Jüdische Nachnamen gibt es erst seit 1846

Belecke..  Die größte jüdische Gemeinde in der Umgebung bestand in Rüthen mit einem Höchststand von 80 Mitgliedern um 1840. Der dortige Friedhof fand erstmals bereits 1625 Erwähnung und zählt heute noch etwa 80 Grabsteine. Auch Anröchte hatte eine ähnlich große jüdische Gemeinde und einen Friedhof mit heute 62 erhaltenen Grabsteinen.

In Warstein lebten in der Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen 30 und 40 jüdische Einwohner.

Für das Jahr 1846 sind drei jüdische Haus- oder Familienvorstände in Belecke nachweisbar: Jacob Heilmann, Jacob Löwenstein und Jacob Ostwald. Erst zu dieser Zeit wurde es in Preußen, wozu Belecke in der Provinz Westfalen mittlerweile gehörte, offiziell Vorschrift, dass sich Juden – soweit noch nicht geschehen – Nachnamen zulegten. In der Bekanntmachung der Königlichen Regierung (von Preußen) über die Annahme fester Familiennamen seitens der Juden vom 15. September 1846 sind obige drei Namen erwähnt (publiziert im Beiblatt zum Amtsblatt, Arnsberg, 10. Oktober 1846).

Wohnortwechsel schwierig

Die Familien Ostwald und Löwenstein waren im gesamten 19. Jahrhundert in Belecke ansässig. Besonders die Löwensteins erfreuten sich einer umfangreichen Nachkommenschaft. Allerdings verließen die meisten Belecker Juden in den 1870er und 1880er Jahren die Möhnestadt. Dies wird zum einen an den wirtschaftlichen Verhältnissen und zum anderen an den veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen gelegen haben.

Bis in diese Zeit war es für Juden immer noch umständlich bis schwierig, den Wohnort zu wechseln. Die Verfassung des Norddeutschen Bundes von 1867 und die deutsche Reichsgründung von 1871 brachten auch den Juden in Westfalen die bürgerliche Gleichstellung mit den christlichen Einwohnern. Nun konnten sie bedeutend leichter einen Ortswechsel vornehmen.

In Rüthen und Warstein anders

Die Belecker Juden sahen in großen Städten wie Dortmund bessere Chancen für den Wohlstand ihrer Familien und die Ausbildung ihrer Kinder. Das war in Rüthen oder Warstein anders, was an den wirtschaftlichen Verhältnissen gelegen haben wird. So entwickelte sich die Belecker Wirtschaft in der Zeit der Industrialisierung recht gemächlich und entsprechend auch die Einwohnerzahl.

Wegen der Abwanderung ihrer jüngeren Mitglieder erlosch die jüdische Gemeinde am Ende des 19. Jahrhunderts. Die letzte jüdische Einwohnerin in Belecke war nach heutigem Stand der Geschichtsforschung Johanna Löwenstein. Ihr Grabmal auf dem jüdischen Friedhof nennt das Todesjahr 1900 (wird fortgesetzt).