Historische Spannung in Serie

Warstein..  Wenn Menschen, Straßenzüge, das Stadtbild einer Metropole und Ereignisse, die vor über 400 Jahren Realität waren, heute für mich so greifbar scheinen, als sei ich mittendrin in diesem aufregenden 16. Jahrhundert, dann sprechen wir hier über ganz große Schriftstellerkunst.

Denn genau das ist es meiner Meinung nach, was Christopher J. Sansom mit seiner historischen Krimireihe um den Detektiv Matthew Shardlake gelungen ist. Natürlich spielen seine Geschichten in England, wie könnte es bei einem Lieblingsbuch von mir auch anders sein? Aber ich empfehle diese Reihe hier ausdrücklich allen Fans historischer Kriminalromane, ganz gleich, ob sie England-Fan sind oder nicht. Zugegeben, man lernt im Laufe der Bücher einiges über Henry VIII. und seine eigenwillige Heirats- und Religionspolitik. Doch das geschieht quasi nebenbei: Ein bisschen ist es wie im Kino sitzen und gar nicht zu merken, dass man gerade sämtliches Geschichtswissen nachholt, was man in der Schule nie hören wollte.

Die BBC hat bereits Interesse

Verfilmt sind die bisher sechs Bücher der „Shardlake“-Reihe noch nicht, die BBC hat jedoch bereits Interesse angemeldet – was wohl auch daran liegen mag, dass Christopher J. Sansom mit seinem Matthew Shardlake eine Figur geschaffen hat, die polarisiert, die fasziniert, die in jeder einzelnen Zeile greifbar wird. Aus der Perspektive des buckligen Detektives wird der Hof des machtbesessenen Königs Henry VIII. lebendig, ja sogar so real, dass man meint, die Gefahr förmlich riechen zu können, in die Matthew Shardlake im Auftrag seiner hochrangigen Chefs immer wieder gerät.

Informativ und fesselnd zugleich

Es ist diese absolut gelungene Mischung aus unterhaltsamer und gleichzeitig fundierter Geschichtserzählung und spannendem Thriller-Stil, die für mich die „Shardlake“-Bücher zu den Lieblingen in meinem Bücherregal macht. Von „Pforte der Verdammnis“, über „Feuer der Vergeltung“ und „Der Anwalt des Königs“, „Das Buch des Teufels“ bis zu „Der Pfeil der Rache“ habe ich keines der Bücher rund um den innerlich zerrissenen Detektiv gerne aus der Hand gelegt. Vielmehr waren es allesamt Bücher, die mich nach langer Zeit mal wieder dazu verführten, das zu tun, was ich einst als Teenager heimlich unter der Bettedecke beim Schein der Taschenlape tat: Ich habe bis tief in die Nacht gelesen, völlig versunken in der Welt des Tudor-Englands. Für mich gibt es keinen besseren Grund, ein Buch weiter zu empfehlen. Christopher J.Sansom: Die Shardlake-Serie. Bisher auf Deutsch erschienen: Pforte der Verdammnis, Fischer, 480 Seiten, Feuer der Vergeltung, Fischer, 544 Seiten, Der Anwalt des Königs, Fischer, 656 Seiten, Das Buch des Teufels, Fischer, 656 Seiten und Der Pfeil der Rache, Fischer 752 Seiten.

Der sechste Band, „Lamentation“ ist Ende November auf Englisch erschienen.