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Landwirtschaft erlebt ein Jahr der Wetterrekorde

27.12.2011 | 22:00 Uhr
Landwirtschaft erlebt ein Jahr der Wetterrekorde
Bei freundlicher Herbstwitterung konnten die heimischen Landwirte in diesem Jahr die Feldarbeiten zügig, gut und bodenschonend erledigen.

Kreis Soest. „Kennzeichnend für das landwirtschaftliche Jahr 2011 waren Wetterextreme und die damit verbundene enorm hohe Schwankungsbreite der Ernteergebnisse“, zieht der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest Karl-Heinz Schulze zur Wiesch Bilanz.

„Wir haben ein Jahr mit extremen Ausschlägen durchlebt: 2011 konnte gleich zwei Wetterrekorde verzeichnen, der Frühling war der sonnenreichste und der November der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“, blickt der Vorsitzende zurück. Besonders die Frühjahrs- und Frühsommertrockenheit habe dazu geführt, dass gute und enttäuschende Ernten regional, zum Teil sogar lokal, sehr nahe beieinander gelegen hätten.

Die Witterung sei insgesamt schwierig und ungewöhnlich gewesen. Auf einen langen Winter folgte die extreme Trockenheit im Frühjahr und Frühsommer und danach eine verregnete Erntezeit. Wie im Vorjahr habe sich die Getreideernte als eine nervenaufreibende Geduldsprobe gestaltet. Der Herbst wiederum sei sonnig und schön, aber sehr trocken gewesen. „In Jahren, wie dem nun fast abgelaufenen, zeige sich mehr als deutlich, wie stark wir Bauern mit und in der Natur arbeiten,“ sagt der Vorsitzende und führt weiter aus: „Doch trotz dieser Beeinträchtigungen können wir in unserer Region zufrieden sein.“ Anders habe es in Nord- und Nordostdeutschland ausgesehen, dort habe Dauerregen zu erheblichen Ernteeinbußen bis hin zu Totalausfällen geführt. Die im Herbst geernteten Früchte, wie Mais oder Zuckerrüben, hätten im Ertrag positiv überrascht.

Wie sah es für die Bauern wirtschaftlich aus in 2011? Durchaus zufrieden stellend sei die Preisentwicklung im Ackerbau in 2011 gewesen, so Schulze zur Wiesch. Die Talfahrt mit niedrigen Getreidepreisen scheine erst einmal überwunden. Doch schwankende Getreidepreise zeigten, dass sich die Landwirte mehr und mehr auf wechselnde Märkte einstellen müssten. Auch bei der Milch habe sich der verhalten positive Trend fortgesetzt. „Das war auch dringend nötig“, unterstreicht Schulze zur Wiesch. Für die schweinehaltenden Landwirte, besonders die Ferkelerzeuger, sei 2011 wirtschaftlich kein gutes Jahr gewesen. „Neben den niedrigen Preisen fallen die hohen Futterkosten ins Gewicht“, beschreibt der Vorsitzende. „Unsere Sauenhalter stecken in einer schweren Krise, doch der Markt dreht sich ein klein wenig“, erläutert er.

Ein überaus wichtiger Punkt in diesem Jahr war die Vorstellung der neuen Reformvorschläge zur EU-Agrarpolitik. Denn sie geben den Landwirten den Rahmen bis 2020 vor. Der Vorsitzende sieht allerdings deutlichen Nachbesserungsbedarf. Besonders kritisiert er, dass die Kommission vorsehe, Ausgleichszahlungen an sogenannte „Vorrangflächen“ zu koppeln. In der Praxis sehe das dann so aus, dass sieben Prozent der Ackerfläche eines jeden Hofes stillgelegt werden müssten und damit nicht mehr für den Anbau landwirtschaftlicher Pflanzen zur Verfügung ständen.

Doch angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln, des zunehmenden Bedarfs an Bioenergie und des damit verbundenen Verbrauchs an nachwachsenden Rohstoffen ist das der falsche Weg“, so Karl-Heinz Schulze zur Wiesch. Diese Herausforderungen der Zukunft seien mit einer Verringerung der Anbaufläche nicht zu leisten.

Beim Blick auf das neue Jahr ist Schulze zur Wiesch verhalten zuversichtlich. Die Anforderungen des vergangenen Jahres würden sich weiter fortsetzten: Nahrungsmittelerzeugung für eine wachsende Weltbevölkerung, Anpassung an den Klimawandel und nachhaltige Energieproduktion – die Landwirtschaft habe ein große Verantwortung für die Zukunft, dieser Herausforderung müsse sie sich stellen.


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