Kuchenmeister aus Soest schickt Süßes in alle Welt

Ein Mitarbeiter der Soester Firma "Kuchenmeister" portioniert Baumkuchen.
Ein Mitarbeiter der Soester Firma "Kuchenmeister" portioniert Baumkuchen.
Foto: Matthias Graben / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Als klassischer Kuchen- und Brotbäcker kommt keiner an das Soester Unternehmen "Kuchenmeister" heran - auch nicht Dr. Oetker, Nestle oder Bahlsen.

Soest.. Wer in der Stunde 63.000 Brötchen und Croissants backt, backt nicht gerne kleine Brötchen. Und so ist es denn auch ein gesundes Selbstbewusstsein, wenn Hans-Günter Trockels, Geschäftsführer des Soester Unternehmens „Kuchenmeister“, formuliert: „Es gibt keinen globalen Konkurrenten, der auch nur annähernd unsere Sortimentsbreite hat.“ Klar, es gibt Dr. Oetker, es gibt Nestle oder Bahlsen. Sie alle sind in gewissen Bereichen die Nummer eins. Aber als klassischer Kuchen- und Brotbäcker kommen sie an Kuchenmeister nicht heran.

500 verschiedene Produkte im Sortiment

500 verschiedene Produkte haben die Trockels – das Unternehmen wird von den drei Brüdern Hans-Günter, Uwe (Einkauf) und Thomas (Finanzen) geführt - aktuell im Sortiment. Jährlich kommen 85.000 Tonnen Backwaren aus den Öfen im Soester Industriegebiet unweit der Autobahn. In 80 Ländern dieser Erde stehen Torten, Kuchen, Snacks, Brot und Brötchen von Kuchenmeister in den Regalen und sorgen für einen Umsatz von mehr als 250 Millionen Euro.

Tiefkühlprodukte Absoluter Renner im Programm ist der Christstollen, dessen Produktion für die Märkte in Übersee in etwa sechs Wochen wieder anläuft. „Wir sind weltweit der größte Hersteller von Weihnachtsstollen“, bilanziert Hans-Günter Trockels : „90 Prozent der Weihnachtsstollen, die von Deutschland aus exportiert werden, kommen von uns.“

Erfolgsgeschichte beginnt 1884

Wie so viele Erfolgsgeschichten von scheinbar grenzenlosem Wachstum hat auch diese vergleichsweise bescheidene Anfänge. Diese Geschichte beginnt 1884 mit Julius Trockels, der sich in Soest als junger Bäckermeister niederlässt. Trockels riskiert 1886 nahezu sein gesamtes Vermögen für einen für die damalige Zeit geradezu revolutionären „Dampfbackofen“. Innerhalb kürzester Zeit avanciert er mit diesem Wunderwerk der Technik unter den 25 Bäckereien von Soest zur absoluten Nummer eins.

Die Ideen sowie die Innovations- und Durchsetzungskraft des Vaters sind offenbar auch Sohn Günter in die Wiege gelegt worden, der 1932 zur Welt kommt. Als 1944 durch einen alliierten Luftangriff große Teile von Soest zerstört werden, steht auch die Familie Trockels praktisch vor dem Nichts. Doch wie sein Vater Julius ist auch Günter eine Kämpfernatur: Mit dem Fahrrad fährt er in den Trümmern von Soest frisch gebackenes Brot – drei Pfund für 50 Pfennig – aus und sorgt so dafür, dass das Familienunternehmen langsam wieder Boden unter die Füße bekommt. In den Nachkriegsjahren wird aus Trockels Zug um Zug ein Backwaren-Unternehmen von regionaler Bedeutung.

Mit der Wende kommt die endgültige Wende

Der endgültige Wende kommt dann mit der Wende. Kuchenmeister übernimmt in Berlin-Lichtenfeld eine Produktionsstätte des ehemaligen „Backwarenkombinats Berlin“. Die Soester sind das erste Unternehmen der Backbranche, das noch vor der Währungsunion am 1. Juli 1990 in Ostdeutschland die Produktion aufnimmt.

Übernahme Waren die Firmenbeteiligungen und Produktionsstätten damals noch ebenso überschaubar wie der Umsatz (weniger 5 Millionen Euro), so hat das Unternehmen aktuell eine ganz andere Größe und Vielschichtigkeit erreicht. Offiziell spricht man bei Kuchenmeister von Produktionen in Soest, Mettingen (bei Osnabrück) und Duingen (Hildesheim). Dort sind auch die 850 Mitarbeiter und 49 Auszubildenden beschäftigt, die Kuchenmeister in seinem Nachhaltigkeitsbericht nennt. Dass man auch noch in Skandinavien, Polen oder Bangladesh aktiv ist und mit Nestle, Kerrygold oder Verpoorten kooperiert und in deren Auftrag produziert, verschweigt man gerne. Ach ja, und dann ist da ja auch noch Heino. Für den singenden Bäckermeister aus Bad Münstereifel stellt Kuchenmeister die berühmte Haselnusstorte her.

Kleine Ausgabe von Heinos Torte

Aber auch die bei den Schlagerfans so beliebte Torte muss sich einem Trend der Zeit beugen: „Die Torte wird kleiner werden“, verrät Trockels etwas, das man auf der Anuga erst im Oktober präsentieren wird. Die 500 Gramm schwere Heino-Torte bekommt dann einen 80 Gramm leichten Ableger. Trockels: „Das ist dann wie ein Snack.“

Dem Trend zum Kleinen und dafür aber deutlich höheren Stückzahlen zollt Kuchenmeister bereits durch die Veränderung ganzer Produktionslinien Tribut. „Als ich angefangen habe, wogen manche Produkte noch 1,2 Kilo . Das war etwas für die ganze Familie“, erinnert sich der Geschäftsführer. „In den heutigen Single-Haushalten legt sich doch niemand mehr einen solchen Stollen weg.“

Sorge, dass den Bäckern der Trockels-Familie irgendwann einmal die Ideen ausgehen und sie wieder kleine Brötchen backen, muss man sich vermutlich nicht machen. Dafür hat Seniorchef Günter Trockels, der auch mit 83 Jahren immer noch regelmäßig in seiner Firma vorbeischaut, gesorgt. An seiner Bürotür hängt ein Spruch, der seinen Söhnen wie den Mitarbeitern gleichermaßen zur Maxime geworden ist: „Wer glaubt, ganz oben zu sein, der ist schon auf dem Weg nach unten.“