Lehrer findet seine letzte Ruhestätte am Taufstein in der Pfarrkirche

Die bisher vorgestellten Bewohner des 200-jährigen Küsterhauses ergaben zugleich ein Stück Ortsgeschichte mit der lückenlosen Reihe der Mülheimer Küster- und Lehrerpersönlichkeiten seit 1800. Die davor hier in diesen Ämtern wirkenden Personen lassen sich noch bis in das 17. Jahrhundert zurückführen. Mit ihren Namen und Daten lässt sich die Reihe aller Mülheimer Küster/Lehrer seit dem 30-jährigen Krieg vervollständigen.

Die älteste Nachricht von einem Mülheimer Küster findet sich auf einer Schweinemastrolle – einem Verzeichnis der zu Eichelmast Berechtigten – aus dem Jahre 1623. Laut dieser Liste des Landkomturs durfte der „custos“ Heinrich Brunstein im Herbst ein Schwein dem Schweinehirten in den Mülheimer Wald mitgeben.

Ein Papier von 1654 weist „Schulmeister Tigges Schellewald“ als Besitzer von vier Morgen Land aus. 1658 gehörte Tigges Schellewald zu den ersten sechs Siedlern bei der Gründung Sichtigvors durch Oswald von Lichtenstein. Die „Tigges-Hausstätte“ beherbergte auch die Schulstube des Kirchspiels, wenn Kaspar Süggelers Theorie stimmt, dass anfangs die jeweiligen Schulmeister in ihren Wohnhäusern die paar Schulkinder unterrichteten.

Schulhaus am Mühlenteich

Sein Nachfolger, zumindest als Küster, könnte Jodokus Honderlage gewesen sein. Als Küster von Mülheim taucht dessen Name nur ein einziges Mal 1661 in einem Werler „Mirakelbuch“ auf. Auch der Küster Jodokus König ist nur durch einen einmaligen Eintrag in den Kirchenbüchern bekannt. Falls er bis zu seinem Tode das Küsteramt inne gehabt hätte, wäre sein 1705 verstorbener Nachfolger Herman Foerstige nur zehn Jahre Küster und Lehrer gewesen.

Möglicherweise stand zu seiner Zeit schon das Schulhaus am Mühlenteich. Vielleicht durften die Lehrer auch direkt im Kommendebereich unterrichten, denn wegen ihrer Verpflichtung, als Bedienstete an der Tafel der Landkomture aufzuwarten, hielten sie sich oft im Schloss auf.

Christian Sprenger (1702-1720), der ab 1705 als Küster, Lehrer und Organist belegt ist, wird in der Totenbucheintragung als „custos-fidelis“, als frommer Küster bezeichnet. Seine Nachfolge trat der 1685 geborene Joan-Ernst Stratmann an. Von seinem Nachfolger Christian Drepper heißt es im Totenbuch von 1780, dass er 56 Jahre Küster gewesen sei.

Außerhalb der Kirchenbücher finden sich nur zwei Vermerke zu Dreppers Leben: Die Kommende zahlte ihm 1750 acht Reichsthaler für „Orgelschlagen“ und bezeichnete ihn 1759 im Nebenerwerb als „Branntweinbrenner“. Der Ordenspriester Leers ließ ihn „nah dem Herzen Gottes“ am Taufstein in der Pfarrkirche die ewige Ruhe finden. Christian Drepper war wahrscheinlich der einzige Laie, dem die Ehre und Gnade eines Grabes in St. Margaretha vergönnt war.