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JVA-Direktor Michael Skirl veröffentlicht sein Buch über Sicherungsverwahrung in Werl

10.10.2012 | 17:37 Uhr
JVA-Direktor Michael Skirl veröffentlicht sein Buch über Sicherungsverwahrung in Werl
Michael Skirl, Direktor der JVA-Werl, bezieht Stellung zur Sicherheitsverwahrung in seinem Buch.Foto: Thomas Nitsche/WP

Werl.   Seit knapp 14 Jahren ist Michael Skirl Leiter der Justizvollzugsanstalt Werl. In dieser Woche erscheint sein erstes Buch: „Wegsperren!? Ein Gefängnisdirektor über Sinn und Unsinn der Sicherungsverwahrung“. Der gebürtige Essener will eine Diskussion anregen.

Michael Skirl, der Werler Gefängnisdirektor, arbeitet seit mehr als dreißig Jahren im Strafvollzug. Auch wenn er seit mehr als drei Jahrzehnten für ein wirklichkeitsgetreues Bild in der Öffentlichkeit kämpft, bleibt vielen Menschen das Leben hinter Gittern ein Buch mit sieben Siegeln. Der 61-Jährige aus Fröndenberg  lässt dennoch nicht locker.

In dieser Woche erscheint sein erstes Buch. „Ein erklärendes, aufklärerisches“, sagt der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Werl. Titel: „Wegsperren!? Ein Gefängnis­direktor über Sinn und Unsinn der Sicherungsverwahrung.“ Er sei zu seiner ersten Veröffentlichung („außer ein paar Aufsätzen und der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der JVA Werl“) wie die Jungfrau zum Kinde gekommen, erzählt der gebürtige Essener.

Gast in der Talkshow "Menschen bei Maischberger"

Nach der Aufzeichnung der ARD-Talkshow „Menschen bei Maischberger“ im April 2011 im Werler Knast sprachen ihn Vertreter des Scherz Verlages an, ob er sich nicht vorstellen könnte, seine Ansichten über Sicherungsverwahrung niederzuschreiben. Skirl erbat sich Bedenkzeit („ein Buch ist nicht mal eben so gemacht“) und startete im Juli 2011 sein Werk. Abends, an Wochenenden, im Urlaub in seinem Haus in Frankreich. „Ein gutes Stück Arbeit bis zum April 2012.“ „Aber ich bereue es nicht.“

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Therapie für Sex-Täter „ist Knochenarbeit“

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Sicherungsverwahrung von Sexualstraftätern kommt bei den Fachleuten unterschiedlich an. 116 Sicherungsverwahrte müssen bis 2013 neu begutachtet und vermutlich zu einem Großteil freigelassen werden.

Denn das Thema „Sicherungsverwahrung“ liegt ihm am Herzen. Es gebe so viele populistische Pauschalurteile darüber - nicht nur seitens des damaligen Bundeskanzlers Schröder, der für Sexualstraftäter ein „Wegsperren - und zwar für immer“ forderte. „Er ist gelernter Anwalt, er hätte es besser wissen müssen“, kritisiert der Gefängnischef.

Er hat sein Buch „Wegsperren“ genannt - und dahinter ein Ausrufe- und ein Fragezeichen gesetzt. Skirl will eine Diskussion anregen, Meinung verbreiten, für Klarheit sorgen. Er fordert eine rationale Betrachtung. „Wenn es mir mit meinem Sachbuch gelänge, ein bisschen Lufthoheit über die Stammtische zu bekommen, wäre ich schon zufrieden.“

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    Seite 2: Sicherheitsverwahrung war jahrezehntelang kein Thema in der Öffentlichkeit
    Seite 3: Seit knapp 14 Jahren der amtierende JVA-Chef in Werl mit 850 Gefangenen

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Kommentare
19.10.2012
16:10
JVA-Direktor Michael Skirl veröffentlicht sein Buch über Sicherungsverwahrung in Werl
von schangel | #6

In Ihrem Bericht über die Sicherurngsverwahrung in Werl schreiben Sie, seit 1995 würde in Werl die Sicherungsverwahung vollstreckt. Tatsächlich sitzen seit 1934 Sicherungsverwahrte in der heutigen JVA Werl ein, nachdem die Nazi-Regierung im November 1933 die Sicherungsverwahrung beschlossen hatte. Von 1937 an bis zur Erweiterung der Strafanstalt um die Hafthäuser zwei und drei war Werl ausschließlich für die Vollstreckung der SV zuständig und zwar für mehrere Landgerichtsbezirke. Während des Nazi-Regimes haben SVler in Werl mit Gefangenen des Regelvollzugs zusammen Rüstungsgüter produziert. Auch heute arbeiten sie in den Anstaltswerkstätten noch immer zusammen mit Strafgefangenen.

14.10.2012
18:01
JVA-Direktor Michael Skirl veröffentlicht sein Buch über Sicherungsverwahrung in Werl
von Elena72 | #5

Das Problem liegt doch ganz woanders. Alle die im Gefängnis sitzen werden dort eingesperrt ohne weitere Behandlung oder Unterstützung. Wenn sie raus kommen, haben sie meistens mehr Schulden als zuvor. Oder sind im Gefängnis erst mal richtig auf Drogen gekommen. Was passiert wenn sie nun rauskommen? Ganz klar, das ganze geht von vorne los. In Deutschland wird mehr Geld ausgegeben um Unternehmen zu unterstützen als Menschen. Frag doch mal wenn jemand psychisch krank ist und Hilfe braucht. Der bekommt 10 Stunden von der Krankenkasse bezahlt, das war es dann. Herzlichen Glückwunsch - Geheilt. Nur ist dem leider nicht so.

14.10.2012
14:38
JVA-Direktor Michael Skirl veröffentlicht sein Buch über Sicherungsverwahrung in Werl
von buntspecht2 | #4

ZU Wir wollen keine Desperados züchten, denen alle Hoffnung genommen wurde.“ Die getöteten haben auch keine Hoffnung mehr

14.10.2012
13:39
JVA-Direktor Michael Skirl veröffentlicht sein Buch über Sicherungsverwahrung in Werl
von barchettaverde2 | #3

Die Diskussion zur Sicherungsverwahrung ist ja äußerst aufgeladen und wird auch gerne von Rechtsextremisten (NPD, ProNRW etc.) für ihre populistischen Ziele verwendet. Wenn Skirl mit seinem Buch etwas mehr Klarheit und Hintergrundwissen einbringt, kann das ja nur hilfreich sein.

Letztlich geht es bei diesem Thema darum, den berechtigten Sicherheitsanspruch der Bevölkerung und den Umgang mit Sicherheitsverwahrten zu verbinden. Da Sicherheitsverwahrte ja keine Häftlinge sind, müssen für diese Personen auch andere Formen der Unterbringung gefunden werden.

14.10.2012
09:48
"Sicherheitsverwahrung"...
von mspoetnik | #2

...ist auch heute noch kein Thema.
Es heißt Sicherungsverwahrung.Ein äußerst fragwürdiges Instrument.
Findet übrigens-wie viele glauben-nicht nur bei Mördern oder Sexual-
straftätern Anwendung.Es können auch Ladendiebe,oder Einbrecher
in den Genuß kommen.

14.10.2012
09:31
JVA-Direktor Michael Skirl veröffentlicht sein Buch über Sicherungsverwahrung in Werl
von PeterHahn | #1

Er hat seine Meinung nicht öffentlich zu äußern - siehe Beamtengesetz.

6 Antworten
JVA-Direktor Michael Skirl veröffentlicht sein Buch über Sicherungsverwahrung in Werl
von fiddi | #1-1

"Er" hat mit Sicherheit!!! geprüft, was er darf, kann und muss. Siehe auch nachBeamtengesetz. (Landesbeamtengesetz)

genau und kein Politker darf sich noch äußern
von cui.bono | #1-2

schließlich sind das ja auch alles Beamte.

Toll wie das Demokratieverständnis mancher Menschen entwickelt ist.

JVA-Direktor Michael Skirl veröffentlicht sein Buch über Sicherungsverwahrung in Werl
von heme45 | #1-3

Politiker sind nicht grundsätzlich Beamte und wenn doch , sind sie Beamte auf Zeit .

Jeder "normale" Bürger kann sich unter bestimmten Bedingungen bei jeder
Wahl zur Verfügung stellen und sein Bestes geben .

JVA-Direktor Michael Skirl veröffentlicht sein Buch über Sicherungsverwahrung in Werl
von AnnetteP | #1-4

Das ist mir aber ganz neu, das im Beamtengesetz die Meinungsfreiheit für Beamte gestrichen wurde.
trotz allem gilt für Beamte auch der Artikel 5 (Meinungsfreiheit) für Beamte

JVA-Direktor Michael Skirl veröffentlicht sein Buch über Sicherungsverwahrung in Werl
von HeinBloed5259 | #1-5

Wäre mir auch neu, daß das Beamtengesetz die freie Meinungsäusserung unterbindet! Im übrigen: Es ist allemal besser, er veröffentlicht seine Meinung (mit fundiertem Wissen) als Hinz und Kunz am Stammtisch!

JVA-Direktor Michael Skirl veröffentlicht sein Buch über Sicherungsverwahrung in Werl
von PeterHahn | #1-6

Wenn Sie keine Ahnung haben, von was Sie reden, sollten Sie die Klappe halten.
Googeln Sie im Beamtenrecht und Sie werden die Aufhebung von Teilen des Grundgesetzes finden.
Danach hat ein Beamter in der Öffentlichkeit eine NEUTRALE Meinung zu haben, sonst drohen Disziplinarmaßnahmen.

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