Kündigungen kamen Weihnachten

Obwohl die Produktion ihrer Firma schon bald 30 Jahre vorbei ist, treffen sich die Mitarbeiter der ehemaligen Firma Hünnebeck jährlich.
Obwohl die Produktion ihrer Firma schon bald 30 Jahre vorbei ist, treffen sich die Mitarbeiter der ehemaligen Firma Hünnebeck jährlich.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Auch wenn es die Firma in Rüthen seit 29 Jahren nicht mehr gibt - die ehemaligen Hünnebeck-Mitarbeiter halten weiter Kontakt untereinander.

Rüthen..  „1986 haben die letzten das Licht ausgemacht“, erinnert sich Johannes Roderfeld. Auch er gehörte zu denen, die das Ende der Firma Hünnebeck in Rüthen miterleben mussten. Die Firma ist gegangen, die Verbindung unter den (ehemaligen) Mitarbeitern ist geblieben.

Seit 2009 trifft man sich stets am 1. Freitag im Mai – außer wenn das der Maifeiertag ist. Allerdings werden es weniger, denn längst leben nicht mehr alle oder sind mobil genug, um auch von Büren, Brilon, Möhnesee, Warstein oder Lippstadt in die Bergstadt zu kommen. Roderfeld: „Heute sprechen wir als erstes über die Verstorbenen und unsere Krankheiten.“

Bis zu 299 Mitarbeiter

In Glanzzeiten waren es mal 299 Mitarbeiter. Warum nicht 300? „Dann hätte es einen weiteren Betriebsrat gegeben“, erinnern sich die ehemaligen Mitarbeiter. Weitere Arbeiter wurden in Form von Zeitarbeit beschäftigt. Doch die guten Zeiten sind noch länger vorbei; das war wohl zwischen 1972 und 1975, als die Wirtschaft boomte. Später sank die Mitarbeiterzahl in Rüthen bis auf 150. Wohl auch als Folge der Ölkrise.

Nur wenige wechselten

Und 1986 war dann Schluss: „Zu Weihnachten bekamen wir die Kündigung“, erinnert man sich noch genau, die längste Kündigungsfrist betrug ein halbes Jahr. Dann lief die Produktion nur noch im Hauptwerk bei Düsseldorf. Dorthin hätte man wechseln können – doch das machten die meisten nicht. Sie waren meist Spezialisten in Sachen Schweißen und fanden schnell eine neue Beschäftigung.

Stolz auf das, an dem man beteiligt war, ist man trotzdem; erinnert sich etwa an die Köhlbrandbrücke in Hamburg, die Europabrücke oder auch die Sprungschanze in Winterberg – überall war man Experte für die Schalung. Auch lieferte man Konstruktionen für den Winterbau – das sei wohl damals vom Bund subventioniert worden.

Auf jeden Fall habe man in Rüthen „größer und genauer“ gebaut als im Hauptwerk – verlegt wurde der Firmensitz trotzdem. Negativ spricht trotzdem keiner über die damaligen Chefs, erinnert sich eher an eine Einladung nach Düsseldorf, der Besuch von dort mit einem Fanfarenzug – und die sozialen Bedingungen im Betrieb. Man sei damals „wie eine Familie“ gewesen.

Und die trifft sich bisweilen. Bei den „Hünnebeckers“ immer am 1. Freitag im Mai.