Gymnasiasten schnuppern salzige Seeluft

Begeistert mit dem Stück "Seetang in der Hose": Der Literaturkursus des Warsteiner Gymnasiums unter der Leitung von Schulleiter Werner Humbeck.
Begeistert mit dem Stück "Seetang in der Hose": Der Literaturkursus des Warsteiner Gymnasiums unter der Leitung von Schulleiter Werner Humbeck.
Foto: Elisa Sobkowiak
Was wir bereits wissen
An die italienische Küste entführte der zweite Literaturkurs des Gymnasiums Warstein die Zuschauer mit „Seetang in der Hose“.

Warstein..  Was könnte es kurz vor den langen Sommerferien schöneres geben, als schon einmal einen Abend lang salzige Meeresluft zu schnuppern und sich die Sonne auf die Haut scheinen zu lassen? Der Literaturkurs des Gymnasiums Warstein unter Leitung von Schulleiter Werner Humbeck versuchte dies am Freitag Abend für die Besucher des voll besetzten Forums möglich zu machen.

Nachdem bereits in der vergangenen Woche der Literaturkurs unter Regie von Lehrerin Beate Korona mit seiner Krimikomödie „Captain’s Dinner“ überzeugte, in der die Zuschauer an Bord eines Schiffes entführt wurden, schafften es auch die Schüler des anderen Kurses die Gäste im Forum dieses Mal geradewegs mit in die idyllische Strandkulisse nach Italien zu ziehen.

Ehekrise und Pubertät

Doch der Schein trügt: Trotz Wellenrauschen und Sonnenschein wird schnell klar, dass in diesem Urlaub weder Harmonie noch Entspannung dominieren. Denn alles dreht sich rund um Familie Lehmann, die sich abgesehen von der Ehekrise zwischen Vater Dieter und Mutter Renate zwischen den Sonnenliegen auch mit der pubertierenden Tochter Nadine und dem hyperaktiven Sohn Tobi rumzuplagen hat. Damit sind sie aber gewiss nicht die ungewöhnlichsten Personen im Urlaubsort: Frau Lütte-Langenschiet, Lehrerin im Ruhestand, sucht den Strand nach ihren 25 Kindern ab, unterbricht sich und andere mit einem Gemurmel aus „Fischer, Fischer, welche Fahne weht heute“, während Strandgigolo Luigi Miracoli seine „minderwertige Schwarzware“ an ahnungslose Urlaubsgäste zu verkaufen versucht, Carolina und Patricia Fischer als Flips essende Rettungsschwimmerinnen statt ihrer eigentlichen Aufgabe nachzugehen lieber über ihre Erfahrungen als Models plauschen und Acki und Rollo mit Strohhalmen in den Ohren, damit sie die „Bässe ihrer Soundmaschinen besser wummern hören“, auf der Suche nach der nächsten „Beach Pardiii“ sind.

Such schweißt alle zusammen

Eher misstrauisch begegnet sich diese bunt zusammengewürfelte Strandgesellschaft, bis ein unerwartetes Ereignis die unterschiedlichen Charaktere auf seltsame Art und Weise zusammenschweißt: Der hyperaktive, kleine, wibbelige Tobi Lehmann verschwindet, ist plötzlich in dem unglaublich tiefen Loch im Sand, an dem er die ganze Zeit über unbemerkt gebuddelt hat, nicht mehr zu sehen. So machen sich die Urlauber auf in ein spannendes, gemeinsames Abenteuer. Mit dabei natürlich das Publikum im Forum des Gymnasiums, das nicht nur mit den Eigenarten der ungewöhnlichen Charaktere bei Laune gehalten wurde, sondern auch mit humorvollen Pointen und beschwingter Präsentation der Schülerinnen und Schüler so manch eine Lachträne verdrücken musste.

Rückkehr zum Strand

Als die Strandgesellschaft im auf der Suche nach Tobi durch das Loch im Sand in das unterirdische römische Reich gelangt, vergeht auch den Zuschauern das Lachen: Vor so manchen Gestalten, wie etwa vor dem Leiter der Rhetorikschule Suphus Memorius und seinen beiden Töchtern, und später in den Ruinen von den Städten von Sodom und Gomorra vor der zur Salzsäule erstarrten Neminis, gilt es sich in Acht zu nehmen. Geradewegs läuft Tobi den Bösewichten in die Hände, doch mit vereinten Kräften schaffen es Vater, Mutter und Tochter Lehmann mitsamt Frau Lütte-Langenschiet, Luigi Miracoli sowie Carolina und Patricia Fischer im richtigen Moment dazuzustoßen.

Und Tobi weiß sich selbst zu helfen: Der vergiftete Trank, den Neminis ihm zu trinken befiehlt, kann ihm nichts anhaben – von seinen Tabletten gegen seine Hyperaktivität ist der kleine Junge ganz anderes gewohnt – und schließlich ist es auch eben dieser Trank, mit dessen Hilfe die Strandgesellschaft die Bösewichte letztendlich ausschalten kann. Ende gut, alles gut? Wie aber sollen die Urlauber nun wieder zurück an den Strand kommen? Grün, frisch und lebendig muss das Opfer sein, das das unterirdische römische Reich wieder nach oben kehren kann und somit auch die Gruppe um Familie Lehmann wieder zurück auf ihre Sonnenliegen bringt – ein Menschenopfer kommt nicht in Frage. Die Rettung: Tobi hatte vom Spielen am Strand noch Seetang in der Hose, eine grüne, frische und lebendige Pflanze.