„Kommunale Neuordnung hat Gemeinden nicht geschadet“

Ausschnitte der Westfalenpost Warstein aus der Zeit der kommunalen Neuordnung 1975: Worte der Bürgermeister der neun Gemeinden, erschienen an Silvester 1974/75.
Ausschnitte der Westfalenpost Warstein aus der Zeit der kommunalen Neuordnung 1975: Worte der Bürgermeister der neun Gemeinden, erschienen an Silvester 1974/75.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Stadt Warstein feiert in diesen Tagen ihren 40. Geburtstag. Sichtigvors langjähriger Ortsvorsteher Friedel Sprenger blickt auf die Zeit der kommunalen Neugliederung zurück.

Warstein..  Aus neun eigenständigen Gemeinden formte sich eine gemeinsame Stadt: In diesem Jahr ist es genau 40 Jahre her, dass im Zuge der kommunalen Neuordnung die Stadt Warstein in ihrer heutigen Form entstanden ist. „Für die Bürger hat sich damit kaum etwas verändert“, blickt Sichtigvors langjähriger Ortsvorsteher Friedel Sprenger anlässlich des Jubiläums auf den Jahreswechsel 1974/75 zurück, „aber wenn Sie heute fragen, wären die meisten trotzdem weiterhin für ein eigenständiges Sichtigvor.“

Der Neuordnung war ein langwieriger Entscheidungsprozess vorausgegangen, den Friedel Sprenger als CDU-Lokalpolitiker, seit 1969 sogar als stellvertretender Bürgermeister Sichtigvors begleitet hat. So stand etwa lange die Entstehung einer Gemeinde Möhnetal im Raum, die von Drewer bis Niederbergheim reichen und ihren Verwaltungssitz in Belecke haben sollte. Warstein sollte in diesem Fall mit Hirschberg, Suttrop und Kallenhardt zusammengehen.

„Unsere Gemeindevertretung hat damals den Beschluss gefasst: Egal, wie Belecke sich entscheidet, wir schließen uns dem an“, erinnert sich Sprenger. Das Votum fiel für die Großgemeinde. „Viel Spielraum hätten wir wahrscheinlich ohnehin nicht gehabt“, räumt Sprenger ein – beschlossen werden musste die Neuordnung schließlich vom NRW-Landtag.

Ortsvorsteher ersetzt Bürgermeister

„Die Neugliederung hat den Gemeinden nicht geschadet, wurde aber von den Bürgern nicht positiv aufgenommen“, sagt Friedel Sprenger, „deswegen haben wir Wert darauf gelegt, dass so viel wie möglich in der Gemeinde bleibt.“ So entschieden die Sichtigvorer etwa über das Friedhofswesen weiterhin selbst, während andere Einrichtungen zentralisiert wurden.

Andererseits arbeitete die Gemeinde auch schon vor der Neuordnung eng mit dem übergeordneten Amt zusammen. „Die Verwaltung war schon immer in Warstein“, sagt Sprenger, „und dass wir keinen Bürgermeister mehr hatten, hat man auch weniger gemerkt.“ Denn die Ortsvorsteher – Friedel Sprenger wurde in Sichtigvor im Mai 1975 gewählt und behielt das Amt bis 2009 – haben in den ersten Jahren viele Aufgaben aus der Verwaltung übernommen. Sprenger bot anfangs zweimal wöchentlich Sprechstunden an. „Wer eine Bescheinigung wollte, konnte die bei mir bekommen.“

Ist die kommunale Neuordnung gelungen? „Man weiß nicht, wie es heute aussähe, wenn Sichtigvor eigenständig geblieben wäre“, sagt Friedel Sprenger, „aber aus meiner Sicht war die Neuordnung ein Erfolg.“ Viele Bürger sehen das auch nach 40 Jahren noch anders, ein Warstein-Gefühl hat sich nicht entwickelt. „Viele sagen, Warstein geht nur bis zur Gaskugel“, weiß auch Sprenger, „aber ich frage dann immer: Was hättet ihr mehr, wenn wir noch selbstständig wären?“

Die Vereinsarbeit wurde durch die Neuordnung vielleicht sogar noch verstärkt, mutmaßt der CDU-Politiker: „Der Arbeitskreis für Heimatpflege ist zum Beispiel nur deshalb so aktiv geworden, weil die Neuordnung in Sicht war.“ Und auch das Dorfjubiläum 2006 wurde groß gefeiert – auch ohne eigenen Bürgermeister.