Kreuzweg entsteht heimlich in der Nacht

Kreuzwegstationen an der Kreuzbergkapelle.
Kreuzwegstationen an der Kreuzbergkapelle.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Es ist ein neugotisches Kleinod: Die Kreuzbergkapelle in Mülheim. Am 6. Juni wird gefeiert. Wir wagen einen Blick in die Geschichte.

Mülheim..  Das Kirchspiel Mülheim wird am 6. Juni die Erbauung seiner Kreuzbergkapelle im Jahre 1890 mit einem Fest begehen. Ortsheimatpfleger Wilhelm Hecker hat sich anlässlich dieses Jubiläums mit der Geschichte des neugotischen Kleinods auf dem Loermund näher befasst.

Er stellte dabei die enge Verwandtschaft mit der zwei Jahre vorher von dem Architekten Ludwig Schupmann errichtete Allagener Pfarrkirche fest. Mit dieser teilt sich die Kreuzbergkapelle nicht nur den neugotischen Stil, sondern auch die schönen Fassaden aus Allagener Grauwacke. Als besonders bemerkenswert fand er heraus, dass es ohne die beiden vorausgehenden Loermund-Kreuzwege keine Kapelle dort gäbe: Unmittelbar nach dem angelegten Kreuzweg von 1865 kam im Kirchspiel das Bestreben auf, diesen Passionsweg mit einer Kapelle der „Schmerzhaften Mutter“ oben auf dem ehemaligen Burggelände zu vollenden.

Nicht zuletzt wegen des Kulturkampfes zog sich die Erbauung einer solchen Kreuzwegkapelle bis in das Jahr 1890 hin. Da der Kreuzweg am Loermund als Ursprung der Kapelle anzusehen ist, wird Hecker zunächst dessen Gründung 1845 schildern.

1845 - ein Kreuzweg fürs Kirchspiel

In der Nacht zum 3. Mai 1845, dem Fest Kreuzauffindung, erlebte der Loermund an seinem Nordhang ein geschäftiges Treiben zahlreicher Jugendlicher, vornehmlich Sichtigvorer. An dem zur preußischen Staatsdomäne gehörenden Bergrücken bahnten diese mit Axt und Hacke einen zickzackförmigen Weg oder Pfad bis zum mittelalterlichen Halsgraben hoch.

Anschließend schleppten sie aus Gläsekers (Trosts) Schreinerwerkstat 14 hölzerne Kreuzwegstationen über Davids Wall zu ihrem neuen Weg. Die ersten zehn stellten sie an dem steilen Zickzackweg auf, die vier Stationen Kreuzannagelung, Kreuzestod, Kreuzabnahme und Grablegung verteilten sie dann im Halsgaben.

Ihr Tun geschah, wie die Legende erzählt, unter großer Geheimhaltung im Dunkel der Nacht und in den hellen Frühstunden des Maientages. Außer ihrem Vikar Blömecke und Meister Grüne-Gläseker sei niemand eingeweiht gewesen. Und die Sichtigvorer rieben sich am nächsten Morgen erstaunt und erregt die Augen, als sie ihren Loermund in einen frommen Berg verwandelt vorfanden.

Jugendlicher Idealismus

Die jungen Leute hatten aus tiefgläubigen Antrieb heraus in den Wintermonaten die 14 Holzstationen gezimmert und mit entsprechenden Bildszenen - wahrscheinlich Drucke im damals beliebten Nazarenerstil - ausgestattet. Um Erlaubnis hatten sie weder die Kirche noch die Domänenverwaltung gebeten. Davon hatte auch Vikar Blömecke, ihr geistiger Berater, der 1848 wegen revolutionärer Umtriebe Mülheim verlassen musste, vorsichtshalber abgeraten.

Die Weihe eines Kreuzweges stand nämlich allein dem Paderborner Bischof zu, und dessen Zusage zu einem Kreuzweg am Loermund wäre fraglich gewesen. Auch der preußische Staat hätte solchem katholischen Vorhaben an seinem Eigentum kaum zugestimmt.

Doch gerade dieser preußische Staat zeigte sich - vielleicht vom Idealismus seiner jungen Untertanen beeindruckt - hinterher recht wohlgesonnen und duldete den Kreuzweg an seinem Loermund.

Die offizielle Kirche mit Ortspfarrer Zeppenfeld verweigerte eine Anerkennung, und so fanden bis zur Neuerrichtung des Kreuzweges 1865 keinerlei kirchliche Veranstaltungen, wie die Karfreitagsprozessionen, statt.