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Gesamtschule

"Gesamtschule schafft keine neuen Schüler"

25.06.2008 | 17:32 Uhr

CDU/FDP-Mehrheit lehnt Plan der INI für Gesamtschule in Lippstadt ab: Eine Million Euro an Kosten befürchtet.

Hatte für die lange Sitzung vorsorglich Lunch-Pakete für die Zuhörer mitgebracht: INI-Geschäftsführer Andreas Knapp in der Sitzung des Schulausschusses. Foto: Friedrich Vorsthoven

Lippstadt. Die Errichtung einer privaten Gesamtschule durch die Initiative für Jugendhilfe, Bildung und Arbeit, kurz INI, wird schwierig. CDU und FDP lehnten im Schulausschuss den INI-Antrag ab, ein Schulgebäude bereitzustellen und auch die vom Land nicht abgedeckten Kosten zu übernehmen.

Fachbereichsleiter Franz-Josef Brenke erläuterte die Rechnung der Stadt: Die finanziellen Auswirkungen einer Gesamtschule würden sich auf über eine Million Euro belaufen, unter anderem durch den Verlust von Schlüsselzuweisungen, weil Schüler aus öffentlichen Schulen abwandern würden. Ohnehin kalkuliert Lippstadt wegen der demographischen Entwicklung mit einem Schülerrückgang von 15 Prozent in den nächsten zehn Jahren: „Eine Gesamtschule schafft keine neuen Schüler”, so Brenke. Außerdem könne die Stadt kein Gebäude für 800 Schüler zur Verfügung stellen: Die von der INI favorisierte Stadtwaldschule wird — wie berichtet — als einzig freie werdende Schule an das benachbarte Unternehmen Rothe Erde veräußert.  

Scharf verlief die politische Diskussion: SPD-Fraktionschef Hans-Joachim Kayser sagte, bereits im Vorfeld dieser Sitzung sei mit einer gezielten Kampagne, bei teilweise übelster Wortwahl von Teilen der CDU, versucht worden, die INI zu diskreditieren. Die Vorlage setze finanzielle Prämissen, die überhaupt nicht belastbar seien — Äußerungen, die Bürgermeister Christof Sommer später scharf dementierte. Wenn man sich, so Kayser, schon gegen den Träger, gegen den Schultyp und gegen die Interessen der Kinder und Eltern positioniert, solle man auch den Mut haben, dazu zu stehen „und sich nicht hinter unvollständigen Scheinrechnungen und künstlichen Erschwernissen verstecken”. Kayser in Richtung Bürgermeister: „Darum sage ich ihm hier öffentlich, dass Sie sich in dieser Bewertung mächtig irren. Sie sind auf dem Holzweg.”  Kayser mahnte ein Schulsystem an, das besser als das bisherige geeignet ist: „Wir brauchen einen Systemwechsel, der mehr Begabungen zu Tage fördert, der mehr Kindern bessere Chancen bietet.” Ganz aktuell: „Wenn wir eine Fachhochschule haben wollen, brauchen wir auch zusätzliche Studenten. Woher sollen die kommen?” 

Auch Theo Kremer (BG) hielt die Ausführungen für „unvollständige Scheinrechnungen”, die das Projekt zu Fall bringen sollten. Auch Kremer zielte, ähnlich wie Kayser darauf ab, die INI zielorientiert und pragmatisch voll zu unterstützen. Eine Gesamtschule sei ein wichtiger Baustein innerhalb der guten Schullandschaft: „Wir brauchen diese Schule für diejenigen, die wir mit dem derzeitigen System nicht optimal erreichen.” Auch die Grünen erkannten in der Vorlage keinen Willen für eine Gesamtschule: Die Stadt habe das Angebot einer Kooperation nie ernst genommen.

Schließlich fiel das Wort einer „interkommunalen Zusammenarbeit” — eine Hoffnung der Befürworter. Bürgermeister Sommer allerdings sagte, er habe mit allen Bürgermeistern der benachbarten Kommunen an einem Tisch gesessen und beraten: „Niemand” habe Interesse an einer Gesamtschule bekundet. Wilhelm Börskens erklärte vor der Abstimmung noch einmal den Sandpunkt der Christdemokraten: Es gehe nicht um Inhalte, es gehe nur um verfahrensrechtliche Fragen. Die CDU möchte in einer fundierten Umfrage den Elternwillen erfragen.

Friedrich Vorsthoven

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