Lörmecke-Wasserwerk sieht sich von Steinindustrie angegriffen

Die Lörmeckequelle bei Kallenhardt.
Die Lörmeckequelle bei Kallenhardt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
„Ich habe den Eindruck, dass hier versucht wird, uns aus dem Warsteiner Gebiet verschwinden zu lassen“ – Mit deutlichen Worten reagiert der Geschäftsführer des Lörmecke-Wasserwerks, Alfred Striedelmeyer, auf eine Klageschrift von sieben Unternehmen der Steinindustrie gegen die vorzeitige Bewilligung des Wasserrechts für die Lörmecke-Quelle.

Warstein.. Da gleichzeitig die Baugenehmigung für eine geplante Qualitätssicherungsanlage des Lörmecke-Wasserwerks im Bereich Suttrop wegen Einwendungen der Steinindustrie derzeit auf Eis liegt (siehe Zweittext unten), sieht Striedelmeyer eine breite Front der Warsteiner Steinindustrie, die sich gegen die Interessen der Kunden des Wasserwerkes richte. „Wir werden hier gleich auf zwei Ebenen angegriffen. Das trifft das Herz von Lörmecke“, so der Geschäftsführer auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz am Mittwoch.

Was ist geschehen? Das Lörmecke-Wasserwerk, das im südlichen Soester Kreisgebiet direkt und indirekt rund 100 000 Menschen mit Wasser beliefert, hatte bereits Ende 2013 signalisiert, dass es eine vorzeitige Verlängerung der wasserrechtlichen Genehmigung für die Nutzung der Lörmecke-Quelle in Warstein anstrebt.

„Dies haben wir vor dem Hintergrund getan, dass wir mit einer Qualitätssicherungsanlage bei Suttrop in unsere Infrastruktur investieren und dafür natürlich eine wirtschaftliche Sicherheit brauchen“, erklärte Bernhard Schladör, Vorsitzender des Aufsichtsrates des Lörmecke-Wasserwerks. Der Ablauftermin der bisherigen Genehmigung wäre der 31. Dezember 2025 gewesen. Diesen wollte das Wasserwerk mit Blick auf die Investitionen im Bereich Suttrop vorzeitig verlängern und trat in das entsprechende Antragsverfahren bei der Bezirksregierung. Im Amtsblatt der Stadt Warstein vom 20. März 2014 wurde diese Absicht veröffentlicht und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass Einwendungen im Laufe des Aprils 2014 geltend gemacht werden können.

Dies geschah nicht und nun traf Mitte Januar der neue Bewilligungsbescheid für die Lörmecke-Quelle ein. Sieben Steinindustrie-Firmen – fast alle jener, die auch gegen die Hillenberg-Bewilligung geklagt haben – haben daraufhin am 11. Februar eine Klageschrift gegen die Bezirksregierung eingereicht. „Sie wollen erreichen, dass unser Bewilligungsbescheid aufgehoben wird“, vermutet Schladör, „dabei hat die Steinindustrie in dem vorgeschriebenen Zeitraum keine Einwendungen erhoben.“ Schladör und Striedelmeyer sind sich sicher: „Die Steinindustrie hat von unserem Vorhaben gewusst und die Gelegenheit gehabt, im rechtlichen Rahmen dagegen Einspruch zu erheben.“ Vor diesem Hintergrund zeigte sich Schladör optimistisch, dass die Chancen für die Klage gering seien.

Anders sieht das Franz-Bernd Köster, der als Westkalk-Geschäftsführer einer der Firmen vorsteht, die die Klageschrift eingereicht haben. „Es stimmt, wir hätten es mitbekommen können, was das Lörmecke-Wasserwerk vorhat und wir haben es verpasst, Einwendungen zu erheben“, erklärte Köster gestern auf Nachfrage der WP, „aber wir argumentieren mit unserer Klageschrift so, dass wir als jemand, der direkt von diesem Wasserrecht betroffen ist, auch direkt an dem Bewilligungsverfahren hätten beteiligt werden müssen.“

Dauerfrage: Wasser oder Steine?

Dies werde nun zu prüfen seien, so Köster. Daran schließt sich die Klage gegen die Bewilligung an. Weil die Steinindustrie langfristig in die Tiefe gehen will, also auch in Bereiche, wo Trinkwassergewinnung und Steinabbau dann möglicherweise miteinander in Berührung kommen? „Es geht doch darum, dass wir darüber reden müssen, wie beides miteinander vereinbar sein könnte“, wird Köster deutlich, „es gibt kein belastbares Argument, das sagt, dass ein Tiefenabbau nicht mit der Trinkwassergewinnung vereinbar sei. Das muss doch erstmal überprüft werden.“ Man muss nicht nur miteinander reden, sondern auch miteinander planen, so Köster weiter.

Das scheint für Alfred Striedelmeyer kein gangbarer Weg zu sein, wie er gestern erklärte: „Wie sollte denn ein solcher Kompromiss aussehen? Für mich ist klar: Irgendwann kommt der Punkt, wo man sich entscheiden muss. Will ich Wasser oder will ich Steine? Das ist nicht nur eine juristische, sondern auch eine politische Frage.“

Qualitätssicherungsanlage in Suttrop

Für seine in Suttrop geplante Qualitätssicherungsanlage wartet das Lörmecke-Wasserwerk derzeit auf die Baugenehmigung.Diese hängt an einer Prüfung beim Bergamt, da die Firma F. J. Risse mit dem Hinweis auf Bergwerkseigentum dort Mitwirkungsansprüche gestellt hat. „Diese Anlage ist entscheidend für die Trinkwasserqualität in Rüthen und Kallenhardt“, erklärte Alfred Striedelmeyer die Gründe für den eigentlich für März geplanten Bau dieser Anlage. „Die Bezirksregierung hat uns darum gebeten. Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass es in den vergangenen Jahren vermehrt zu Eintrübungen gekommen ist“, so Striedelmeyer. Er ist von dem Argument des Bergrechts nicht überzeugt. „Wir werden das juristisch klären lassen. Dieser Standort ist für uns essenziell.“