Geldhäuser im Kreis Soest warten auf die Zinswende

Gemeinsame Pressekonferenz der Sparkassen im Kreis Soest, von links: Die Vorstände Meinolf Schniedermeier (Sparkasse Geseke), Joachim Gerenkamp (Sparkasse Werl), Jürgen Riepe (Sparkasse Lippstadt), Helmut Franzke (Sparkasse Erwitte-Anröchte), Herbert Köhler (Sparkasse Soest).
Gemeinsame Pressekonferenz der Sparkassen im Kreis Soest, von links: Die Vorstände Meinolf Schniedermeier (Sparkasse Geseke), Joachim Gerenkamp (Sparkasse Werl), Jürgen Riepe (Sparkasse Lippstadt), Helmut Franzke (Sparkasse Erwitte-Anröchte), Herbert Köhler (Sparkasse Soest).
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Das niedrige Zinsniveau bedroht auf Dauer das Geschäftsmodell der Sparkassen. Derzeit laufen die Geschäfte aber noch so gut wie lange nicht.

Kreis Soest..  Vielleicht ein bisschen mehr Bargeld in den Griechenland-Urlaub mitnehmen – das war gestern der Rat der Sparkassen im Kreisgebiet, bevor in Luxemburg weiter über den Verbleib des Krisenstaats im Euro-Raum verhandelt worden ist. Denn außer für Griechenland-Urlauber habe der mögliche „Grexit“ kaum Auswirkungen auf die Kunden der heimischen Geldinstitute, so die einhellige Meinung der Vorstände.

Und doch bestimmt die Euro-Krise und die auch damit verbundene Niedrigzinsphase die Bilanzen der fünf Sparkassen im Kreisgebiet. „Wir brauchen die Zinswende, um aus den komischen Strukturen, die wir derzeit haben, herauszukommen“, sagt etwa Jürgen Riepe von der Sparkasse Lippstadt, deren Geschäftsgebiet auch Warstein und Rüthen umfasst. Normalerweise erwirtschafte eine Sparkasse rund 80 Prozent ihrer Erträge aus der Spanne zwischen den Zinsen auf Kredite und denen auf Einlagen. „Auf Dauer bedroht das niedrige Zinsniveau damit unser Geschäftsmodell.“

Doch für Panik sehen die Vorstände keinen Grund, dafür liefen die Geschäfte auch im vergangenen Jahr zu gut. In fast allen Kennzahlen konnten die Sparkassen Zuwächse verzeichnen. Allein die Bilanzsumme wuchs um fast 4,5 Prozent auf 4,36 Milliarden Euro und damit wesentlich deutlicher als im Durchschnitt der Sparkassen in Westfalen-Lippe (plus zwei Prozent).

Kreditnachfrage befeuert

„Wir bringen uns auf mannigfaltige Weise in der Region ein und im Gegenzug bringen uns die Kunden ihr Vertrauen entgegen“, sagte Herbert Köhler, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Soest.

Das niedrige Zinsniveau hat besonders die Nachfrage nach Krediten befeuert. Im gewerblichen Bereich verzeichneten die Geldinstitute gemeinsam einen Rekordanstieg von sieben Prozent, bei den Privatkunden ein Wachstum von 2,4 Prozent. „Für Hausbauten oder -käufe hätten wir noch deutlich mehr Kredite vergeben können“, erklärte Joachim Gerenkamp (Sparkasse Werl). Doch die große Nachfrage könne vom vorhandenen Angebot nicht gedeckt werden.

Auf der Einlagenseite wird deutlich, dass die meisten Kunden trotz der niedrigen Zinsen auf sichere Anlageformen setzen. „Der Aktienanteil ist weiter als eher stiefmütterlich zu bezeichnen“, sagt Gerenkamp und klagt über die Bürokratie beim Aktienhandel. „Das macht keinen Spaß – uns nicht und den Kunden auch nicht.“ Stattdessen setzen viele Anleger auf Lebensversicherungen. „Da ist richtig Musik drin“, stellt Helmut Franzke von der Sparkasse Erwitte-Anröchte fest.

Außerdem beobachten die Sparkassen einen Trend zu kurzfristigen Anlagen, wofür wiederum das niedrige Zinslevel verantwortlich ist. „Das heißt für uns, dass das Geld sehr schnell wieder rauswandern kann“, macht Herbert Köhler ein Problem deutlich.

Einen weiteren leichten Aufwärtstrend erwarten die Kreditinstitute auch für das laufende Jahr – trotz der ungesunden Zinssituation.