Jetzt ist Königsoffizier selbst König

Geschafft: Klaus Rüther (rechts) ist neuer Schützenkönig in Kallenhardt. Gratulanten sind unter anderem Pfarrer Bernd Götze, Oberst Dr. Hermann Burg und Rüthers Vorgänger Dieter Thiele.
Geschafft: Klaus Rüther (rechts) ist neuer Schützenkönig in Kallenhardt. Gratulanten sind unter anderem Pfarrer Bernd Götze, Oberst Dr. Hermann Burg und Rüthers Vorgänger Dieter Thiele.
Foto: Armin Obalski

Kallenhardt..  „Ich glaube, dann gehe ich jetzt auch mal dran.“ Was Dr. Hermann Burg, Oberst der Schützenbruderschaft St. Sebastianus Kallenhardt, im Rahmen zahlreicher Ehrenschüsse verkündete, könnte sich auch Klaus Rüther gesagt haben. Spät kam er unter die Vogelstange, aber mit gewaltigen Folgen. Mit dem 104. Schuss wurde er neuer König. „Das hatte ich jetzt gar nicht vor“, bekannte der bei der Paderborner Brauerei tätige Schlosser mit Unschuldsmiene. Immerhin hatte er manchem König eines voraus: Als Königsoffizier der bis gestern Mittag noch amtierenden Majestät wusste er „wie der Hase läuft“ – was ihn erwartete, was er und seine Frau und Königin Rita nach dem finalen Schuss zu tun hatte und was für sie durch andere dienstbare Geister getan werden würde.

Wer hat an der Uhr – oder besser dem Vogel – gedreht? Diese Frage stellte sich, kaum nachdem die ersten Schüsse abgegeben worden waren. Erst drehte sich der Vogel um 90, schließlich sogar um 180 Grad. So wurde aus dem Adler eher ein Geier Sturzflug.

Noch senkrecht auf dem Haupt thronte die Krone, als Matthias Mekus sie abschoss. Doch dies änderte sich schnell. „Kann ich da noch drunter gehen?“, fragte Franz-Josef Dohle etwas bange. Gab dann aber doch einen Schuss ab, nachdem sich endgültig die Frage stellte, wo denn die ganzen Aspiranten, die noch zuvor im Dutzend auf die Insignien anlegen wollten, eigentlich geblieben waren. Schon aus dem Lot geraten war der Vogel, als Josef Risse – „nennt mich Troister“ – den Apfel traf. Endgültig vorbei war es dann mit der korrekten Haltung des Adlers, als Christian Fechner das Zepter traf.

Flügel fällt mit Zeitverzug

„Immer mittenrein, statt drüberweg“, wartete Karnevalspräsident Bertram Dohle mit einem klugen Ratschlag auf, den er dann aber selbst nicht befolgte, sondern es Fechner gleichtat, der verkündete: „Jetzt bin ich aber weg.“ Gleiches galt für Stefan Mekus, nach dessen letztem Schuss einer der beiden Flügel fiel – wenn auch mit deutlichem Zeitverzug.

Als auch Edgar Ramsel, Rendant der Bruderschaft, der schon König in Langenstraße war, seinen Abschied nahm, wurde es einsam unter der Vogelstange. Immer wieder tauchte zwar Michael Arnst für ein, zwei Schüsse auf, genauso schnell aber auch wieder unter. „Nun bleib doch mal hier. Deine Schuhe sind schon durchgelaufen“, ulkte Eberhard Rüther, Vater dessen, der es wenig später tatsächlich machte. Immerhin hatte Arnst dafür gesorgt, dass der zweite Flügel fiel und der Rest vom Vogel wieder in ordnungsgemäßer Senkrechtposition verharrte.

Tränen bei den Töchtern

So traf ihn dann Klaus Rüther an und hörte auf den Rat: „Zieh das Ding jetzt durch!“ Während sich nach dem letzten Schuss der 39-Jährige mit seiner Frau Rita freute, herrschten bei den drei kleinen Töchtern offensichtlich gemischte Gefühle vor. Bei den siebenjährigen Zwillingen Anni und Lina, vor allem aber bei Antonia (9) kullerten die Tränen – sicherlich wurden daraus später daheim an der Unteren Straße 21 Freudentränen.