Geburtstagsfeier für eine Königin

Warstein..  Ein klingender Orgelgeburtstag wird am Sonntag, 14. Juni, um 17 Uhr mit dem traditionellen Mittsommerkonzert mit Daniel Tappe in der kirchenmusikalischen Reihe Musica Sacra gefeiert.

Warstein darf mit Stolz auf zahlreiche Attribute blicken. Eine eher unerwartete Tatsache ist, dass in der St. Pankratiuskirche eine der größten Orgeln im Erzbistum Paderborn steht. Mit 64 Registern, verteilt auf vier Manuale und Pedal darf man sie sich als klangvolle Monarchin darstellen. Und diese Königin feiert am kommenden Sonntag ihren 55. Geburtstag mit einer Orgelsoirée, zelebriert von Daniel Tappe, einem führenden Nachwuchstalent.

Doch wie kam es zu dieser Bereicherung im Jahr 1960? Drei Jahre zuvor war die Umgestaltung der Kirche von der neogotischen Innenausstattung zur sachlichen, nur am Baustil orientierten Ausstattung angegangen worden. Dies geschah im Rahmen einer Renovierung. Architekt war Heinrich Gudemann aus Warstein im Auftrag des Pfarrers Heinrich Wietbüscher, der privat auch ein Musikliebhaber war.

Der damalige Organist, Albert Poggel, war mit seinem „Chef“ befreundet und bald schon wuchs die Idee, als Krönung der Kirchenveränderungen eine neue Orgel anzuschaffen. Durch die Kontakte Gudemanns im Generalvikariat kam die Firma Orgelbau Anton Feith aus Paderborn ins Spiel.

Zuverlässiges Instrument

Dieses Unternehmen war bekannt für seine soliden Instrumente, die zwar zu jener Zeit schon nicht mehr den „modischen“ Trends im Orgelbau entsprachen, dennoch aber mit guter Reputation und Zuverlässigkeit punkten konnte.

So bekam die Stadt Warstein das jüngste Instrument einer auslaufenden Epoche, denn die Zeit der Kegellade, an deren Entwicklung Anton Feith maßgeblich mitgewirkt hatte, wurde verdrängt durch die Rückbesinnung auf die Ideale des Orgelbaus aus dem Barockzeitalter. Da die Warsteiner Orgel so gut wie unverändert seit ihrer Weihe am Himmelfahrtstag 1960 ist, gibt dieser Zustand wichtige Impulse an die Kriterien der Orgeldenkmalpflege.

Wenngleich 55 Jahre im Orgelbau eine relativ kurze Spanne sind, darf man heute schon davon ausgehen, dass in absehbarer Zeit die Historiker sich für dieses besondere Instrument interessieren werden. Bei der Disposition, damit ist die Aufstellung der Register gemeint mit ihren verschiedenen Klängen, wurde äußerst großzügig die Fülle von 14 Zungenstimmen – der Imitationen von Blechblasinstrumenten – umgesetzt.

Damit kann besonders französische Orgelliteratur gut dargestellt werden und Interpret Daniel Tappe hat sich darauf eingestellt. Sein Programm umfasst u.a. von César Franck „Pièce héroique“ und von Maurice Duruflé „Veni Creator“. Natürlich fehlen auch nicht Werke von Widor und Langlais, doch auch ein „Bach-Praeludium“ ist einfach ein Muss. Mit Spannung kann der Zuhörer die zeitgenössische Komposition „Ouverture libanaise“ des Pariser „Notre-Dame-Organisten“ Naji Hakim erwarten, wie auch Alfred Hollins „A song of sunshine“, passend zum Titel Mitsommerkonzert.

Nach dem Konzert gibt es einen „Nachklang“ mit Getränken und Gesprächen im Gemeindezentrum als Geburtstagsfeier.