Frauen bleiben in Warstein Mangelware

Bei den Straßennamen im Warsteiner Stadtgebiet sind Frauennamen Exoten.
Bei den Straßennamen im Warsteiner Stadtgebiet sind Frauennamen Exoten.
Foto: Manfred Böckmann
Was wir bereits wissen
Frauen sind in Warstein unterrepräsentiert. Zumindest bei den Straßennamen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sich das ändert, ist gering.

Warstein..  563 Straßen (und Plätze) gibt es in Warstein, weiß Johannes Hellermann, Straßenbauexperte der Stadt. Und jede hat natürlich einen eigenen Namen. In Düsseldorf hat man sich diese Bezeichnungen – dort gibt es natürlich ein vielfaches davon – mal etwas näher angeschaut. Und festgestellt, dass nur drei Prozent der Straßen und Plätze einen weiblichen Namen tragen. In der Landeshauptstadt soll nun mittels Quote dafür gesorgt werden, dass es künftig mehr „weibliche“ Straßen gibt.

„Die männlichen sind bei den Warsteiner Namen auch um einiges höher“, ist Hellermann beim Blick auf das Straßenverzeichnis überzeugt: „Der Frauennamen-Anteil ist bei uns auch minimal“.

Nicht durchgezählt

Genau durchgezählt hat allerdings Hellermann auch nicht. Doch historisch bedingt sind es ganz offensichtlich deutlich mehr Männer, die mit einer eigenen Straße geehrt wurden. Und auch die „jüngste“ Straße, sie befindet sich in Suttrop, ist „männlich“ benannt, nämlich die „Von-Fürstenberg-Straße“. Auch wenn kein Vorname verwendet wird, ist klar, dass der Freiherr und nicht etwa die Freifrau von Fürstenberg der Straße ihren Namen gibt.

Vorschläge von Ortsvorstehern

In Warstein gibt es keinen Quotenschlüssel bei der Vergabe von Straßennamen. Vorschläge kommen meist über die Ortsvorsteher oder Heimatpfleger, erläutert Hellermann im Gespräch mit der WP. So wurde etwa auch der Name für die Straße „Am Tiergarten“ in Sichtigvor vorgeschlagen. Anschließend beschäftigt sich die Politik mit dem Thema und beschließt über den Namen. Besonders oft wurde bislang Wert auf einen räumlichen Bezug gewählt – sei es die Straße „Am Gesellenhaus“, „Am Zehnthof“ oder „Zur alten Brauquelle“. Auch die Natur soll sich auf Briefadressen widerspiegeln. So gibt es den „Amselweg“ wie den „Starenweg“, aber auch den „Erlen-“, „Kirsch-“ und „Kiefernweg“. Orte in der Nachbarschaft werden gewürdigt („Hirschberger Straße“, „Belecker Landstraße“, „Suttroper Weg“) und Berufe („Böttcherstraße“, „Weberstraße“, „Köhlerweg“). Und auch die Städtefreundschaft wird durch Namensvergaben dokumentiert („Pietrapaola-Platz“, „St. Poler Straße“).

Die jüngste Straße: Die Von-Fürstenberg-Straße Foto: Manfred Böckmann Klar auch ohne Vornamen

Doch wie ist es denn nun mit den auf Straßenschildern verewigten Männern und Frauen? In vielen Fällen wird gar kein Vorname verwendet, doch ist eindeutig, dass ein Mann damit gemeint sei, etwa bei den „Komponistenstraßen“ („Haydn-Straße“ oder „Beethovenstraße“) oder den Wegen der Dichter und Denker („Goe­thestraße“, „Schillerstraße“).

Bei den Frauen ist das anders. Da gibt es die „Christine-Koch-Straße“ und die „Gertrud-von-Le-Fort-Straße“ jeweils mit Vornamen, bei der „Von-Droste-Hülshoff-Straße“ ist eindeutig, dass sich dahinter eine Frau verbirgt. Und sonst? Zwei Heilige („St. Agatha-Straße“ und „St. Barbara-Straße“) sowie einige reine „Vornamenstraßen“, nämlich „Josefinenstraße“, „Margarethenring“, „Marienweg“, „Ottilienstraße“, „Roswithastraße“ und „Viktoriastraße“. Macht insgesamt rund ein Dutzend Straßennamen.

Bei den Männern sind es weit mehr als 70 – und es werden (siehe die jüngste Straße „Von Fürstenberg-Straße“) eher noch mehr. Also auch hier Zeit für die Quote?

Kaum Chance auf schnelle Änderung

Eine Änderung der Verhältnisse würde lange Zeit in Anspruch nehmen, denn allzu viele neue Straßen sind in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Vielleicht bei der Erweiterung im Industriepark Belecke. Man kann ja schon mal Ausschau halten nach einem dann passenden weiblichen Namen. Und frau natürlich auch.