Landwirte sehnen sich nach Regen

Durch die anhaltende Trockenheit droht den Landwirten ein Ertragseinbruch. Christoph Gosmann zeigt die Auswirkungen auf einer Weidefläche bei Allagen.
Durch die anhaltende Trockenheit droht den Landwirten ein Ertragseinbruch. Christoph Gosmann zeigt die Auswirkungen auf einer Weidefläche bei Allagen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ackerbauer und Viehhalter in Warstein und dem Möhnetal leiden gleichermaßen massiv unter den ausbleibenden Niederschlägen. Es drohen massive Ernteausfälle.

Warstein..  Ein paar Tropfen Regen sind gestern Morgen auf Warstein und seine Ortsteile niedergegangen, was allein sicher keine Nachricht wert wäre. Aber für die Landwirte war der kurze Schauer ein Hoffnungsschimmer. Sie sehnen sich nach Niederschlägen, denn die anhaltende Trockenheit dieser Tage droht, ihnen die Ernte zu vernichten. „Das Defizit hat sich über Wochen aufgebaut“, sagt Christoph Gosmann, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbands Allagen, „damit sich die Lage entspannt, müssten etwa 60 Millimeter fallen – am besten über einen längeren Zeitraum.“

Als Milchviehhalter besitzt Gosmann große Flächen an Weideland zwischen der Haar und dem Arnsberger Wald. Ende Mai hat er dieses Grünland zuletzt geschnitten. „Seitdem ist nicht viel nachgekommen“, zeigt er auf eine seiner Wiesen in der Nähe von Allagen. Auch nach vier Wochen ragt das Gras nicht über Knöchelhöhe hinaus.

Zudem wächst an vielen Stellen der großblättrige Ampfer. „Das ist Unkraut, das wir zur Fütterung nicht gebrauchen können“, erklärt der Niederbergheimer. Durch seine tiefen Wurzeln kommt das Gewächs besser mit der Trockenheit aus und setzt sich zunehmend gegen das Gras durch.

Die gesamte Fläche zu bewässern, ist für den Landwirt nicht möglich. „Zunächst einmal dürfte ich kein Wasser aus öffentlichen Stellen entnehmen“, sagt er, „außerdem sind die Flächen einfach zu groß.“ Bewässerungssysteme lohnen sich nur bei hochwertigen Kulturen, erklärt Andreas Kußmann, Landwirt aus Belecke: „Die gibt es im Warsteiner Stadtgebiet überhaupt nicht.“

Um ein Drittel niedrigere Erträge

Auch der Ackerbauer rechnet mit Ernteausfällen. „Wenn es bis dahin nicht mehr regnet, wird der Ertrag um mindestens ein Drittel niedriger ausfallen“, sagt er, „das ist deutlich mehr als die Gewinnspanne.“ In sechs Wochen beginnen die Bauern, als erstes Getreide die Gerste abzuernten. „Und man kann heute schon sehen, dass viele Getreidepflanzen ihre Blätter ineinandergerollt haben“, hat Kußmann beobachtet – ein klares Zeichen für Wassermangel. Auch Gosmann fürchtet, dass bei dieser Getreideart die Ausfälle besonders hoch sein werden, denn der entscheidende Prozess der Kornbildung sei bereits abgeschlossen.

Nur einen Vorteil sieht Christoph Gosmann gegenüber dem vergangenen Jahr. Damals hatten die Landwirte wegen der Feuchtigkeit mit einem Pilz zu kämpfen. „Die Bedingungen dafür haben wir dieses Jahr nicht“, sagt Gosmann, schränkt aber direkt wieder ein: „Gegen den Pilz konnten wir etwas tun, bei Trockenheit ist dagegen eigentlich alles verloren.“