Kloster-Eigentümer nun vorbestraft

Außenansicht, Besichtigung am 3. Juli 2014
Außenansicht, Besichtigung am 3. Juli 2014
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Eine Verurteilung wegen sechsfacher Insolvenzverschleppung, eine Geldstrafe von 200 Tagessätzen á 20 Euro, die Einstellung des Betrugsverfahrens und noch immer keine Perspektive für das Kloster Mülheim – so lässt sich das Ergebnis der Verhandlung gegen Kloster-Eigentümer Joachim Ney vor dem Schöffengericht Soest zusammenfassen. Für das Kloster ist die Zukunft damit weiterhin ungewiss.

Warstein/Soest.. Peter Marx, Vorsitzender des Heimatvereins Sichtigvor, war extra nach Soest gekommen, um sich vor Ort ein Bild davon zu machen, wie der Klostereigentümer auftritt. Nach dem Urteil war er ernüchtert: „Eine Wende ist für mich nicht erkennbar.“ Joachim Ney hörte ruhig zu, als Staatsanwältin Stephanie Wehmeyer, bei der Staatsanwaltschaft Arnsberg zuständig für Wirtschaftsstrafsachen, um kurz nach neun Uhr die Anklageschrift verlas. Fast eine halbe Stunde dauerte es, bis alle Vorwürfe gehört waren; nicht einmal blickte Ney währenddessen auf.

Im Zuschauerraum: mehrere Gläubiger Neys und sein ehemaliger Geschäftspartner Ingo Kremer, der seit Monaten gerichtlich gegen ihn vorgeht. Nicht anwesend: Oliver Pöpsel, dessen Kaufvertrag mit Joachim Ney über das Kloster Mülheim Dreh- und Angelpunkt der Vorwürfe war.

Worum ging es gestern? Für insgesamt sieben Unternehmergesellschaften (UG) soll Joachim Ney als Geschäftsführer die jeweilige Insolvenz zu spät angezeigt haben – teilweise sechs, zehn oder auch erst zwölf Monate, nachdem die Zahlungsunfähigkeit bereits Fakt war. Unter diesen Gesellschaften: Die Mainstart UG, jene Gesellschaft, mit der Joachim Ney als Geschäftsführer die Verwaltung der Erbbau-Grundstücke des Klosters Mülheims getätigt hat. Schnell wurde im Laufe der Beweisaufnahme deutlich, dass Neys Geschäftsmodell auf die Gründung immer neuer Unternehmergesellschaften abzielt, um das Kapital zu verwalten. Kapital, das er sich bei Gläubigern leiht – gutgläubigen Gläubigern, wie die Zeugenbefragung zeigte.

Ney gibt Pöpsel die Schuld

Drei Zeugen wurden während der dreieinhalbstündigen Verhandlung gehört; eine Gläubigerin sagt deutlich: „Ich bin Herrn Ney nicht gewachsen. Er hat mich in seinen Bann gezogen und immer mehr auf mich eingeredet.“ Joachim Ney seinerseits wurde auch deutlich: „Die Darlehen wurden über werthaltige Grundschuldbriefe finanziert – das war aber natürlich abhängig von dem Verkauf des Grundstücks Kloster Mülheim.“

Für Ney ist die Rechnung klar: Hätte Oliver Pöpsel den 2012 vereinbarten Kaufpreis für das Kloster von 60 000 Euro in voller Höhe bezahlt, dann hätte Ney durch die Einnahmen des Erbpachtzinses alle Darlehen zurückzahlen können. „Einflüsse von Dritten haben dazu geführt, dass ich immer im schlechten Licht dastehe und praktisch keine Chance habe.“

Neue UG soll Kloster betreuen

Sein aktueller Plan für das Kloster: Die Grundschuldbriefe sollen treuhänderisch bei einem Notar hinterlegt werden und eine neue UG sich künftig um die Belange des Klosters kümmern – er sei nicht mehr involviert (wir berichteten). Geschäftsführer dieser neuen UG sei sein Stiefsohn. Ney bestätigte, dass es Gespräche zwischen ihm und Pöpsel gegeben habe, den Kaufvertrag aufzuheben (wir berichteten), allerdings: „Die rückständigen Zinsen müssen geleistet werden. Wenn das alles gezahlt worden wäre, säße ich jetzt nicht hier.“

Rund 90 000 Euro Grund und Grunderwerbssteuer seien mittlerweile aufgelaufen – diese möchte Ney zurückbekommen, bevor er sein Angebot an Pöpsel, den Kaufvertrag aufzuheben, tatsächlich erfüllt. Im Vorfeld der Verhandlung hatte Ney in einer Absprache mit der Staatsanwaltschaft, dem Richter und seinem Rechtsanwalt angekündigt, die Insolvenzverschleppung vollumfassend zu gestehen – dies wurde im Urteil zu seinen Gunsten berücksichtigt. 200 Tagessätze á 20 Euro muss Ney nun zahlen – damit ist er vorbestraft. Das Verfahren wegen Betrugs wurde mit Hinblick auf die übrigen Tatvorwürfe eingestellt.

Seine letzten Worte im Gerichtssaal waren nahezu symptomatisch für die Geschichte des Klosters: „Mit dem Thema sind wir noch nicht fertig.“ Das dürfte wahr sein.