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Versteigerung

Gasthof Hellermann geht an Schweizer AG

12.02.2012 | 11:45 Uhr
Gasthof Hellermann geht an Schweizer AG
Zwangsversteigert: Der ehemalige Gasthof Hellermann in Kallenhardt.

Kallenhardt / Warstein.Der ehemalige Gasthof Hellermann hat einen neuen Besitzer. Bei der Zwangsversteigerung im Amtsgericht Warstein gab es sogar mehrere Interessenten.

Was ist das alte Gebäude, das viele Kallenhardter nicht zu Unrecht nur noch als Schandflecken bezeichnen, noch wert? Im Grunde genommen nichts.

Rechtspflegerin Jutta Linnenbrügger, die das Verfahren leitete, berichtete, dass die 100 Euro Verkehrswert, die das Wertgutachten erwähnte, mehr symbolischer Art seien: „Das Gebäude ist abbruchreif, die Abbruchkosten sind höher als der Grundstückswert“. Immerhin: Baulasten seien nicht bekannt; aber auch nicht, ob es noch eine Versicherung für das Gebäude gebe.

Die Stadt Rüthen hat sich mit Forderungen ins Grundbuch eintragen lassen: 1792 Euro und 1140 Euro. Hinzu kommen Grundsteuer-Abgaben in Höhe von 4718 Euro, die nicht bezahlt wurden. Eine Forderung erhebt auch die Justizkasse Hamm für das Verfahren in Höhe von 53,50 Euro.

Ob die Forderungen durch die Versteigerung beglichen werden könnten? Die Zuschauer, allen voran Ortsvorsteher Ditmar Kruse, hatten da so ihre Zweifel. Eines ist klar: Die Lasten auf dem Grundstück werden mit der erfolgreichen Zwangsversteigerung getilgt, die Übergabe erfolgt lastenfrei.

Mit den 100 Euro Verkehrswert ein Grundstück im Zentrum Kallenhardts ersteigern? So einfach ist es nicht. Normalerweise müssen bei einer ersten Zwangsversteigerung 50 Prozent des Wertes erzielt werden. Doch das so genannte „niedrigste Gebot“ allein ist höher: Exakt 1692,91 Euro mussten es mindestens sein, denn das sind die Gerichtskosten. Hinzu käme die Grunderwerbsteuer von inzwischen fünf Prozent, ohne die das Grundbuch nicht geändert würde.

Und tatsächlich: Gleich zu Beginn der Bietzeit bot ein junger Lippstädter exakt die Mindestsumme. Ein Warsteiner Unternehmer stockte kurz drauf auf 1800 Euro auf. – Aber damit war die Sache noch nicht gelaufen: Nach 20 Minuten trat die Vertreterin einer Holding aus der Schweiz, die „WABE Holding AG Zug“ nach vorne, erhöhte um 200 Euro. Zwischen ihr und dem Warsteiner erhöhte sich das Gebot schließlich auf bis zu 3300 Euro durch die Schweizer Firma.

Zu diesem Gebot erteilte Jutta Linnenbrügger dann auch den Zuschlag. Die Holding-Vertreterin fragte noch an, ob der Zuschlag um zwei Wochen, oder zumindest eine verschoben werden könne, doch das lehnte die Rechtspflegerin ab: „Nein, ich werde den Zuschlag jetzt erteilen.“

Ortsvorsteher Ditmar Kruse zeigte sich nach der Versteigerung ein wenig irritiert: „Ich habe noch nie von denen gehört.“ Seine Einschätzung: „Für mich ist das schon ein wenig mysteriös.“

Laut schweizerischem Handelsregister handelt es sich bei dem Unternehmen um eine Finanzholding mit einem Grundkapital von 50 000 Franken, die im Dezember 1997 gegründet wurde. Als Zweck wird die „Beteiligung an anderen Unternehmungen jeder Art“ angegeben.

Die Stadt bekommt durch die Versteigerung nun zumindest einen kleinen Teil ihrer Forderungen bezahlt. Und die Kallenhardter Bürger hoffen einmal mehr, dass der Schandfleck mitten im Ort unter neuem Eigentümer bald verschwindet.

Manfred Böckmann

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