Kallenhardter setzen sich für Erlöserkirche ein

Gut besuchte Bürgerversammlung: Die Zukunft der Erlöserkirche interessiert knapp 60 Zuhörer, darunter neben Bürgermeister Peter Weiken und Pastor Dieter Moors vor allem viele weitere katholische Christen.
Gut besuchte Bürgerversammlung: Die Zukunft der Erlöserkirche interessiert knapp 60 Zuhörer, darunter neben Bürgermeister Peter Weiken und Pastor Dieter Moors vor allem viele weitere katholische Christen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Erlöserkirche gehört zu Kallenhardt, so der Tenor der Bürgerversammlung. Geplant sind Aktionen, um sie mit Leben zu füllen und Geld für den Erhalt aufzubringen.

Kallenhardt..  Die zentrale Botschaft der Bürgerversammlung an den Arbeitskreis Erlöserkirche, wie das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Warstein lautet: Das Aufgeben der Erlöserkirche ist für viele Menschen im Ort kein Thema. Rund 60 von ihnen, die Mehrzahl davon katholische Christen, waren der Einladung von Ortsvorsteher Antonius Cramer gefolgt, keiner davon verschwendete auch nur einen Gedanken daran, die kleine Kirche zur Disposition zu stellen – jedenfalls nicht, ohne alle Anstrengungen zu unternehmen, um sie als öffentlichen Raum zu erhalten.

Annähernd so voll wie zuletzt bei der Feier ihres 50-jährigen Bestehens 2014 war die Erlöserkirche am Mittwochabend. „Jetzt sind wir wieder hier – aber leider nicht zum Feiern“, verwies Cramer auf den ersten Hintergrund. Was auch hier drückt, sind die Kosten. Rund 6200 Euro aus Kirchensteuermitteln müsse die Gemeinde jährlich in die Erlöserkirche stecken, erklärte Pfarrerin Jutta Schorstein. Sie hatte als Vorsitzende des Presbyteriums „die Aufgabe die brutalen Fakten zu verkünden“. Die Summe setzt sich zusammen aus Kosten etwa für Strom, Heizung, Personal und Steuern, vor allem aber aus der durch Landeskirchenrecht festgeschriebenen jährlichen Rückstellung für die Gebäudeunterhaltung, die hier knapp 3000 Euro ausmacht.

Demgegenüber steht der Beschluss des Presbyteriums, die Summe, die aus Kirchensteuern in die Erlöserkirche fließt, bis 2016 zu halbieren. Hier beißt sich die Katze insofern in den Schwanz, weil Einsparungen – etwa wurde die Arbeitszeit der Küsterin gekürzt – wenig bringen. Die Rückstellung für die Gebäudeunterhaltung als unveränderlicher Kostenblock bleibt. Antonius Cramer kritisierte die seiner Meinung nach allein wirtschaftliche Sichtweise der Gemeindeleitung: „Wenn hier die Basis wegbricht, spürt man das auch in den Gremien. Das ist wie bei einem Bachlauf, dem man die Zuflüsse nimmt.“

„Das Finanzproblem ist zu lösen, dadurch hat man die Kirche aber noch lange nicht lebendig gemacht“, wies Gyso von Bonin auf das hin, was nicht nur seiner Ansicht nach das Hauptproblem ist. An dessen Lösung arbeitet schon geraume Zeit der Arbeitskreis Erlöserkirche. Er hat erreicht, dass es dort keine Gottesdienste mit klassischer Liturgie mehr geben muss, die Kirche stattdessen für andere Gottesdienstformen geöffnet, die dort einmal monatlich stattfinden. Die Resonanz ist beachtlich. „Statt sechs Menschen kommen 20“, berichtete Pfarrerin Dr. Christiane Karin Saßmann. Bei den Taizéandachten lag die Besucherzahl bislang sogar zwischen 40 und 67. Daran soll weiter gearbeitet werden, nur wünschte sie sich, dass auch mehr Kallenhardter solche Angebote wahrnehmen würden.

Kirche öffentlich unsichtbar

Die fehlende Wahrnehmung schon des Gebäudes kritisierte Peter Sinn: „Die Kirche spielt in der Öffentlichkeit keine Rolle.“ Die Kirche finde sich an keinem Rundweg, sei außerdem stets verschlossen. Sinn ist Diakoniepfarrer des Kirchenkreises, sucht aber zudem als so genannter Fundraiser nach Möglichkeiten, kirchliche Gebäude zu erhalten und (neu) zu nutzen. Das Gebäude müsse an Bedeutung für die Menschen im Ort gewinnen. Zugleich verbreitete er Optimismus: „Es besteht eine Chance zum Erhalt, das geht aber nur mit Begeisterung.“

Viele Ideen entwickelten sich in der Versammlung, um beide Probleme – finanzielle Last und fehlende Akzeptanz – zu lösen. Kleinkunst etwa könnte angeboten, ein Gemeindefest – am besten ökumenisch – veranstaltet werden. Der Ortsvorsteher will die Vereine ansprechen, ob diese Unterstützungsmöglichkeiten sehen. Waffelback- und Spendenaktionen sind ebenfalls angedacht. Peter Sinn regte aber ein längerfristig tragendes finanzielles Fundament an. Dies könnten etwa Unterstützer sein, die eine gewisse Zeit eine feste Summe zum Erhalt der Kirche beisteuern.

Den Arbeitskreis erwartet also weiterhin viel Arbeit mit dem Ziel, das Pfarrerin Schorstein so formulierte: „Wir hoffen, dass es eine Lösung gibt – und die heißt Erhalt.“