Keine betriebsbedingten Kündigungen im Sägewerk Leiße

Das Sägewerk Leiße setzt auf eine Sanierung in Eigenregie.
Das Sägewerk Leiße setzt auf eine Sanierung in Eigenregie.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Das Hirschberger Sägewerk Leiße hat Insolvenz beantragt. Die Sanierung soll in Eigenregie erfolgen. Das sind die Hintergründe und Folgen.

Hirschberg.. Die Folgen des Orkans Kyrill vor achteinhalb Jahren sind noch immer in den heimischen Wäldern deutlich sichtbar. Und Spuren hinterlässt das Unwetter nun auch in der heimischen Wirtschaft: Das Hirschberger Sägewerk Leiße, Bache 15, meldete jetzt Insolvenz an (AZ: 21 IN 150/15).

Aber es soll weiter gehen bei dem Holzverarbeiter, und deshalb findet die Sanierung in Eigenverwaltung statt, ein Zeichen dafür, dass das zuständige Amtsgericht Arnsberg durchaus eine Zukunft für das Unternehmen mit elf Mitarbeitern sieht. Als vorläufiger Sachwalter ist die Kanzlei Dr. Jan Janßen (Arnsberg) bestellt worden. Geschäftsführerin Katja Leiße-Krämer wird von Rechtsanwalt Jochen Korves (Münster) beraten und durch das Verfahren begleitet.

Viel Holz geht nach Österreich

Dass der Orkan Kyrill am 18. und 19. Januar 2007 mit seinen Massen an gefallenen Bäumen z nicht ohne Folgen für die Holzwirtschaft bleiben würde, war klar. Problematischer wurde die Situation für die heimischen Sägewerke noch durch eine Entscheidung des damaligen Landesumweltministers Eckhard Uhlenberg. Der sorgte sich um den Verbleib des vielen Sturmholzes und vereinbarte die Lieferung von 500.000 Festmetern nach Österreich. Laufzeit für den Vertrag mit der Klausner-Gruppe: Sieben Jahre.

Holz Die Folge: Das vereinbarte Volumen gab der Wald eigentlich nicht her, die Preise waren kaputt. Und die Marktsituation für die hiesigen Betriebe fortan mehr als problematisch, brauchen sie doch eine ausreichende Menge Holz, um ihre Anlagen auszulasten und auskömmlich wirtschaften zu können.

Rund 35.000 Festmeter werden pro Jahr im Hirschberger Betrieb Leiße verarbeitet, beispielsweise zu Latten oder Kanthölzern verarbeitet. Aus mehreren hundert Kilometern muss das Holz inzwischen teilweise herangeschafft werden, was zu höheren Transportkosten führt, erläutert Geschäftsführerin Leiße-Krämer im Gespräch mit der WESTFALENPOST die Lage. Man sah die angespannte finanzielle Situation.

Anfang 2015 Plan erarbeitet

Seit Anfang des Jahres erarbeitete Rechtsanwalt Korves mit Leiße-Krämer einen Plan, man war sich mit der Hausbank, der Volksbank Hellweg, als Hauptgläubiger grundsätzlich einig. „Sie war offen für Gespräche“, so Korves, „aber es reichte nicht ganz außergerichtlich“. Sprich: Ein Insolvenzverfahren war unumgänglich; durch die Eigenverwaltung soll für die Gläubiger eine Quote über die in einer Regelinsolvenz zu erwartende erreicht werden. Vor allem aber geht es darum, das Unternehmen zu erhalten anstatt dies abzuwickeln.

Folglich sollen auch die derzeit elf Mitarbeiter ihren Job behalten können, „es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen“, betont Jochen Korves. Zunächst gibt es für die Mitarbeiter drei Monate Insolvenzausfallgeld über die Arbeitsagentur, „aber wir arbeiten voll weiter“. Leiße-Krämer, die den Betrieb 2011 von ihrem Vater übernahm: „Wir wollen alle halten“.

Entscheidungen fallen im Betrieb

Die Entscheidungen dazu fallen wie bisher im Betrieb – durch Geschäftsführerin Katja Leiße-Krämer und Rechtsanwalt Jochen Korves. Sachwalter Dr. Jan Janßen fungiert dabei wie ein „Schiedsrichter“, muss außergewöhnliche Ausgaben genehmigen, damit nicht unnötig Kapital (und damit letztlich auch Insolvenzmasse) abfließt. Ein neues Sägeblatt würde als genehmigt, ein Oberklasse-Auto wohl eher nicht, nennt Korves ein Beispiel.

Ziel ist es, vermutlich bereits Anfang September der Gläubigerversammlung einen Sanierungsplan vorlegen zu können. Jochen Korves ist optimistisch, dass das ebenso gelingt wie die Umsetzung der bereits laufenden Maßnahmen. „Die greifen schon“, so der Rechtsanwalt.