Für Recht und Ordnung im Eigenjagdbezirk

Knapp 150 Hektar misst das Revier, in dem Bruno Poniewahs fast täglich nach dem Rechten sieht. Als Jagdaufseher hat er hier quasi Polizeigewalt.
Knapp 150 Hektar misst das Revier, in dem Bruno Poniewahs fast täglich nach dem Rechten sieht. Als Jagdaufseher hat er hier quasi Polizeigewalt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Warsteiner Bruno Poniewahs spricht über seine Arbeit als Jagdaufseher im Arnsberger Wald. Seit gut 20 Jahren schaut er fast täglich nach Flora, Fauna und Spaziergängern – für das Gleichgewicht im Revier.

Warstein/Arnsberg.. Die Strecke ist holprig, auf den Waldwegen kämpft der Wagen mit Hügeln und Mulden. Nichts für schwache Mägen. Bruno Poniewahs hält an. Ein kleine Lärche fällt ihm auf, für Laien unscheinbar. Der Baum ist in der Mitte vertrocknet.

„Hier hat ein Rehbock sein Gehörn vom Bast befreit“, stellt er fest. Eine sogenannte Fegestelle.„Wenn sich solche Zeichen mehren, müsste man hier einen Ansitz aufstellen, um das zu beobachten“, erklärt der 66-Jährige. Der Grund: Zu viele Fegestellen, zu viele Rehe – die Bäume gingen auf Dauer kaputt.

„Wenn ich im Revier bin, achte ich auch auf Fußgänger“

Poniewahs ist nicht nur staatlich geprüfter, also ein bestätigter, Jagdaufseher, er ist auch ausgebildeter Forstwirtschaftsmeister und zudem erster Vorsitzende des Warsteiner Hegerings. Stellenweise gleicht seine Arbeit der eines Detektivs. Finden sich Haare an einem Zaun, oder Trittsiegel, also Spuren, am Wegesrand, deutet das auf die Anwesenheit von Tieren hin und muss im Auge behalten werden. So lassen sich Wildschäden vorbeugen. Frisst ein Tier zum Beispiel die Rinde eines Baums ab, kann dieser die Fäule bekommen. Der Sicherheit halber muss er bei der nächsten Durchforstung dann gefällt werden.

„Wenn ich im Revier bin, achte ich auch auf Fußgänger“, betont Poniewahs. Die seien hier gerne mit ihren eigenen Vierbeinern unterwegs. „Hunde dürfen nur auf den Wegen frei laufen und müssen in Ruf- und Reichweite ihres Führers sein“, so der Aufseher. Sie sollen nicht mit dem Wild aneinander geraten. Auch Fußgänger müssen auf den Wegen bleiben. Erwischt Bruno Poniewahs jemanden im Dickicht, greift er höflich, aber bestimmt ein. Durch seine Ausbildung hat er hier quasi Polizeigewalt. Er kann Leute anhalten, kontrollieren und ihre Personalien feststellen.

Neue gesetzliche Einschränkungen

Auf der Fahrt geht es an einer kleinen Lichtung vorbei – eine Äsungsfläche, wie Poniewahs erklärt. Sie dient dem Wild zur Nahrungsaufnahme. Zu seinen Aufgaben gehört, dort nahrhafte Pflanzen anzubauen. Auf jeder Äsungsfläche gibt es dazu einen Salzleckstein. Über den können die Tiere zusätzliche Mineralstoffe aufnehmen. Zehn solcher Bereiche gibt es in Poniewahs’ Revier. Neue darf er seit dem 1. Juli nicht mehr anlegen. Das Land NRW hat es gesetzlich verboten – zum Schutz der vorhandenen Waldflächen.

Zwei bis drei Mal im Monat kommt jemand vorbei, um die Äsungsflächen zu mulchen. Dabei schlägt eine Maschine das Gras ab, damit es schneller vertrocknet. Generell reichert das Mulchen den Boden mit Nährstoffen an und entfernt schädliche Pflanzen. Das entstehende Heu kann später als Winterfutter dienen.

Nicht weit weg steht ein Hochsitz. Derartige Ansitzeinrichtung finden sich an einigen Stellen im Revier. Der Jagdaufseher muss sie kontrollieren und warten. Er entscheidet auch, wo ein Ansitz auf- und wo er wieder abgebaut wird. Dazu pflegt er die Pirschwege, also kleine Pfade, die er von Laub und Ästen befreit, damit ein Jäger lautlos zum Hochsitz hin- und wieder wegschleichen kann.

Wild unterliegt einer Schonzeit

Ein paar Meter weiter fährt Poniewahs an einer kleinen Wiese vorbei auf der mehrere abgedeckte Steinbehälter stehen – eine von zwei Kirrungen in dem knapp 150 Hektar großen Revier. Hier gibt es Rot-, Schwarz-, Sika- und Rehwild. Kirrungen richten sich nur an das Schwarzwild, sprich Wildschweine. In den Behältern befinden sich Mais oder Getreide.

„Das ist keine Fütterung, sondern eine Kirrung“, erklärt Poniewahs. „Das Schwarzwild soll angelockt werden.“ So können Jäger es beobachten oder bejagen. Eine Kirrung muss so angelegt sein, dass andere Schalenwildarten, also Paarhufer, es nicht aufnehmen können.

Das gehört auch dazu: Jagen. „Man muss immer sehen, wie viel Wild da ist und wie viel Wild der Wald verträgt“, betont der Aufseher. In seinem Revier schießen Jäger im Schnitt drei Rehböcke und fünf Stück weibliches Reh einschließlich Kitze. Das darf bei bestimmten Tierarten nur innerhalb gesetzlich festgelegter Zeiträume passieren. Sonst unterliegt das Wild einer Schonzeit, damit es seine Junge ungestört aufziehen kann.

Jagen nicht ohne Weiteres

Wer Jagen will, muss sich zum Jäger ausbilden lassen und eine Prüfung bestehen. Erst dann kann derjenige einen Jagdschein beantragen. Zusätzlich ist eine spezielle Versicherung nötig. „Bei jeder Gesellschaftsjagd muss der Schein unaufgefordert dem Jagdleiter gezeigt werden“, erklärt Poniewahs.

Er hat seine Prüfung 1981 bestanden. Drei Jahre später hat er einen Jagdschutzlehrgang gemacht und ist so zum Jagdaufseher geworden. Als solcher muss er alle fünf Jahre zur Weiterbildung. Auch der Jagdschein ist befristet. Poniewahs’ Schein hält noch drei Jahre. Langfristig möchte er ohnehin aufhören und die Arbeit an einen jüngeren Jagdaufseher übergeben.

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