„Ist das nicht dem Franz seine Frau?“

Alte Bilder aus Suttrop: Landwirtschaft
Alte Bilder aus Suttrop: Landwirtschaft
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Wenn Suttrops Urgesteine über alten Fotos brüten, dann darf auch schon mal der Kaffee kalt werden.

Suttrop.. „Ist das nicht dem Franz seine Frau?“ „Nee, die war doch nur die Hälfte von der auf dem Bild.“ – Vier Köpfe, allesamt ergraut oder weiß, beugen sich vor, wollen näher ran an das Bild, das leicht verschwommen auf der Leinwand vor ihnen zu sehen ist. Es ist Foto-Identifizierungsstunde im Haus Steinrücken.

Vier Bürger, alle um die 80 oder schon deutlich darüber hinaus, sind an diesem Nachmittag der Einladung des Heimatvereins gefolgt. Sie sollen helfen, historische Fotos zu identifizieren. Seit über einem Jahr archivieren und digitalisieren Roswitha Kunze und Gertrude Schledde alte Fotos aus Nachlässen – nun folgt der nächste Schritt: „Wir müssen die Bilder und ihre Geschichten jetzt für die Nachwelt erhalten“, erklärt Albert Weber. Dem Ehrenvorsitzenden des Heimatvereins liegt viel daran, möglichst viele der abgebildeten Personen zu identifizieren – bevor irgendwann niemand mehr lebt, der sie kennen könnte. „Wir laden einmal im Monat gezielt ältere Suttroper ein, die uns helfen könnten, die Menschen auf den Bildern zu benennen“, erklärt Weber.

Menschen wie Karl Mues und Eugenie Litge, geborene Mues. Die beiden Geschwister sind weit in den 80ern, aber voller Elan bei der Sache. Gleich das erste Bild – eine Szene beim Heu machen auf einem Feld – sorgt für lebhafte Diskussionen und das nicht nur wegen der abgebildeten Personen: „Wo ist denn so ein Wald?“ „Das ist doch höchstens da, wo es die Bohnenburg hochgeht.“ „Aber wer hat denn da Land? Margret, du müsstest das doch wissen.“ Margret weiß es nicht, bringt aber einen ganz anderen Aspekt ins Spiel: „Wann war denn das? Das war doch nicht vorm Krieg. Da hatte man doch solche Wagen nicht.“

Kleine Details helfen

Es sind die kleinen Details, die den vier älteren Herrschaften oftmals auf die Sprünge helfen und dank derer sie selbst auf verblassten Fotos längst verstorbene Mitmenschen erkennen. Wie die Rüschen an der Schürze, die Eugenie Litge auf einem Bild entdeckt. „Das muss sonntags gewesen sein, schaut euch mal die Schürze an. Das war bestimmt Erntedankfest.“ Manchmal sind es auch weniger schmeichelhafte Merkmale, anhand derer plötzlich klar wird, wer da auf dem Bild zu sehen ist. „Hat die nicht dicke Beine? Dann ist die das! „Nee, das sind doch Gummistiefel.“

Die Frau, die Trecker fährt, ist schnell identifiziert. „Das ist doch Minchen.“ „Konnte die denn Trecker fahren?“ „Na, klar, die ist damit doch immer beim Heu machen gewesen.“ Minchen ist erkannt und wird sorgfältig im Computer vermerkt. Diese nicht ganz leicht Aufgabe fällt Roswitha Kurze zu. Sie hört genau hin, wenn die Älteren diskutieren, notiert zusammen mit Franz-Josef Koch die Namen neben den nummerierten Fotos – und muss die Anwesenden immer mal wieder zu Disziplin mahnen: „So, jetzt mal der Reihe nach und zum Mitschreiben: Wer ist das links?“ „Das ist doch die Irmgard. Oder?“ „Nee, die hatten doch kein Auto. Wer hatte denn da schon ein Auto?“

Stundenlang, so scheint es, könnte es so weitergehen. Doch irgendwann müssen auch Suttrops Urgesteine wieder los: „Ich muss noch vor sechs Uhr mein Brot abholen.“ Beim Rausgehen wird weiter diskutiert: „War das denn nun dem Franz seine Frau?“