Hund von Wulff

Eigentlich müsste es mich interessieren. Schon von Amts wegen. Schließlich sollte man als Journalist grundsätzlich auf nahezu alles neugierig sein. Sollte man. Bin ich aber nicht. Zumindest gibt es Themen, die mir knapp am Allerwertesten vorbeigehen.


Zum Beispiel will ich nicht wissen, dass eine gewisse Paris Hilton um ihren Hund trauert. Weil ich noch nicht einmal wissen will, wer (oder vielleicht besser: was?) diese(s) Paris Hilton ist (obwohl ich es natürlich weiß).


Ich möchte auch nicht wissen, dass eine Frau in England ein Baby zur Welt gebracht und damit eine komplette Nation, plus meine Arbeitskollegin, in einen Ausnahmezustand kollektiver Freude versetzt hat.


Erst recht will ich nicht wissen, wie dieses Kind heißen soll. Ich bin ja schon froh, dass ich die Namen unserer eigenen vier Kinder kenne und entsprechend zuordnen kann – wenngleich manchmal auch erst im zweiten oder dritten Anlauf.


Und es interessiert mich keine Spur, dass ein gewisser Christian mit einer gewissen Bettina wieder rumwulfft, nachdem sie ein paar Jahre getrennt waren. Da fände ich es schon spannender, zu erfahren, ob die in meinem Bekanntenkreis getrennten Pärchen noch einmal zueinander finden. Im Moment sieht es allerdings nicht danach aus...


Es gibt also ganz viele Dinge auf dieser Welt, die ich nicht wissen möchte. Und doch werde ich permanent mit ganzen Tsunamis von Unsinn, Tratsch und Klatsch überspült und frage mich dann immer: Liegt das an mir, dass mich das nicht berührt? Bin ich vielleicht ein Ignorant und sollte mich auf der Schussfahrt meines Lebens einfach breiter interessieren; eben auch für Dinge, die mich eigentlich nicht interessieren – über die aber alle reden?


Die Antwort auf diese existenzielle (Lebens-)Frage steht noch aus. Ich weiß ja noch nicht einmal, ob es Menschen gibt, die sich für das interessieren, was ich hier geschrieben habe. Vermutlich genauso wenig, wie ich mich für den Hund von Paris Hilton interessiere. Wie hieß der noch gleich? Ich glaube Wulff oder so ähnlich...