Glaubensfrage: Welche Kirche ist älter?

Kirchenführung durch die Johanneskirche und die Nikolauskirche in Rüthen mit Martin Krüper und Käthe Luigs.
Kirchenführung durch die Johanneskirche und die Nikolauskirche in Rüthen mit Martin Krüper und Käthe Luigs.
Foto: WP

Rüthen..  Welche der beiden Kirchen im Zentrum Rüthens die älteren Wurzeln hat, darüber werden sich Johannes- und Nikolaus-Katholiken sicher weiter mit Wonne und einem Augenzwinkern streiten. In dieser Frage lieferte die erste Stadtführung, die sich alleine den beiden Gotteshäusern widmete, keine Aufklärung. Es mag sich – zum Thema passend – um eine Glaubensfrage handeln. Ansonsten versorgten Martin Krüper und Käthe Luigs ihre 40 Zuhörer umfassend und unterhaltsam mit Informationen über „ihre“ jeweilige Kirche.

Klar ist: Die heutige Johanneskirche ist klar jünger als die Nikolauskirche. 1833 wurde deren Vorgängerbau wegen Baufälligkeit geschlossen. „Es gab Probleme mit der Statik und im 19. Jahrhundert fehlte das Geld für Renovierungen“, benannte Krüper die Gründe. 1871 wurde die Kirche abgerissen, bis 1874 das bestehende Gotteshaus gebaut. Der Turm, an dessen Mauer sich die Jahreszahl 1737 findet, sowie die barocke Marienkapelle zeugen noch von der alten Johanneskirche. Bescheiden sind auch die Reste des sie umgebenden Kirchhofs, von dem nur wenige Grabsteine zeugen, der älteste aber immerhin von 1655.

Ein Kleinod ist die Marienkapelle, deren Portal von einer qualitätvollen Kreuzigungsgruppe bekrönt wird. Und die Kapelle beherbergt ein weiteres Kleinod: Die spätromanische Madonna „Maria vom Stein“. „Das ist einer der ganz besonderen Orte Rüthens“, wies Krüper auf die Bedeutung hin. Viel jünger ist der sie umgebende Tabernakel in barocken Formen, von Pfarrer Bernd Götze selbst gebaut.

Ob der als Taufkapelle genutzte Turmraum oder die lichtdurchflutete Kirchenhalle selbst – die Gebäudeteile haben immer wieder Umgestaltungen erfahren. „Es ist entrümpelt worden“, zitierte Martin Krüper eine zeitgenössische Bilanz nach der letzten großen Renovierung 1974. Aus der Kanzel und den alten Altären entstanden u.a. der Ambo und der Zelebrationsaltar. Auch erinnerten sich ältere Teilnehmer noch an die Existenz von zwei Beichtstühlen, die zu einem zusammengefügt worden seien. „Eine Kirche ist kein Museum, sie ist ein lebendiges Gebilde“, betonte Krüper.

Als „eine Gemeinde mit zwei recht eigenständigen Kirchen“ charakterisierte er das nicht immer spannungsfreie Verhältnis von Johannes- und Nikolaus-Katholiken. „Rüthen ist der vielleicht älteste Pastoralverbund der Welt“, zog er eine Parallele zur heutigen Zeit.

Sichtbarer Stilmix

Ein deutlich sichtbarer Stilmix aus Romanik, Gotik und Barock ist die Nikolauskirche. Obschon sie „als typische Landpfarrkirche nicht sehr groß ist“, so Käthe Luigs, weist sie alleine drei verschiedene Säulenformen auf. Wie auch bei der alten Johanneskirche gab es in St. Nikolaus statische Probleme. In beiden Kirchen gab es eine Spezialität, Rüthener Bogen genannt. Nicht romanisch, nicht gotisch ist er ein relativ instabiles Zwischending. „Pfarrer Götze sagt, das ist Pfusch“, berichtete Käthe Luigs. Bei Studenten von Aachen bis Lüttich, die sich mit Baugeschichte beschäftigen, jedoch sorgte diese besondere Bogenform schon für Interesse.

„Rüthen hat immer Probleme gehabt, zwei Kirchen zu unterhalten“, berichtete die Führerin. Dennoch: Mit großem finanziellen Aufwand wurde der Turm der Nikolauskirche 1991/92 stabilisiert. Einen weiteren finanziellen Kraftakt bedeutete die Restaurierung der Orgel 1998/99. „Sie ist ein Kleinod in dieser Kirche“, betonte die Führerin. Ein zweites ist die Pietà aus dem 14. Jahrhundert.

Aus Rüthener Produktion stammen die barocken Seitenaltäre und die Kanzel. Gefertigt hat sie Paul Gladbach, der u.a. auch die Alte Kirche in Warstein ausstattete. Der Hochaltar dagegen stammt aus der Anröchter Pankratiuskirche und wurde 1805 von der Familie Röingh angekauft und gestiftet. „Man kann hier gut beten, weil die Kirche kleiner und schummeriger ist“, warb Käthe Luigs für „ihre“ Kirche.

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