Lippstadt droht nach den Ferien der Verkehrsinfarkt

Thomas Rensing und Rainer Schütte von Straßen NRW (rechts) erläutern das Problem, das durch die Brücken entsteht.
Thomas Rensing und Rainer Schütte von Straßen NRW (rechts) erläutern das Problem, das durch die Brücken entsteht.
Foto: Manfred Böckmann
Was wir bereits wissen
Die Brücken der Bundesstraße 55 können das Gewicht von Lastwagen nicht mehr tragen und werden daher für den Schwerverkehr gesperrt – mit gravierenden Folgen.

Lippstadt..  Erst kommen die Sommerferien. Aber danach ist es mit der Ruhe um Lippstadt herum vorbei. Weil drei Brücken der Bundesstraße 55 dem Schwerlastverkehr nicht mehr gewachsen sind, müssen diese saniert werden. Doch so lange kann man nicht warten: Bald begrenzt Straßen NRW die höchste Tonnage – was Folgen auch in der Umgebung haben wird.

Thomas Rensing, Leiter der Straßen-NRW-Niederlassung Sauerland-Hochstift, kann die Sorge der Bewohner verstehen; aus diesem Grund wurde auch lange überlegt und diskutiert, welche Umleitungsstrecken gewählt werden.

In drei Schritten

Grundsätzlich wird in drei Schritten vorgegangen. Nach der Einschätzung und Entscheidung für die Umleitung folgt ein Zwischenschritt mit Behelfsbrücken und dann dem Neubau der Lippe- und Lippeumflutbrücke sowie der Brücke Margaretensee, die zwischen der Anschlussstelle „Rixbecker Straße“ und „Bad Waldliesborn“ liegen.

Zwei Varianten der damit einhergehenden Umleitung für Lkw gibt es. „Eine wirklich gute Lösung gibt es nicht, es gibt nur eine etwas weniger schlechte“, machte Rensing keinen Hehl daraus, dass die Belastung durch den Verkehr (werktags rund 3000 schwere Lastwagen) zunehmen wird.

Das Problem: Sollte der Verkehr weiter vierspurig über die B55 geführt werden, muss die Tonnage auf 7,5 Tonnen, bei der Brücke Margaretensee gar auf 3,5 Tonnen begrenzt werden. Alternativ wäre die zweispurige Verkehrsführung mit maximal 44 oder 30 Tonnen möglich. Das Problem: Die Kapazität, also die Zahl der Fahrzeuge, die die Straße aufnehmen kann, sinkt dann auf 18 000 pro Tag. Über die Lippe- und Lippeumflutbrücke fahren aber durchschnittlich 27 700 Fahrzeuge (nur die Werktage betrachtet sogar 30 600). Die Brücke Margaretensee würde den Verkehr in etwa aufnehmen können.

„Die heimische Wirtschaft ist massiv betroffen“, weiß Rensing, auch angesichts zahlreicher Stellungnahmen, die in die Überlegungen eingeflossen sind. Ein Ergebnis: Fahrzeuge von Hella und Rothe Erde werden eine andere Strecke als über die B55 nehmen, der überörtliche Verkehr soll deshalb großräumig umgeleitet werden.

Zwei- oder vierspurig

Überlegt wurde letztlich, ob künftig auf der B55 weiter vier- oder nur zweistreifig gefahren werden soll. Man entschied sich für die vierstreifige Version, erläutert Verkehr-Betriebsleiter Rainer Schütte, wobei die Brücke Margaretensee zweistreifig genutzt wird. Folge: Die Tonnagebegrenzung von 7,5 Tonnen gilt auf der gesamten Strecke.

In Richtung Nord (Rheda-Wiedenbrück) startet die Umleitung an der L 636 (Rixbecker Straße). Es geht dann über Esbeck, Hörste, Mettinghausen, Lipperode, Lipperbruch und über die Ostlandstraße zurück auf die B 55. Die Strecke verlängert sich für die Lkw von 3,9 auf 16,2 Kilometer. Um den Verkehr zu bändigen, werden drei Ampeln zusätzlich aufgestellt.

Wer gen Süden (Richtung Erwitte) fährt, startet an der Ostlandstraße über Bad Waldliesborn, Cappel, dann über die L 822 bis kurz vor Göttingen, schließlich über Benninghausen und Horn nach Schmerlecke. Statt 13,5 Kilometer ist der Fahrer dann 22,7 Kilometer unterwegs.

Zugleich hofft man bei Straßen.NRW, dass einige Fahrer sogar noch großräumiger Lippstadt umfahren; dafür sollen Hinweisschilder auf der A 44 sowie A 2 aufgestellt werden.

Die Variante, den Verkehr nur zweispurig fahren zu lassen, würde zu hohen Staus führen. Sicher würden einige Lkw-Fahrer eine Lösung suchen, indem sie durch die Stadt fahren. Und die Umleitungsstrecke würde es trotzdem geben, da die Brücke Margaretensee auf 30 Tonnen begrenzt werden müsste.

Egal ob „Pest oder Cholera“ – erhebliche zusätzliche Verkehrsbelastungen sind im gesamten Stadtgebiet zu erwarten. Erst mit den Behelfsbrücken, die so schnell wie möglich gebaut werden sollen, kann sich die Situation wieder entspannen. Kein Wunder, dass Bürgermeister Christof Sommer nicht recht glücklich ist mit der Lösung. Aus diesem Grund freut er sich, dass Straßen NRW offen ist für „unkonventionelle Lösungen“. Vielleicht kann eine Brücke ja durch zusätzliche Pfeiler verstärkt werden. Sommer: „Es gibt kein Denkverbot“. Aus diesem Grund habe die Stadt auch einen eigenen Experten im Rennen.

Der letzte Schritt ist dann der Neubau der Brücken. Diese Baumaßnahme wird dann „mehrere Jahre“ in Anspruch nehmen; dann aber wird die Umleitung hoffentlich längst Geschichte sein, man spreche hier „von Monaten statt Jahren“, hofft Sommer.