Im neuen Lebensabschnitt angekommen

Zu Besuch bei Helmut S. Ullrich?
Zu Besuch bei Helmut S. Ullrich?
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Er war seit 1999 kaufmännischer Direktor der LWL-Kliniken im Kreis Soest: Helmut S. Ullrich. Was macht er eigentlich seit seiner Pensionierung 2013?

Warstein..  Als der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 1999 den Dienstleistungsbereich seiner Einrichtungen im Kreis Soest organisatorisch zusammenführte, wurde Helmut S. Ullrich ihr kaufmännischer Direktor. Als solcher war er den Warsteinern bekannt. 2013 verabschiedete sich der heute 66-Jährige in den Ruhestand. Wie sich sein Leben seitdem verändert hat, erzählt er im Interview mit der WP.

Herr Ullrich, wie haben Sie den Umbruch damals empfunden?

Ullrich: Ich hatte eine sehr herzliche und anerkennende Verabschiedung. Das hat positiv nachgewirkt und mir die ersten Tage geholfen. Ich bin direkt Skilaufen gefahren in Saalbach-Hinterglemm und dann noch mal in Sölden.

Das klingt nach einem guten Start in den neuen Lebensabschnitt.

Die erste Zeit war wie Urlaub. Ich bin aber weiterhin um 6 Uhr aufgestanden und zum Frühschwimmen oder zur Fitness fürs Skilaufen gegangen. Irgendwann kam das Gefühl, dass man noch leistungsfähig ist und kreativ sein möchte. Auch deshalb arbeite ich heute noch ehrenamtlich im Fachbeirat für die LWL-Wohnverbünde als Vorsitzender mit. Inzwischen bin ich aber in meinem neuen Lebensabschnitt angekommen und stehe nicht mehr ganz so früh auf.

Und im Beirat gestalten Sie ihren Alltag?

Der Beirat ist eine Facette. Ich habe mich an die Betreuungsstelle gewandt und signalisiert, dass ich die Betreuung gehandicapter Menschen übernehmen möchte – ebenfalls ehrenamtlich. Die sind sehr dankbar für diese Hilfe. Da lerne ich dann auch mal die andere Seite kennen, die der Nutzer.

Das klingt, als seien Sie ganz gut ausgelastet.

Während meiner Zeit als Direktor hatte ich durch mein Vorzimmer ja EDV-mäßige Unterstützung. Im Ruhestand musste ich mich da erst mal verselbstständigen und damit beschäftige ich mich sehr gerne. Ich rede von den Dingen des Alltags wie Word-Dateien versenden oder Musik runterladen. Außerdem bin ich ambitionierter Tennisspieler.

Wie ist ihre Frau denn mit dem Wechsel in den Ruhestand umgegangen?

Ich glaube, für meine Frau war das nicht einfach. Das ist schon ungewohnt, wenn man plötzlich öfter zu Hause ist. Aber wir machen eine Menge gemeinsam. Wir haben zum Beispiel das Radfahren für uns entdeckt und verreisen viel.

Fehlt Ihnen ihr Beruf da manchmal?

Es fehlt schon was, aber durch die Übernahme der Betreuung und so weiter habe ich das gut kompensiert. Alles hat seine Zeit.

Haben Sie noch Kontakt zu ihren ehemaligen Kollegen?

Durch den Fachbeirat habe ich noch Kontakt. Wenn Sitzungen in Warstein sind, treffe ich da alte Kollegen. Manchmal rufen auch Leute an, um einfach ein bisschen zu plauschen.

Mischen Sie sich ab und an in das Geschehen ein?

Ich verfolge natürlich die konzeptionelle Entwicklung der LWL-Einrichtungen mit Interesse, allerdings mit dem nötigen Abstand. Jetzt sind andere Leute da, die das Geschehen gestalten. Die machen das sicherlich anders, aber das ist auch gut so.

Sind Ihnen die Eigenschaften, die Ihnen im Beruf von Nutzen waren auch im Ruhestand hilfreich?

Das Einfühlungsvermögen hilft mir bei der Betreuung. Mein Know-how und meine Kontakte helfen mir im Vorsitz des Fachbeirats. Deshalb hat man mir das vermutlich auch angetragen.

Wenn Sie sich noch mal entscheiden könnten, würden Sie den Job wieder machen?

Ja, absolut. Das ist ein derartig spannender, fordernder und anspruchsvoller Job mit vielen Facetten. Ich habe bis zum letzten Tag gerne gearbeitet.