Im Instrument einen Freund gefunden

Warstein..  „Hat jemand schon einmal von der Autoharp gehört, bevor er die Ankündigung für das Konzert heute Nachmittag gelesen hat?“ - Betretendes Schweigen im Kammermusiksaal des Hauses Kupferhammer. Köpfe drehen sich, erleichterte Blicke, als auch niemand anderes den Finger zur Bejahung der Frage Alexandre Zindels hob. Schließlich handelt es sich bei dem Musiker, den die Kulturinitiative ins gemütliche „Warsteiner Wohnzimmer“ geholt hat, um den einzigen professionell tourenden Autoharpspieler in Deutschland.

„Hoffentlich haben Sie genügend Neugier auf das Instrument mitgebracht“, so Zindel, denn er hatte mit seiner Ankündigung, seine Zuhörer zwischen den Musikstücken mehr und mehr in die Geschichte der Autoharp einzuweihen, nicht zu viel versprochen. „Sie haben sicherlich schon gedacht, die Autoharp sieht ja aus wie eine Zither – da sind Sie schon auf dem richtigen Weg.“

Das amerikanische Folklied „Wildwood flower“ bildete den Einstieg in den Nachmittag, ist dieses Lied doch eng mit der Autoharp verbunden. Man hätte eine Nadel zu Boden fallen hören, so still und gebannt lauschten die Zuhörer vom ersten Augenblick an dem ihnen noch unbekannten Instrument und der zarten Stimme Zindels, die fließend in überraschend hohe Stimmlagen wechselte, mit den Klängen der Autoharp eine Einheit zu bilden schien. Behutsam schmiegte Zindel sich mit Wange und Arm an das Instrument wie an die Schulter eines Freundes, lauschte selbst den von Harmonie erfüllten Klängen, als wären es nicht seine Finger, die über Saiten und Knöpfe schwebten und diese erzeugten.

Internationale Folksongs

Fortgesetzt wurde die Länderreise mit den Zuhörern durch Frankreich mit „La vie en rose“ in der Version von Hildegard Knef und durch England mit „Greensleeves“. So durfte natürlich auch ein deutsches Volkslied in dem Reigen der Mischung aus Folksongs, Chansons und Blues nicht fehlen: „Die Gedanken sind frei“. Eine familiäre Stimmung herrschte im Kammermusiksaal, strahlend schaute Zindel in die Runde, suchte Blickkontakt, machte das „Träumen“, die freien Gedanken, mit geschlossenen Augen vor, setzte den Liedtext („Mein Wunsch und Begehren kann niemand verwehren“) in die Tat um. Spielend leicht schien dabei der Wechsel der Dominanz von Gesang und Autoharp-Spiel, hatte der Musiker doch auch zuvor schon bewiesen, dass er in einzelnen Liedern ohne Probleme zwischen Französisch, Deutsch und Englisch wechseln kann.

Auch in die Knopfmechanik der Autoharp weihte Alexandre Zindel die Zuhörer ein, denn gerade diese mache das Instrument zu etwas ganz Besonderem. Mit sogenannten „Picks“ unterstützte Zindel mit Klopfen auf das Instrument den Rhythmus der Stücke, schützte damit aber zeitgleich auch seine Finger: „Bei keinem anderen Zupfinstrument sind die Saiten so straff gespannt wie bei diesem“, erklärte der Autoharpspieler, deshalb sei die Verletzungsgefahr besonders groß.

Doch all diese Möglichkeiten reichten dem Musiker nicht aus, gleich mit vier Autoharps kam er nach Warstein, um auch einen Blues auf dem Instrument ideal inszenieren zu können. Eigenhändig stellte er die Saiten um, machte den „Kasten“ auf, bewaffnete sich mit einem Teppichmesser und schnitt Löcher in den Filz. „Hoffentlich habe ich an den richtigen Stellen geschnitten“, scherzte Zindel, bestätigte dies sogleich mit „Everyday I Have The Blues“.

Ruhig und ausgelassen

Mit Klassikern wie „Die Forelle“ oder „I come from Alabama“ rundete Alexandre Zindel den humorvollen wie musikalisch extravaganten Nachmittag ab, jedoch nicht ohne einen Appell an das Publikum: „Die Autoharp ist auch ohne Vorkenntnisse einfach zu erlernen – ich verspreche Ihnen Erfolgserlebnisse vom ersten Tag an“, warb der Musiker für das seltene Instrument. So ergriffen einige Zuhörer nach dem Konzert die Gelegenheit beim Schopf und ließen sich von dem Künstler einige Handgriffe zeigen oder erwarben CDs von seinem aktuellen Programm.