Jeden in die Gemeinschaft einbetten

Auf den Vogel schießen dürfen bisher fast überall nur christliche Mitglieder – doch viele heimische Schützenvereine denken über eine Änderung der Satzung nach.
Auf den Vogel schießen dürfen bisher fast überall nur christliche Mitglieder – doch viele heimische Schützenvereine denken über eine Änderung der Satzung nach.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Allagener Schützen wollen Satzung ändern. Auch nichtchristliche Bürger sollen in Zukunft dabei sein

Warstein..  Paragraf zwei der Satzung der Schützenbruderschaft Hirschberg regelt die Mitgliedschaft, Aufnahme sowie den Austritt der Vereinsmitglieder: „Mitglieder der Schützenbruderschaft können alle christlichen Männer werden, die das 17. Lebensjahr vollendet haben, unbescholten sind und die Gewähr dafür bieten, dass sie die in Paragraf 1 genannten Verpflichtungen erfüllen.“ Ernst Adams, 1. Vorsitzender der Hirschberger Schützen, lacht. „Wer ist denn heute noch unbescholten?“, fragt er und zeigt damit selbst, wie konservativ dieser Satz klingt.

Doch geht es in der öffentlichen Diskussion nicht um die Unbescholtenheit, sondern um die Konfession der Mitglieder. So verkündete die Allagener Schützenbruderschaft in der Stadtsverbandsversammlung im November, eine Satzungsänderung vornehmen zu wollen, um auch nicht-christlichen Mitbürgern eine Mitgliedschaft zu ermöglichen. Walter Risse, Vorsitzender der Allagener Schützen, betont, dass die Konfession gar nicht explizit in der Satzung festgeschrieben sei: „In unserer Satzung heißt es, dass jeder Mitglied werden kann, der die Ziele des Vereins respektiert und die Satzung anerkennt. Wer das unterschreibt, hat doch schon alles gesagt.“

Das bedeute, dass im Prinzip auch nicht-christliche Bürger ohne Probleme aufgenommen werden können. Im Anmeldebogen ist die Angabe der Konfession nun freiwillig. Walter Risse erinnert sich noch genau an den Fall aus Werl-Sönnern, bei dem ein türkisch-stämmiger Schütze zum König wurde, der Historische Dachverband aber Widerspruch einlegte. „Natürlich sind diese Geschehnisse Anlass, umzudenken und die Satzung zu ändern. Außerdem bin ich der Meinung, dass eine starke Gemeinschaft es aushalten sollte, Nicht-Christen aufzunehmen. Wir wollen jeden in der Gemeinschaft einbetten.“

Vereine stehen unter Patronat

In Hirschberg gibt sich Ernst Adams zögerlicher: „Wir müssen natürlich generell über eine Änderung der Satzung nachdenken, allerdings sind wir letztendlich eine Bruderschaft und stehen unter einem Patronat, wie viele Vereine hier in der Region.“ So seien oftmals Pastöre mit im Vorstand vertreten. Die Satzung zu ändern, müsse daher auch mit der Genehmigung der Pfarrgemeinde geschehen. Trotzdem glaubt Ernst Adams, dass eine Lockerung der Satzung nicht schwer sei, da die Hirschberger Schützen nicht ganz fest an die Kirche gebunden seien.

Dietmar Beele, Vorsitzender der Schützenbruderschaft Waldhausen, verweist auf eine eher schwammig formulierte Satzung: „Nicht-Christen aufzunehmen ist nicht das Problem, nur die Königswürde steht ihnen in diesem Fall eigentlich nicht zu. Wir denken aber über eine Satzungsänderung nach.“

Über eine Änderung nachgedacht habe auch die Junggesellenschützenbruderschaft Warstein. Vorsitzender Tim Döring erklärt aber, dass die Schützen nun mal ein kirchlicher Verein seien und die Bruderschaft auf der Kirche gegründet sei. So beginne die Satzung mit den Worten „Allerhöchste Dreifaltigkeit“ und Pastor Wulf sitze als Präses mit im Vorstand. „Auf Dauer müssen wir aber offener werden. Bei der Anmeldung fragen wir nicht nach der Konfession. Allerdings können Nicht-Christen nur schwer König werden. Vielleicht werden wir uns da noch mal an die Satzung setzen.“

Döring verweist darauf, dass Schützenvereine immer etwas mit Glaube, Sitte und Gemeinde zu tun gehabt hätten und es den Jungschützen wichtig sei, das Brauchtum weiterzugeben. „Wer bereit ist, unsere Werte zu tragen, der kann auch ohne Probleme Mitglied werden.“