Irritierende Blicke auf Alltägliches

Kunst in der Kasse: Eine Auswahl ihrer Arbeiten, darunter auch einige plastische, zeigen die Kunstkurse des Friedrich-Spee-Gymnasiums in der Sparkasse. Die Arbeiten erläutern die Schüler zum Teil selbst.
Kunst in der Kasse: Eine Auswahl ihrer Arbeiten, darunter auch einige plastische, zeigen die Kunstkurse des Friedrich-Spee-Gymnasiums in der Sparkasse. Die Arbeiten erläutern die Schüler zum Teil selbst.
Foto: Armin Obalski
Was wir bereits wissen
„Irritationen“ lautet der Titel der neuen Ausstellung der Kunstkurse des Friedrich-Spee-Gymnasiums. Die Schüler bieten dem Betrachter neue Blickwinkel auf Bekanntes.

Rüthen..  Schuhe, die sich in ein Auto oder einen Wal verwandeln, winzige Menschen, die durch überproportional große Blumen spazieren oder Landschaften in irrealen Farben – dies alles wirkt irritierend. Und so soll es auch sein. „Irritationen“ heißt die Ausstellung der Kunstkurse des Friedrich-Spee-Gymnasiums.

Kunst braucht Öffentlichkeit

Kunst braucht die Öffentlichkeit. Nach dieser Maxime handeln die Fachpädagogen des Gymnasiums schon seit vielen Jahren und organisieren kurz vor dem Ende des Schuljahres Ausstellungen, die zeigen, was die Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen in den vergangenen Monaten erarbeitet haben. Ort der Präsentationen ist die Sparkasse. „Wir freuen uns, hier auf ein größeres Publikum zu stoßen“, erklärte bei der Eröffnung am Dienstagmorgen Kunstpädagoge Stephan Wiedemann. Diese Möglichkeit biete man gerne, betonte Geschäftsstellenleiter Josef Conredel.

„Der Besucher ist eingeladen, sich irritieren zu lassen. Er wird stutzig, verdutzt, vielleicht auch wütend, weil das, was sich ihm zeigt nicht seinen Gewohnheiten entspricht“, weckte Wiedemann Appetit auf das, was die Schüler mit Kreativität, Fantasie und fachlicher Kompetenz umgesetzt haben. „Wir wollen durch die ungewohnte Darstellungsweise neue Blickwinkel öffnen“, beschrieb Stephan Wiedemann die Intention des gemeinsamen Oberthemas.

Einzel- und Gruppenarbeiten

Für Irritationen sorgen beispielsweise Farben, Formen und Proportionen. Ausgelöst werden diese gerade durch die nicht-reale Zusammenstellung. Viele der gezeigten Arbeiten, die nur eine kleine Auswahl der Schülerarbeiten darstellen, entstanden als Einzelleistung, wenige aber auch in Gemeinschaft, wobei diese Gruppenarbeiten die Beteiligten vor eine besondere Herausforderung stellten, musste doch hierfür das individuelle Kunstverständnis unter einen gemeinsamen Hut gebracht werden.

Die Fünfer irritieren den Betrachter beispielsweise durch monochrome Landschaftsdarstellungen in Violett oder Blau, aber auch durch die „Eleonore“ getaufte Riesenfliege, die durchaus bekannte Landschaften wandelt. Das Hachtor, das Gymnasium oder Rüthener Ortsschilder sorgen dabei sogar für einen gewissen Wiedererkennungseffekt.

Klassiker wie Albrecht Dürers „Rhinocerus“ und Paul Klees „Sonderbares Wesen“ wurden von den Jahrgangsstufen 6 und 7 zusätzlich verfremdet und in ganz neue, irritierende Zusammenhänge gesetzt. Ebenso bekamen Figuren aus dem Weberzyklus von Käthe Kollwitz einen neuen Bedeutungszusammenhang zugewiesen.

Den Blick auf sich ziehen besonders die plastischen Werke, Masken etwa, die mit dem ursprünglichen Gesichtszusammenhang nichts mehr gemein haben. Ganz mutige Schüler aus der Q1 haben dagegen quasi selbst die Maske fallen gelassen und zeigen neben einem realistischen Selbstporträt verborgene Aspekte ihrer Persönlichkeit.