Kettcar-Hersteller Kettler beendet Insolvenz am 31. März

Friedlicher Protest. Ballone schweben über den Köpfen der Streikenden. Zahlreiche Mitarbeiter der Firma Kettler versammelten sich in der Stadthalle Werl. Hier wurde über die Zukunft des Unternehmens geredet. Darunter Vertreter der Firmenleitung und der Gewerkschaften.
Friedlicher Protest. Ballone schweben über den Köpfen der Streikenden. Zahlreiche Mitarbeiter der Firma Kettler versammelten sich in der Stadthalle Werl. Hier wurde über die Zukunft des Unternehmens geredet. Darunter Vertreter der Firmenleitung und der Gewerkschaften.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Aufbruchstimmung bei einer Betriebsversammlung in der Stadthalle Werl. Gewerkschaft und Belegschaft danken der Landespolitik und Inhaberin Karin Kettler mit bunten Kärtchen und roten Luftballons.

Werl/Ense.. Rote Luftballons lassen sie nach einer Betriebsversammlung vor der Stadthalle in Werl aufstiegen, die Mitarbeiter des Sport- und Gartenmöbelherstellers Kettler. Es soll wieder aufwärtswärts gehen beim noch insolventen Kettcar-Hersteller aus Ense im Kreis Soest, soviel ist klar. Und die Mitarbeiter tragen diese Aufbruchstimmung mit, sie glauben wieder an die Zukunft des Unternehmens. „Wir haben alle die Hoffnung, dass es funktionieren könnte“, sagt etwa Thomas Lork vor der Stadthalle, sichtlich gut gestimmt. Das ist auch Josef Wittkamp, der sich einfach nur freut, „nachts endlich wieder schlafen zu können“.

Ense Zum 31. März beendet die Heinz Kettler GmbH & Co KG das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, wie das Unternehmen Dienstagmittag mitteilte. Eine Landesbürgschaft über 30 Millionen Euro, Ende Januar bewilligt, und der Griff in die Privatschatulle durch Inhaberin Karin Kettler waren Grundlage der Rettung; die Einigung der Gläubiger am 29. Februar hatte endgültig den Weg frei gemacht. Den von der IG Metall spendierten Luftballons waren deshalb bunte, kleine Kärtchen angehängt. Unter der Überschrift „Wir haben es geschafft!“ wird darin „besonders Dr. Karin Kettler und den politischen Verantwortlichen“ gedankt.

750 Stellen bleiben - „das sind gute Jobs“

Einige Luftballons allerdings schafften es nicht nach oben, ihnen ging vorzeitig die Luft (respektive: das Helium) aus. Sinnbild dafür, dass 198 Mitarbeitern gekündigt werden musste – die entsprechenden Schreiben sind bereits verschickt.

Ein erster Sanierungsplan allerdings hatte noch doppelt so viele Stellenstreichungen vorgesehen. Ein Erfolg, den sich die Arbeitnehmervertreter ans Revers heften dürfen. „Das hat viel Kraft gekostet“, blickt der IG-Metall-Bevollmächtigte Torsten Kasubke zurück, „aber es hat sich gelohnt“. Schließlich blieben 750 Stellen bei Kettler erhalten, „und das sich wichtige und gute Arbeitsplätze für die Region“, sagt der Gewerkschafter mit Blick auf die gezahlten Tariflöhne und die auch sonst guten Bedingungen dieser Jobs.

Für eine bessere Zukunft sollen auch neue Produkte sorgen, individualisierte Sportgeräte und Gartenmöbel. „Der Kunde ist König“, sagt dazu der Betriebsratsvorsitzende im Werler Werk, Michael Heierhoff. Sicherlich keine ganz neue Erkenntnis. Aber vielleicht eine, die Kettler wieder auf die Beine hilft.