmar Wiethoff. Für die meisten ging es aber darum „erstmal Führerschein, dann Abi“, fügt Miriam Degenhardt hinzu.

Der eigene Körper, Selbstkonzept, Liebe und Sexualität – Themen, bei denen man gern auch mal unter sich ist. Bewusst finden die Projekttage daher nicht in der Schule statt, damit eine andere Atmosphäre geschaffen werden kann und sie sich nicht am gleichen Ort wie die Jungs befinden, die sich für ihr Projekt im Gemeindezentrum aufhalten. Die Seminarräume an der LWL-Klinik scheinen dafür gut geeignet zu sein: „Schön ist, dass sie sich hier die Räumlichkeiten gestalten und Musik hören können“, befindet Julia Maier vom Kinder- und Jugendtreff.

Mit 51 Schülerinnen insgesamt ist die Teilnehmerzahl so hoch wie noch nie. Eine Herausforderung für das sechsköpfige Betreuerteam, das sich immer wieder etwas neu zusammenfindet und dabei versucht, das Programm jedes Jahr etwas anzupassen. „Wir nutzen Feedback-Karten, um zu sehen, was wir anders machen wollen“, sagt Miriam Degenhardt.

Klassen sollen gemischt werden

Mit Blick auf die Oberstufe mischen die Lehrerinnen die Klassen in drei Kleingruppen, damit sich die Mädchen untereinander besser kennenlernen können. Das zeigt Wirkung: „Unser Zusammenhalt stärkt sich schon“, erzählt Neslisah Özcinar.

Das Projekt kommt bei den Mädchen gut an, sie fühlen sich wohl und es gibt immer viel zu lachen. Ein Beweis dafür: „Gestern kam die Frage, ob sie hier übernachten können. Sie schauen auch nicht auf die Uhr“, berichtet Julia Maier.

Mal ist es ganz nett ohne die Jungs: „Da kann man auch mal ungeschminkt kommen“, sagt Neslisah. Für immer könnten sie sich das aber nicht vorstellen. Zum Abschluss der Projekttage tauschen Mädchen und Jungs dann noch Briefe aus, in denen sie schreiben, was ihnen aneinander gefällt – oder was sie eben auch mal nervt.