Früher zählte das Wort bei Bankgeschäften

Rudi Bräutigam geht in den Ruhestand. Bald vier Jahrzehnte war er das Gesicht der Spadaka und Volksbank in Hirschberg.
Rudi Bräutigam geht in den Ruhestand. Bald vier Jahrzehnte war er das Gesicht der Spadaka und Volksbank in Hirschberg.
Foto: Manfred Böckmann
Was wir bereits wissen
Jeder kannte jeden. – Das war früher wohl unabdingbar in Sachen Bankgeschäft. Rudi Bräutigam kann sich noch gut an diese Zeit erinnern: „Man kannte sich, da zählte noch das Wort“.

Hirschberg.. Der 60-Jährige, der in diesen Tagen in den wohlverdienten Ruhestand geht, hat ganze 36 Jahre bei der heutigen Volksbank Hellweg gearbeitet. Und ist deswegen sogar nach Hirschberg gezogen – das war damals Voraussetzung, um mit der Filialleitung betraut zu werden.

Großhandelskaufmann gelernt

Bräutigam ist nicht einmal gelernter Banker, sondern Großhandelskaufmann, der sich anschließend für die neue Herausforderung qualifizierte. „Das geht heute bei all den Anforderungen gar nicht mehr“, glaubt er. Damals reichte eine kaufmännische Ausbildung als Voraussetzung, zumal man als Allrounder eingesetzt wurde – jeder machte damals alles, während es heute ausgewiesene Spezialisten gibt.

Nicht der einzige Unterschied: Während heute vieles automatisch per Computer erledigt wird, war das in den 1970er Jahren noch ganz anders. „Früher sortierte man Kontoauszüge, wenn es Rente gegeben hatte, bis zu drei Stunden“. Zu jedem Girokonto gab es eine Karteikarte, in der Auszüge und Belege gesammelt wurden. Auf dieser waren Name, Anschrift, der Arbeitgeber, der Stempel der Schufa („46000 Dortmund“) vermerkt – und der Hinweis, wer Kontovollmacht hat. Das war’s – heute muss zur Eröffnung ein mehrseitiges Formular ausgefüllt werden.

Früher, das war die Zeit des „personalisierten Geldautomaten“. So könnte man das Angebot beschreiben, das es samstags gab: Da war nämlich die Kasse für Auszahlungen geöffnet. Bräutigam: „Das war der Renner!“ Zwei Mitarbeiter mussten da sein, die Umsätze wurden per Kassenmaschine verbucht und den Konten mittags beim Kassenabschluss per Hand zugeordnet.

1979 wurden Schließfächer für Kunden errichtet. Und für Geschäftskunden, die täglich kamen, um Schecks einzureichen, gab es Brieffächer, in die Belege gelegt wurden. Damals heimste man auch irgendwann den Titel „Schönstes Bankgebäude NRW“ ein.

Neue Sparbuch-Farbe

Die Registriermaschine war lange Zeit „der einzige Computer“. Auf dem Schreibtisch gab es lediglich noch eine Rechenmaschine. Das war nicht viel anders am 31. Dezember, wenn man vor Ort eine Bestandsaufnahme machen musste; „da musste bis Mittag gearbeitet werden“, erinnert sich Bräutigam an den Vorläufer des heutigen Bankfeiertags.

Geändert hat sich nicht nur die Farbe des Sparbuchs (früher rot, heute Volksbank-blau), sondern auch der Zinssatz. Rudi Bräutigam hat noch ein Dokument über ein ehemaliges „Wachstumszertifikat“, das 7,75 Prozent im ersten und 8 Prozent im zweiten Jahr abwarf. Der Darlehnszins lag damals aber auch schon bei bis über 13 Prozent. Unvorstellbar: Für Tagesgeld gab es auch schon mal 11 Prozent – heute wäre ein Zehntel davon schon viel.

Kaum eine Rolle spielten damals – in allen Altersschichten – Wertpapiere. Das änderte sich erst ein wenig mit dem Börsengang der Telekom. Bis heute hat sich in dem Bereich vor allem eines geändert: Der Aufwand, die Geschäfte zu protokollieren. Geschäfte – wie früher – auch schon mal praktisch im Supermarkt abzuschließen, das geht heute gar nicht mehr.

Ohne Computer läuft nichts

Heute würde man als Kunde bei einem Stromausfall auch wohl kein Geld mehr bekommen. Einmal abgesehen davon, dass die Bank – „zumindest offiziell“ – schließen müsste: Es gibt heute schlicht kein Bargeld mehr, außer im Geldautomaten. Und auch sonst: „Ohne Computer läuft hier nichts mehr“.

Oder zuhause: Die Kunden betreiben Onlinebanking, drucken ihre Kontoauszüge daheim selbst aus, kaufen vom Wohnzimmersofa aus Aktien. Aber: „Der Kunde braucht immer noch Beratung“, glaubt Rudi Bräutigam weiter an die Bankfiliale vor Ort: „Die Kunden suchen noch die Nähe. Vertrauen ist schließlich alles“.