Frauenkarneval reist in die Vergangenheit

Belecke..  Auch in dieser Karnevalssession luden die katholischen Frauen der kfd in die närrische Arena nach Belecke ein. Und sie kamen in Scharen, die bunten, ausgefallenen und geschmackvoll kostümierten Frauen aus allen Ortsteilen und den Nachbargemeinden, die sich teilweise auch am Programm beteiligten. Wie gleich zum Auftakt mit „Matta und Lisbet“ aus Anröchte. Zuvor hatte die Pauken- und Trommler-Truppe „SamBaDu“ die Stimmung angeheizt.

Der Kampf mit den Körperpfunden

Mitgenommen wurden die Besucherinnen auf eine Reise durch das vorige Jahrhundert: Wie tanzte man damals? Was zogen die Damen an? Wie ernährten sie sich? Letzteres wurde weniger durchleuchtet, da war man eher beim langanhaltenden Problem der deutschen Frau von heute: Der ständige (und unsinnige) Kampf mit den Körperpfunden.

Gar nicht zufrieden waren mit ihren Figuren „Matta und Lisbet“, dann auch „Gerda“, die die Strickjacken ihrer Töchter als Stirnbänder tragen würden und Trennkost so verständen, dass einer in der Küche, der andere in der Essecke isst. Beim Refrain waren sich die Frauen einig: „Ich hab mich 1000 Mal gewogen, und ich war 1000 Mal entsetzt; die Pfunde kommen angeflogen, und hab’n sich an mir festgesetzt.“

Als in der Zeitreise der Modetänze von einst einige Girls auf der Bühne gekonnt einen Charleston hinlegten, ging der Rhythmus so in die Beine, dass an den Saaltischen die Knöchel in Aktion gebracht wurden.

Hippies in Woodstock

Weiter ging es damit beim „Rock’n’Roll“, als die Tanzgirls in glockigen Pünktchenkleidern nicht nur den wippenden Petticoat schwingen ließen. „Very Sunshine“ nahmen dann die Entfesselten mit nach Woodstock, als sich die Blumenkinder zu Paradiesvögeln – die man heute manchmal noch antrifft – verwandelten. Der breiten Öffentlichkeit wurden diese „Hippies“, wie sie genannt wurden, dann im Musical „Hair“ vorgestellt. In dieser Tanzschau brillierten die Gardistinnen der GBK, die für ihr hartes Training lautstarken Szenenbeifall als Dank erhielten.

Brillant war auch das Sich-in-Szene-Setzen der Damen aus dem Gemischten Chor, die eine gekonnte Persiflage als „Belecker Shopping Queens“ mit „Prada! Prada!“ ablieferten – schade nur, dass auch bei ihrer Darbietung die Tonanlage nicht optimal mitspielte.

Mit ihren Stöcken schlugen die „Partyladys“ auf ihre großen Silberbälle ein, so dass man sich fragte: Wem gilt diese Wut? Auch sie wurden für diesen Einfall und dessen Umsetzung mit großem Beifall bedacht. Den konnten auch die „Acht Wästerbeats“ und die „Dancing Queens“ für sich verbuchen. Dass dann die Juka-Prinzengarde als einzige Männer-Formation unter all den stampfenden und swingenden Frauenbeinen mit besonderem Hallo empfangen wurde, versteht sich.

Zehenbeißen nicht mehr im Trend

Wer dachte, nach Programmschluss zögen all die Frauen wieder brav in ihre Dörfer, der wurde des Besseren belehrt: Es ging weiter in der Enge der proppevollen Halle, so dass der Service zu den hoch gehaltenen „Durst“-Schildern kaum durchkam. Nur das Zehenbeißen scheint auch in der sauerländischen Fastnacht nicht mehr im Trend zu sein; hier oder da sieht man einmal einen Mann mit halber Krawatte, das ist vom „Brauchtum“ am Lütke Fastnachtstag, wie er einst hieß, übrig geblieben.