Klinik erweitert Platzangebot für psychisch Kranke

Am südöstlichen Rand des LWL-Geländes nahe der Friedhofskapelle (rechts im Bild) soll ein Neubau für das LWL-Institut für Rehabilitation Warstein errichtet werden.Im Bild:  Der Ärztliche Direktor Dr. Josef Leßmann (links) und Institutsleiter Dietmar Böhmer.
Am südöstlichen Rand des LWL-Geländes nahe der Friedhofskapelle (rechts im Bild) soll ein Neubau für das LWL-Institut für Rehabilitation Warstein errichtet werden.Im Bild: Der Ärztliche Direktor Dr. Josef Leßmann (links) und Institutsleiter Dietmar Böhmer.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Was im Jahre 2010 mit nur vier Plätzen begann, soll nun auf das Zehnfache erweitert werden: Die LWL-Klinik Warstein investiert rund sechs Millionen Euro in den Ausbau der medizinisch-beruflichen Rehabilitation psychisch Kranker am Standort Warstein .

Warstein..  Was im Jahre 2010 mit nur vier Plätzen begann, soll nun auf das Zehnfache erweitert werden: Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Bund hat einem Ausbau der medizinisch-beruflichen Rehabilitation psychisch Kranker am Standort Warstein grundsätzlich zugestimmt. Eine Investition von rund sechs Millionen Euro.

Vorgesehen ist die Errichtung eines Neubaus für das LWL-Institut für Rehabilitation (IfR), damit dort die Leistungsfähigkeit im Arbeitsleben von 40 Männern und Frauen in der Reha-Phase II überprüft und eine passgenaue Erprobung im Rahmen von Betriebspraktika in hiesigen Firmen geleistet werden kann.

Viele Zuweisungen

Das IfR ist der LWL-Klinik Warstein angegliedert. Derzeit stehen dem Institut im Haus 52 zwölf stationäre Plätze zur beruflich-medizinischen Rehabilitation zur Verfügung. „Da die DRV Bund ganz offensichtlich mit unseren Leistungen zufrieden war und ist, erfolgten in den vergangenen Jahren viele Zuweisungen hierher nach Warstein. So entstand schnell eine enorme Warteliste, die wir wegen unserer vergleichsweise geringen Platzzahl nicht zeitnah bedienen konnten“, berichtet der Ärztliche Direktor Dr. Josef Leßmann.

Vor diesem Hintergrund haben er und der Leiter des Instituts, Dietmar Böhmer, sich Ende 2014 in Berlin mit Vertretern der DRV Bund getroffen. Auch Sandra Möller-Emminghaus, Psychologische Psychotherapeutin am IfR, und Institutsärztin Dr. Iris Ricke nahmen an dem Gespräch teil.

Zwischen den dezernatsleitenden DRV-Ärzten, die für die Zuteilung von psychiatrischen und psychotherapeutischen Reha-Maßnahmen in allen 16 Bundesländern zuständig sind, und der Delegation aus Warstein herrschte Einigkeit, dass eine Aufstockung des Angebotes auf künftig 40 Plätze sinnvoll sei unter der Voraussetzung, dass eine adäquate Immobilie für die therapeutischen Leistungen sowie für die „Hotelleistungen“ der Klientel bereitgestellt wird.

Unmittelbar danach wurden durch die Betriebsleitung der LWL-Klinik Warstein die weiteren konkreten Planungen auf den Weg gebracht. Inzwischen hat der Gesundheits- und Krankenhausausschuss des LWL einen Grundsatzbeschluss zur Errichtung eines Neubaus mit einem Investitionsvolumen von etwa sechs Millionen Euro getroffen, wobei die Kosten überwiegend aus Eigenmitteln der Klinik getragen werden.

Der LWL-Bau- und Liegenschaftsbetrieb hat elf mögliche Standorte innerhalb des Warsteiner Klinikgeländes überprüft. Auf dieser Grundlage hat sich die Betriebsleitung jetzt für eine Fläche in südöstlicher Randlage neben der Gärtnerei entschieden. „Wir gehen davon aus, dass wir voraussichtlich im ersten Quartal 2017 das neue Gebäude mit dem erweiterten Angebot der Reha-Phase II in Betrieb nehmen können“, so Leßmann.

Zielsetzung der medizinisch-beruflichen Rehabilitation ist eine umfassende und transparente Beschreibung des funktionalen Leistungsbildes des Arbeitnehmers. Daraus werden dann Rückschlüsse gezogen, inwieweit eine Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt möglich ist, oder ob sonstige Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben notwendig sein könnten.

Die medizinisch-berufliche Belastungserprobung durch das IfR erfolgt auf dem ersten Arbeitsmarkt. Sie orientiert sich an der individuellen Leistungsfähigkeit und den beruflichen Vorstellungen des Patienten. Hierbei nutzt das Institut ein Netz aus etwa 40 örtlichen Betrieben mit verschiedenen Tätigkeitsschwerpunkten. Die Zuordnung findet in Rücksprache mit dem Rehabilitanden statt. Darüber hinaus werden sämtliche alltägliche Tätigkeiten berücksichtigt und durch das multiprofessionelle Team begleitet, jedoch stets mit dem Anspruch der Förderung einer größtmöglichen Eigenverantwortung.

Belastungserprobung

„Es ist uns in der Vergangenheit gelungen, fast alle Tätigkeitsschwerpunkte und Fragestellungen abzubilden. In seltenen Fällen nutzen wir auch geschützte Tätigkeitsfelder, um besonders eingeschränkten oder leistungsentwöhnten Menschen einen Einstieg in die Anforderungen des Arbeitsmarktes zu ermöglichen“, so Sandra Möller-Emminghaus. Institutsleiter Dietmar Böhmer ergänzt: „Eine Herausforderung ist es nun, das Netzwerk von kooperierenden Firmen zu vergrößern, damit auch künftig alle Rehabilitanden am Standort Warstein die Gelegenheit einer Belastungserprobung an einem konkreten und realen Arbeitsplatz wahrnehmen können.“ Hierzu soll in Kürze eine „Allianz für psychische Gesundheit“ ins Leben gerufen werden.