Immer ging die Angst um
15.11.2009 | 16:41 Uhr 2009-11-15T16:41:00+0100
Rüthen. „Sie dürfen nicht umsonst gestorben sein”, sagte heute Hermann-Josef Krämer mit Blick auf die Kriegsgräber vor ihm auf dem Rüthener Friedhof. Krämer, Vorsitzender des Heimatvereins, hielt die Ansprache bei der zentralen Gedenkfeier der Stadt zum Volkstrauertag.
Die Opfer und Schrecken des Krieges dürften niemals vergessen werden, appellierte er. Krieg kenne man heute nur aus Erzählungen und aus dem Fernsehen, meinte Krämer beim Blick in die Runde. An Allerheiligen stelle er fest, dass immer weniger Kerzen auf den Gräbern stünden — die Erinnerung an die Kriegstoten verblasse offenbar.
Um es anschaulich zu machen, ging er zurück in die Geschichte; erzählte, dass damals der Ortsgruppenleiter der Nazis in Rüthen die Aufgabe gehabt habe, die Todesnachrichten zu überbringen — „es ging immer die Angst um, wenn er umherging”. Besonders die Schneringerstraße sei betroffen gewesen, „dort hatte fast jede Familie einen Toten zu beklagen”.
Auch die Krämers selbst: Hermann-Josef Krämer las heute aus der Todesnachricht vor, die seine Großeltern erhalten hatten, als deren Sohn Alfons am 10. Juni 1943 in Russland fiel. Dieser hatte zuvor bei einem Heimaturlaub in Rüthen noch gesagt, dass er wohl nicht zurückkommen werde — „was für ein Gefühl muss es gewesen sein, wieder an die Front zu fahren, mit dem Gedanken, sein Elternhaus nicht wiederzusehen?” Der Grenadier Alfons Krämer wurde nur 19 Jahre alt.
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