Katzenjammer

Was tut man nicht alles, wenn sich ein kleines, schutzbedürftiges Tier in Not befindet. Noch gut erinnern kann ich mich, als unsere Katze, damals noch jung an Jahren, erstmals den alten Birnbaum in unserem Garten für sich entdeckt hat. Rauf auf den Baum war überhaupt kein Problem. Im Nullkommanichts war sie den Stamm hinauf geklettert und im dichten Blätterdach verschwunden.


Gar nicht lange dauerte es, bis herzzerreißendes Gejammer aus luftigen Höhen ertönte. Alles Rufen und Locken nützte zunächst nichts: Der Stubentiger traute sich nicht, von den unteren Ästen auf den Boden zu springen – und kopfüber den Stamm hinab klettern, kann eine Katze nun einmal nicht. Wie also das Tier vom Baum bekommen, wenn man diesen nicht gleich fällen will? Auch Hineinklettern in das Gewächs und die Katze vom Ast pflücken, kam nicht in Frage.


Blieb nur die Dreitrittleiter, auf die ich mich stellte, lockende Geräusche von mir gab – nur gut, dass die Nachbarn nicht im Garten waren – und meine Schulter als Sprung-Landeplatz zur Verfügung stellte. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Katze mein Begehr begriffen hatte, aber dann funktionierte es. Um den Baum machte sie anschließend lange Zeit einen weiten Bogen. Und inzwischen ist sie einfach zu alt für solche Abenteuer – und ich auch.