Im Karneval zuverlässig wie ein Uhrwerk

Hirschberg..  Nein, auf der Bühne im Rampenlicht stehen wollte Berthold Risse nie. Eine Büttenrede zu halten, bei einem Showauftritt im Mittelpunkt zu stehen, sind einfach nicht sein Ding. Lieber ist es ihm, bei der Karnevalsgesellschaft Hirschberg im Hintergrund zu wirken als ein „Zahnrad in der karnevalistischen Uhr“, wie er es selbst bezeichnet.

Seit 31 Jahren ist Risse Mitglied des Elferrates – zum 25-Jährigen bekam er den Orden des Bundes Westfälischer Karneval (BWK) in Silber verliehen –, 24 Jahre lang kümmerte er sich außerdem um die Finanzgeschäfte der Karnevalisten – zuverlässig wie ein Uhrwerk.

Zu den Dienstältesten in den Reihen des Elferrates zählen Berthold Risse und Franz Linneboden, durch den Risse mit der KG 1983 in Berührung kam, mittlerweile. Seit 1984 gehört er diesem Gremium an. „Wir waren damals mit die Jüngsten mit 20 Jahren – das ist ja das Schöne am Karneval, dass es quer durch alle Altersstufen geht und die Generationen verbindet.“

Etwas im Mittelpunkt stehen musste der Vollblutkarnevalist zu Beginn seiner närrischen Karriere schon, war er doch drei Jahre lang als Zeremonienmeister tätig, führte die Akteure mit dem Zepter in der Hand zu ihren Auftritten auf die Bühne.

In Amt hineingewachsen

1990 wurde er dann zum 2. Kassierer gewählt und stand Paul Schulte zur Seite. Jahrelang bildeten die beiden Karnevalisten ein unschlagbares Doppel. 2002 übernahm er dann den Posten des 1. Kassierers. „Als ich angefangen habe, haben wir noch mit einem handschriftlichen Kassenbuch gearbeitet, das war was anderes als heute“, erzählt Berthold Risse. Einen kaufmännischen Hintergrund hat Risse nicht. „Man wächst da eben so rein.“ – Wobei die Aufgaben in den Anfangsjahren auch geringer gewesen seien als in heutiger Zeit. „Heute hat ein Kassierer eine Menge mehr Arbeit mit Rechnungen schreiben, der Abrechnung der Karnevalszeitung ... Das ist sehr umfangreich geworden.“

24 Jahre lang war Berthold Risse (Mit-)Herr über die Kasse, kümmerte sich in diesem Rahmen um die Mitgliederverwaltung, das Einziehen der Beiträge, den Kartenverkauf für die Kappensitzungen und die Platzreservierungen. „Wir verkaufen ja jede Karte auf den Stuhl. Das ist eine Menge Schieberei.“

Im vergangenen Jahr gab er den Posten des Kassieres auf, ist seitdem Beisitzer im Vorstand – ein Vierteljahrhundert Vorstandstätigkeit hat er somit in diesem Jahr voll. „Man wundert sich, wo die Jahre geblieben sind“, schmunzelt Risse. Schließlich sei die Mitarbeit in der Karnevalsgesellschaft kurzweilig – und auch wenn das Haupt der Arbeit zwischen Jahresanfang und der Jahreshauptversammlung liege, sei doch fast das ganze Jahr über für die Karnevalisten etwas zu tun. Den Getränkestand beim Weihnachtsmarkt, die Mithilfe beim Schnadezug und das Bedienen beim Bunten Nachmittag der kfd nennt Risse als Beispiele. „Der Karneval ist im Dorfgeschehen eingebunden, das ist ein Geben und Nehmen.“

Was er an der KG besonders schätzt, ist der Zusammenhalt. „Die Zusammengehörigkeit, die Kollegialität, weil wir viel zusammen unternehmen. Der Spaß gehört einfach dazu. Das ist schon eine kleine Familie.“ Das Stopfen des Hoppeditz in der Werkstatt von Schulten Paul sei beispielsweise eine Aktion, die den Elferrat zusammenschweiße. Auch bei den Elferratsauftritten war Risse dabei. „Aber immer im Hintergrund, Mittelpunkt ist nicht meines“, betont er.

Karnevals-Gen weitergegeben

Viele Höhen und Tiefen hat Berthold Risse während seiner Mitarbeit in Vorstand und Elferrat miterlebt. Zu den Höhen gehörten die Feiern zum 40- und 50-jährigen Bestehen der Karnevalsgesellschaft. Aber auch Tiefen gab es: „Es war eine schwere Entscheidung als wir die erste Sitzung aufgegeben haben, aber die Resonanz war einfach nicht mehr so gegeben.“ 1999, im Jubiläumsjahr, fiel daher der Beschluss, nur noch eine Sitzung zu veranstalten. Eine ebenso schwere Entscheidung sei es 1991 gewesen, trotz des Golfkrieges Karneval zu feiern – Suttrop und Hirschberg waren damals die einzigen beiden Orte im Stadtgebiet, in denen Sitzungen stattfanden. Und ein schlimmes Erlebnis war es, als Klaus bei einer Probe für die Kappensitzung seinen schweren Unfall hatte. „So etwas vergisst man nicht, das geht einem ganz schön nahe.“

Das karnevalistische Gen haben Bertold Risse und Ehefrau Bettina, die selbst in der Vergangenheit auch in der Bütt stand, auf jeden Fall an die nächste Generation weiter gegeben. So ist Sohn Marcel im vergangenen Jahr in den Elferrat aufgenommen worden, so dass hier nun zwei Generationen Rissen Hand in Hand agieren. „Wenn man sieht, dass schon die eigenen Kinder dabei sind, merkt man erst, wie viel Zeit vergangen ist“, siniert Risse. „Aber es war immer angenehm, sonst hätte ich es nicht so lange ausgehalten. – Und ich bleibe auf jeden Fall noch viele Jahre dabei.“