Fremden helfen, sich heimisch zu fühlen

Was wir bereits wissen
Für die Asylsuchenden in Warstein ist eine Integration nur möglich, wenn sie auch die deutsche Sprache verstehen. Elke Ibing appelliert, den Flüchtlingen beim lernen zu helfen.

Warstein..  Gemütlich gemacht haben es sich die Kinder auf der Treppe der Gutenberg-Schule, lauschen konzentriert, was ihnen Elke Ibing zu vermitteln versucht. Was die Wörter Baum und Blatt bedeuten, haben sie bereits abgehandelt. „Wir sind jetzt beim Buchstaben C angekommen, es geht vorwärts“, schmunzelt Elke Ibing.

Die Geschwisterkinder, denen sie Unterricht in deutscher Sprache gibt, denen sie gleichzeitig ein für sie fremdes Alphabet nahe bringt, stammen aus Somalia. Vor einigen Wochen ist die Flüchtlingsfamilie, zu der fünf Kinder zwischen dreieinhalb und elf Jahren gehören, in die Nachbarschaft der Ibings gezogen. „Wir fühlen uns ein wenig verantwortlich. Der Vater spricht Englisch, die übrigen Familienmitglieder nur Somalisch.“ Daher hat sie damit begonnen, den älteren Kindern Unterricht zu erteilen mit Hilfe von Buchstaben und Bildern. „Ich gebe ihnen jeden Tag Hausaufgaben auf. Es ist eine Freude zu sehen, welche Fortschritte die Kinder schon gemacht haben. Sie bringen jeden Tag stolz ihre Hefte und zeigen ihre Hausaufgaben. Das ist auch eine Abwechslung von ihrem Alltag.“

Keine Möglichkeit für Kontakte

Denn in Warstein haben sie zwar ein neues Zuhause gefunden in geordneten Verhältnissen, „aber Freunde zu haben, keine Angst mehr zu haben in einem fremden Land sind viel wichtiger“, betont Elke Ibing. Grundvoraussetzung, um die Flüchtlinge im Stadtgebiet am Leben teilhaben zu lassen, ist aber die Verständigung. Bei der somalischen Nachbarsfamilie können die Ibings helfen, aber viele andere Flüchtlinge sitzen sprachlos in ihren Zimmern, ohne eine Möglichkeit, Kontakt zu den Menschen, die hier leben, aufnehmen zu können.

„Die Sprache zu lernen in dem Land, in dem ich lebe, öffnet viele Türen und trägt zur Verständigung bei. Das Miteinander fällt viel leichter.“ Daher sei es wünschenswert, wenn sich Bürger im Stadtgebiet bereit erklären würden, den Asylsuchenden mit Hilfe von Bildern das Alphabet und die deutsche Sprache zu vermitteln. „Es ist doch ein Armutszeugnis, dass die Kinder hier in die Schule kommen und können nichts.“

So haben ihr die somalischen Kinder erzählt, dass auch die älteren unter ihnen noch nie eine Schule besucht haben. „In Somalia gibt es nur Privatschulen. Das kostet schnell 150 Dollar im Monat, das kann sich keiner leisten.“

Während Kinder, die eine Kindertagesstätte besuchen, die deutsche Sprache schnell lernten, sei die Situation für die älteren schwieriger. Ihnen Deutsch beizubringen müsse Priorität haben. Doch sei dies nicht in Großgruppen, sondern nur in Kleingruppen möglich.

Doch für diese braucht man ehrenamtliches Personal. „Es gibt sicherlich den ein oder anderen pensionierten Lehrer, Studenten oder Gymnasiasten, der hier hilfreich wäre.“ Sinnvoll wäre es auch, eine Sprachenbank einzurichten, in der diese Menschen und ihre Sprachkenntnisse aufgenommen werden. Vielleicht würde sich ein Pensionär finden, der diese Bank pflegt und Kurse koordiniert.

Ehrenamtliches Personal gesucht

Wünschenswert wäre es auch, wenn die Stadt für diese Sprachkurse, in denen ehrenamtliche Lehrer tätig sind, Räume zur Verfügung stellen würde. „Da können sich der Kreis und die Stadt nicht aus der Verantwortung ziehen.“

Wegen „ihrer“ somalischen Familie möchte Elke Ibing Kontakt zu Gerrit Greiß aufnehmen, denn auch im Möhnetal soll ein Somali wohnen. „Ich wollte fragen, ob man ihn als Vermittler in der Schule einsetzen kann.“ So hätten wenigstens diese Kinder schon einmal einen guten Start in den Schulalltag. „Glückliche Kinderaugen sind das größte, glückliche Eltern ebenso“, hofft sie auf viele Nachahmer und breites Engagement in der Bevölkerung.