Gemeinsam Widerstand gegen Brühne-Reaktor geleistet

Ein Bild aus dem WP-Archiv: Am 13. Januar 1990 versammeltem sich mehr als 5000 Menschen für eine Demo gegen den Leichtgasreaktor Brühne
Ein Bild aus dem WP-Archiv: Am 13. Januar 1990 versammeltem sich mehr als 5000 Menschen für eine Demo gegen den Leichtgasreaktor Brühne
Foto: WP
Tausende Bürger gingen vor 25 Jahren gegen geplanten Umweltfrevel auf die Straße – trotz Gegenwind aus Ministerien

Warstein..  Es war ein Zeichen großer Einigkeit, das die Bürger der Stadt Warstein am 13. Januar 1990 – einem sonnigen Samstag – setzten: Über 5000 Bürger gingen auf die Straße, um gegen den von der Firma Brühne im Enkerbruch geplanten Leichtgasreaktor zu demonstrieren. Letztendlich hat auch diese Demonstration dazu beigetragen, dass sich der elfjährige Kampf gegen den Reaktor gelohnt hat: Der Reaktor wurde nicht gebaut, das Kalkwerk verkauft. Inzwischen ist auch die Firma Brühne selbst Geschichte.

25 Jahre ist es her, dass 5000 Bürger – teilweise war sogar von 10 000 Demonstranten die Rede – ihre Sorgen und Ängste mit tausenden von Transparenten unterstrichen. Die Sorgen um die Gesundheit und vor den Folgen einer Müllverbrennungsanlage im Trinkwasserschutzgebiet, von der Firma Brühne harmlos als „Leichtgasreaktor“ und innovative Technologie angepriesen, einte alle. „Ich war überwältigt, dass damals ganze Vereine mit auf die Straßen gegangen sind“, erinnert sich Franz-Josef Mendelin von der Interessensgemeinschaft gegen den Brühne-Reaktor. So war auch an den Schulen damals schulfrei, damit Lehrer und Schüler an der Groß-Demonstration teilnehmen konnten.

Wie heftig der Widerstand gegen den Reaktor sein würde, hatte sich die Firma Brühne wohl nicht träumen lassen, als sie 1987 die Genehmigung zum Bau des Leichtgasreaktors beantragte. Ein Kalkofen mit konventioneller Befeuerung war damals schon genehmigt und sollte dann modifiziert werden.

Erst keine Bedenken

Im Mai 1987 hatte die Firma Brühne dem Planungsausschuss den geplanten Reaktor als völlig problemlose Entsorgungsanlage für Reifenschnitzel, Altöl und Brennstoffe aus Abfall präsentiert wie sie im österreichischen Linz seit mehreren Jahren in Betrieb sei. Der Ausschuss stimmte dem Reaktorbau mit nur zwei Gegenstimmen zu.

Wach gerüttelt wurde die Bevölkerung durch eine Informationsveranstaltung des BUND, der auf die Gefahren aufmerksam machte, die durch das Verbrennen der giftigen Stoffe entstehen würden – zudem der Reaktor außerdem im Wasserschutzgebiet entstehen sollte. Im Oktober gründete sich die Interessensgemeinschaft, hatte man doch das Vertrauen in das Gewerbeaufsichtsamt Soest verloren, das dem geplanten Vorhaben der Firma Brühne sehr positiv gegenüber stand.

Spiel auf Zeit

Denn die Bedenken wurden zunächst nicht ernst genommen: Das Gewerbeaufsichtsamt und das Staatliche Amt für Abfallwirtschaft gaben positive Stellungnahmen ab und auch die Untere Landschaftsbehörde hatte keinerlei Bedenken. Die Reaktorgegner beauftragten schließlich mit großem persönlichen finanziellen Einsatz und Risiko einen renommierten Umwelt-Anwalt. Der Auftakt zu zahlreichen Prozessen. Als NRW-Umweltminister Matthiesen im Herbst 1989 androhte, die geplante Müllverbrennungsanlage auch gegen den Willen der Bürger durchzusetzen, gingen diese auf die Straße. Weitere massive Proteste folgten. Doch aufatmen konnten die Bürger erst im April 1996, als die Firmen Brühne und Schencking, die die Warsteiner Kalkwerke ein Jahr zuvor übernommen hatte, erklärten, den Bau des Reaktors nicht weiter voran treiben zu wollen. „Unsere Rechtsanwälte haben die Prozesse immer mehr in die Länge gezogen, das war ein Spiel auf Zeit“, erinnert sich Mendelin.

„Ich bin fast verrückt geworden, weil ich dachte, die lassen die Termine sausen, aber das war deren Strategie: Sie haben es geschafft, den Fall so lange hinzuziehen, bis die Subventionen für den Bau des Leichtgasreaktors ausgelaufen sind, mit der Folge, dass dieser nicht gebaut wurde.“ Eine Parallele zieht Mendelin zwischen der damaligen Verschleierungstaktik der Firma Brühne, die den Behörden die Harmlosigkeit der Brenneranlage suggerierte, und dem heutigen Verhalten der Steinindustrie. „Die sagen auch nicht, was sie wirklich vorhaben. Die sehen sich durch die neue Bewilligung zur Trinkwassergewinnung eingeschränkt – das deutet an, dass sie in die Tiefe gehen wollen – auch wenn das immer wieder bestritten wird.“

Und das berge für das Trinkwasser ähnliche Gefahren wie der Brühne-Reaktor, gegen den die Bürger vor 25 Jahren auf die Straße gingen.

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